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Viel Neues aus dem Kaffeehaus

Bei Ettli Kaffee ist Glööckler auf die Bohne gekommen

Verstärkt auf Kooperationen setzt das Ettlinger Unternehmen Ettli Kaffee GmbH. Die neue Geschäftsführerin Corinna Pape (38) nennt beispielsweise Kaffeespezialitäten speziell für Modezar Harald Glööckler und den Karlsruher SC. Außerdem spielt sie das Thema Nachhaltigkeit groß mit der Ettli-Ausgründung Ohana GmbH.

MISTER POMPÖÖS MACHT NICHT NUR IN MODE: Harald Glööckler ist auf das Ettlinger Unternehmen Ettli zugegangen, das für ihn nun Kaffeespezialitäten herstellt. Foto: dpa
Die Ettlinger Traditionsrösterei Ettli Kaffee GmbH ist in neuer Hand – und lässt ein Marketingfeuerwerk steigen: mit Spezialitätenkaffees im Monats-Abo, Spezialmischungen für Modezar Harald Glööckler und den Karlsruher SC sowie einer aufgefrischten Marke. Forciert wird zudem das Thema Nachhaltigkeit, auch um Kaffee-Pflückern einen fairen Lohn zu sichern (siehe unten stehenden Text). Ettli, 1932 als Kolonialwarenladen gegründet, wurde vor einem Jahr von Jürgen Rupp (61) verkauft, wie dieser im BNN-Gespräch mitteilt. Er verweist in diesem Zusammenhang auf eine fehlende passende familieninterne Nachfolgeregelung.

Neue Gesellschafterin ist zum einen die EFA-Gruppe aus Ettlingen, die für ihre Tankstellen bekannt, aber auch am Karlsruher Bäckerei-Filialisten Hatz beteiligt ist. Weitere 50 Prozent hält Corinna Pape. Die 38-jährige Heidelbergerin ist promovierte Medienwissenschaftlerin, engagierte sich bereits vor sechs Jahren mit einer eigenen Firma bei Nachhaltigkeitsfragen und beriet dazu zuletzt Unternehmen.

Ettli Kaffee mit spezieller Mischung für den Karlsruher SC

Jetzt ist sie auf die (Ettli-)Bohne gekommen. Die Ettlinger haben nicht nur die eigene Rösterei, sondern betreiben zwei eigene Cafés, haben Franchisepartner, beliefern Industrieunternehmen, Hotel, Cafés und Bäckereien mit Kaffee, Tee, Gewürzen und Accessoires. Pape, die weiterhin auf die Erfahrung von Rupp als Geschäftsführer setzt, plant ein weiteres Café und verfolgt Shop-in-Shop-Konzepte. Mit der Ettli-Ausgründung Ohana GmbH spricht sie Geschäftskunden mit Premium-Kaffee an, will aber alle Vertriebskanäle ausbauen.

EFA-Gruppe als neue Gesellschafterin

Im vergangenen Jahr habe man 256 Tonnen Röstkaffee hergestellt, so Rupp. „Weitere 150 Tonnen wären möglich.“ Außerdem gebe es bauliche Erweiterungsmöglichkeiten, verdeutlicht er Zukunftschancen für Ettli mit seinen 46 Mitarbeitern. Im vergangen Jahr erlöste das Unternehmen 5,7 Millionen Euro, in diesem Jahr werde man die Sechs-Millionen-Euro-Marke knacken. Parallel gibt es fürs Automatengeschäft noch die Firma KMTS, die jeweils zu 25 Prozent Rupp und Geschäftsführer Holger Rinnhofer gehört und zu weiteren 50 Prozent der EFA.

Vor allem mit Spezialitätenkaffees möchte Pape neue Zielgruppen erschließen – da passte es, dass Harald Glööckler „auf uns zukam“. Er kannte Ettli und wollte für sein geplantes Café in Bad Dürkheim eine Pompöös-Röstung, also eine spezielle Edition mit Kaffees und Espressis kreiert haben. Diese werden bereits stationär und online verkauft.

