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Im Mörscher Forst

Bei Rheinstetten soll eine riesige Industrie-Anlage für die Gasversorgung entstehen

Eine große industrielle Anlage soll bis 2023 am Kiesdreieck, im Bereich Mörscher Wald B3/Landesstraße 566 unweit der A5, entstehen. Für sie müssen 23.000 Quadratmeter Wald geopfert werden.

Das Modell für die Gasverdichterstation am Kiesdreieck Foto: Animation terranets bw

Sie wird eine der größten Investitionen in der Region sein: Die geplante Gasverdichterstation der terranets Baden-Württemberg im Mörscher Wald beim Kiesdreieck, direkt an der Gemarkungsgrenze Rheinstetten/Ettlingen.

Durch den Neubau durch eine rund 125-Millionen-Euro Investition soll nach dem Willen des Betreibers der Erdgas-Nordschwarzwaldleitung die Strecke von Au am Rhein bis nach Leonberg deutlich leistungsfähiger werden.

Im Mörscher Wald soll die neu zu errichtende Verdichterstation den Volumenstrom der Erdgasleitung Nordschwarzwald um das das Dreifache erhöhen. Sie soll beim alten Schießplatz 2023 in Betrieb gehen.

Gas als Brückentechnologie

Nils Höger, Projektleiter bei terranets bw, hatte bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung im vergangenen Sommer in der Forchheimer Ufgauhalle zugestanden, dass das Gas „nur eine Brückentechnologie” sei. Aber man brauche nach Abschaltung der Kohlekraft- und Atomkraftwerke Gas als Energieträger für die Systemstabilität des Stromnetzes.

Ein weiteres Argument damals: Wenn das Gas nicht mehr benötigt werde, könne durch die Leitungen Biomethan oder Gas für die künftige Brennstoffzellentechnologie transportiert werden.

Station erhöht den Druck in der Leitung auf das Doppelte

Das Erdgas erreicht die Verdichterstation mit einem Druck von 40 bar. Dort wird mit Hilfe von Gasturbinen und Elektromotoren zu den Verdichtern transportiert. Die Abgase der Gasturbinen werden über Schornsteine in die Atmosphäre abgegeben. Durch die Verdichtung erhitzt sich das Gas auf bis zu 70 Grad.

In der Anlage wird es danach wieder auf die Betriebstemperatur heruntergekühlt. Geplant ist auf dem Areal am Standort östlicher Hardtwald Verkehrsknoten Landesstraße 566 / Bundesstraße 3 westlich der Autobahn A5 ein Geflecht an Rohrleitungen zu installieren, eine Verdichterstation mit vier Maschineneinheiten aufzubauen, ein kombiniertes Gebäude zur Energieversorgung (Energiezentrale) mit Transformatoren, Gasrückverdichter und einem Blockheizkraftwerk hochzuziehen.

Zudem wird ein Betriebsgebäude mit Büro-, Besprechungsraum und Sozialräumen, Werkstatt mit Lagerräumen sowie ein Bedien- und Beobachtungsplatz hingestellt. Dazu soll noch ein Gefahrstofflager sowie eine riesige Umzäunung der Anlage mit Pkw-Stellplätzen im Außenbereich kommen.

Während der Bauphase wird auf der westlichen Seite der B3 beim Kiesdreieck auf Ettlinger Gemarkung eine 11.000 Quadratmeter große Fläche für die Baueinrichtung angelegt. Sie verschwindet wieder nach Fertigstellung der Verdichterstation.

Einwendungsfrist läuft am 4. März ab

Die Einwendungsfrist gegen das Vorhaben der terranets bw endet am 4. März 2021. Zuständige Genehmigungsbehörde ist das Regierungspräsidium Freiburg. Die Unterlagen stehen auf der Internetseite des Regierungspräsidiums bereit. Es liegt im „pflichtgemäßen Ermessen“ der Behörde, ob es einen Erörterungstermin zu dem Vorhaben gibt. Der wäre am 10. Mai 2021 in der Keltenhalle.

Viele Änderungswünsche der Stadt Rheinstetten

Marin Reuter, Umweltbeauftragter der Stadt Rheinstetten, sprach in der Gemeinderatssitzung vom 16. Februar von einigen Dissenspunkten zwischen der Stadt Rheinstetten und dem Vorhabenträger terranets. Leider habe terranets den Dialog bei der Erarbeitung der Genehmigungsunterlagen, insbesondere hinsichtlich eines Ausgleichskonzepts für den Eingriff in die Landschaft, vermissen lassen.

Terranets setze bei dem ökologische Ausgleich mehr auf eine mathematische Bilanzierung des Ökokontos, anstatt vor Ort in Rheinstetten für entsprechende Maßnahmen zu sorgen. In den Antragsunterlagen würden für die rechnerische Aufwertung für den Bodenausgleich Aufforstungsflächen in Ettlingen oder im Glottertal angeführt, dabei wäre es aus Sicht von Reuter überzeugender, wenn auf Rheinstettener Gemarkung versiegelte Flächen entsiegelt würden.

Mehr Entsiegelung auf Rheinstettener Gemarkung?

Ein gutes Beispiel dafür sei beispielsweise der Rückbau der Betonpiste des ehemaligen Forchheimer Fluglandeplatzes. Durch die neue Verdichterstation gehe zwangsläufig in erheblichem Umfang Lebensraum für Tiere und Pflanzen verloren. Für blütensuchende Insekten sollten die Dachflächen voll umfänglich begrünt werden.

Ebenso müsse ein Beleuchtungskonzept her, das Fledermäuse und nachtaktive Insekten schützt. Eine Vielzahl weiterer Punkte, von der Umsiedlung von Eidechsen über Schutz von Amphibien bis zu Maßnahmen für die Vogelwelt und Waldaufwertung in Rheinstetten, stehen auf der Wunschliste der Stadt Rheinstetten, bevor das Regierungspräsidium eine Genehmigung für die Gasverdichterstation erteilt. Tenor: Immerhin wird auf knapp 23.000 Quadratmetern der vorhandene Waldbestand entfernt.

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