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Tag des deutschen Bieres

Bierabsatz in Brauereien in Ettlingen und Umgebung ist stark zurückgegangen

Deutlich weniger Bier als in den Vorjahren floss im Jahr 2020 durch die Zapfhähne in der Region. Die coronabedingte Schließung der Gastronomie bremste die Brauer aus. Mancher musste auch Bier wegschütten.

Im Herzen der Brauerei: Rudi Vogel steht im Keller des Vogel Hausbräu in Ettlingen, wo in riesigen Edelstahltanks das Bier aufbewahrt wird. Nicht alle sind zurzeit gefüllt, weil durch Corona der Absatz deutlich zurückgegangen ist. Foto: Julia Trauden

3.000 Liter Bier hat die Hausbrauerei von Hardy Schröder in Malsch im März in den Abfluss gekippt – schweren Herzens, sagt Schröder, aber es ging nicht anders: Der Gerstensaft hatte sein Haltbarkeitsdatum überschritten. Nach sechs Monaten „hätte sich wahrscheinlich niemand daran vergiftet“, meint der Geschäftsführer, aber gut geschmeckt hätte das Bier sicher nicht mehr.

Weil sein Biergarten und auch die an die Brauerei gekoppelte Gastronomie im Alten Bahnhof seit mehreren Monaten geschlossen ist, wurde Schröder das Bier nicht los. Die 3.000 Liter blieben übrig, obwohl seine Brauer die Produktion deutlich gedrosselt hatten: von 70.000 Litern im Jahr 2019 auf bis zu 30.000 Liter im Corona-Jahr 2020.

Wie Schröder erging es in der Corona-Zeit vielen Brauereien. In einem offenen Brief machten Branchenvertreter im Februar auf ihre teils dramatische Situation aufmerksam. „Ware im Wert von vielen Millionen Euro, deren Haltbarkeitsdatum überschritten wurde, musste bereits vernichtet werden“, hieß es in dem Schreiben, zahlreiche Betriebe stünden vor der Insolvenz.

86,9 Liter Bier hat jeder Deutsche im Schnitt 2020 getrunken

Der Bier-Absatz ging 2020 laut Brauer-Bund um fünf Prozent auf 8,7 Milliarden Liter zurück. Pro Kopf wurden laut Statistischem Bundesamt nur rund 86,9 Liter Bier getrunken, das waren fünf weniger als 2019.

Hardy Schröder und sein Team versuchen, über den Verkauf von abgefülltem Bier in Flaschen den Kontakt zum Kunden aufrechtzuerhalten – rentabel ist das Geschäft mit dem Gezapften „to go“ nicht. Deshalb ist die Brauerei für Selbstabholer auch nur an ein oder zwei Tagen die Woche jeweils für zwei Stunden geöffnet.

Zum Tag des deutschen Bieres am Freitag (23. April) bleibt sie sogar ganz geschlossen. Normalerweise hätten sie zum „Feiertag“ ein Sonderbier gebraut, erklärt Schröder. Stattdessen gibt es jetzt weiter Pils und Helles, und verkauft wird am Samstag.

Abfüllung in Flaschen für Selbstabholer wird in Ettlingen gut angenommen

Kein Spezialbier, aber besondere Speisen zum Mitnehmen hat sich Rudi Vogel vom Vogel Hausbräu Ettlingen zum Tag des deutschen Bieres ausgedacht. Mit Braumalz paniertes Schnitzel und Biergulasch gibt es dort zum Beispiel. Den Feiertag mit den dazugehörigen Aktionsangeboten hat Vogel auf das ganze Wochenende ausgeweitet.

Auch das Vogel Hausbräu leidet darunter, dass die Gastronomie nur für Abholung und Lieferung öffnen darf. Allerdings, sagt Vogel, laufe das Geschäft mit den Flaschenabfüllungen ganz gut. „Die Leute holen viel Bier.“ Zehn bis 20 Prozent des üblichen Umsatzes könne man darüber generieren. Das ist nicht die Welt, aber mit Hilfsgeldern und Rücklagen kann sich die Brauerei gut über Wasser halten.

Vogel hat in der Corona-Zeit sogar 600.000 Euro in die Modernisierung von Braukeller und Küche investiert. Jetzt hofft er darauf, dass er den Außenbereich Mitte Mai wieder öffnen darf. Die Edelstahltanks im Braukeller sind aktuell nur zum Teil mit Bier gefüllt.

Wegschütten musste Vogel nichts: „In den Tanks kann das bei uns ein halbes Jahr lagern.“ Erst wenn das Bier in Flaschen oder Fässer abgefüllt sei, fange die Alterung an. Was schon in Fässern lagert und abzulaufen droht, verarbeitet Vogel zu Bierbrand.

Lindenbräu Waldbronn mit 97 Prozent weniger Absatz 2020

Auch bei Ralf Störzbach vom Lindenbräu in Waldbronn wanderte kein Bier in den Gully, weil es das Haltbarkeitsdatum überschritten hatte. Bei ihm kommt der Gerstensaft ebenfalls direkt vom Tank in den Zapfhahn.

1.200 Hektoliter Bier verkauft er normalerweise pro Jahr, 2020 sei der Absatz um ganze 97 Prozent eingebrochen. Die Gastronomie fehlt und der Verkauf von Flaschenabfüllungen bringe nur geringe Einnahmen.

Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht wäre es ökonomischer, wenn wir komplett schließen würden.
Ralf Störzbach, Geschäftsführer Lindenbräu Waldbronn

Zwischen 150 und 200 Liter Bier pro Woche wird Störzbach auf diese Weise los – „normal wären 2.000 Liter“, verdeutlicht er mit Blick auf die Zeiten, als das Restaurant noch regulär geöffnet hatte. „Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht wäre es ökonomischer, wenn wir komplett schließen würden.“

Der 51-Jährige hofft auf eine Öffnung des Biergartens im Juni – und darauf, dass er im Herbst wieder drinnen bewirten kann, und zwar bei voller Gästezahl. „Sonst haben wir ein riesiges Problem.“ Sieben von zehn Festangestellten sind aktuell zu 100 Prozent in Kurzarbeit, drei arbeiten im Flaschenverkauf und leisten dort 20 Prozent ihrer normalen Stunden.

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