„KSC Kaffeeeeolee“ im Pop-up-Store der Volksbank Karlsruhe

Sportlich geht es hingegen bei einer Kooperation im Pop-up-Store – einem nur kurzfristig geöffnetes Geschäft – der Volksbank Karlsruhe zu. Dort präsentieren Ettli und der Karlsruher SC ab 4. Juli die erste KSC-Kaffeekollektion, genannt „KSC Kaffeeeeolee“ und „KSC Espressooollee“ in Anlehnung an das Stadionlied des Zweitligisten.

SETZEN AUF NACHHALTIGKEIT: Ettli-Geschäftsführer Jürgen Rupp und Geschäftsführende Gesellschafterin Corinna Pape. Foto: jodo

Ettli steuert zum Veranstaltungsprogramm beispielsweise Kaffeeseminare bei, der Karlsruher SC schickt Spieler. Wie frisch und frech Corinna Pape das Thema Kaffee präsentieren will, wird an einem weiteren Beispiel deutlich: Im Pop-up-Store können Gäste ein Selfie schießen – „mit einem 3D-Kaffeedrucker werden die Bilder dann dank Lebensmittelfarbe auf den Eiskaffee oder Latte gedruckt“.

Ettli Kaffee bekommt aus mehreren Kontinenten die Kaffeebohnen geliefert und wurde beispielsweise vom „Feinschmecker“ und „Öko-Test“ ausgezeichnet. Das Kaffeehaus röstet in Ettlingen in einer „Probat“-Maschine, die in der Branche für ihre schonende Produktionsweise bekannt sind.

Bio-Becher, Elektroautos für Vertriebsmitarbeiter, Fotovoltaikstrom in der Produktion, höhere Preise für Qualitäts-Rohkaffee – für die Ettli Kaffee GmbH ist all dies nicht neu. „Bei vielen Kunden war es aber nicht bekannt“, sagt die Geschäftsführende Gesellschafterin Corinna Pape. Das wolle man ändern und das Thema Nachhaltigkeit forcieren. Deswegen hat sie die Ohana Social Enterprise GmbH (Ettlingen) ausgegründet, die sich an Geschäftskunden richtet. Zwei Großkonzerne und ein Global-Player aus der Region testeten bereits Ohana – und können darauf auch in ihren Nachhaltigkeitsberichten hinweisen. Ohana sei ein Netzwerk von Menschen und Organisationen, das den fairen Handel von Kaffee und Tee unterstütze. Man beziehe die Waren direkt von Farmen in Brasilien, Guatemala, Honduras und Indien. Für jede Tasse spende man eine warme Mahlzeit an die Familien auf den Kaffee- und Teefarmen. „Zusätzlich beteiligen wir die Kaffeefarmen zu 50 Prozent an unseren Gewinnen und investieren in nachhaltige Projekte für Gesundheit und Bodenerhaltung“, sagt Pape.

Transparenz werde groß geschrieben. Pape nennt ein Beispiel: Wer in der Kantine eines Ohana-Testkunden beispielsweise eine Tasse des Kaffees trinkt, kann über sein Smartphone abrufen, woher die Kaffeebohnen kommen, wie viel der Pflücker verdient hat und wann die Bohnen verschifft wurden. Auch die Beträge, die für soziale Projekte ausgegeben werden, zeige man auf. Geröstet werden die Kaffeebohnen in Ettlingen. Diese App sei vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium ausgezeichnet worden. Pape fasst zusammen: „Es werden mit den Kaffeebauern direkte Verbindungen geknüpft, faire Löhne gezahlt und ein Teil der Gewinne zusätzlich in die lokale Ökonomie und Bodenhaltung investiert.“ Wie Ettli-Geschäftsführer Jürgen Rupp ergänzt, bezahle man besser als bei anderen Fair-Trade-Organisationen.

Das Wort Ohana kommt aus Hawaii und steht dort für Familie. Tee bezieht Ohana übrigens auch von einer Plantage in Sri Lanka, an der man beteiligt sei. Von dort bekomme auch die britische Queen einen Teil ihres Tees, erläutert Pape weiter.

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