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Kosten, Einnahmen und Unfallzahlenitzer

Blitzer der Stadt Ettlingen: Lohnt sich das?

In Ettlingen gibt es an mehreren Stellen Blitzer. Diese sollen unter anderem für sinkende Unfallzahlen sorgen. Ist das erfolgreich? Und: Wie viel Geld fließen durch die Blitzer in die städtischen Kassen?

Registriert Rotlicht- und Geschwindigkeitsverstöße: Seit stationäre Blitzer an der Seehof-Kreuzung steht, gibt es dort weniger Unfälle. Jedoch bringt die Anlage der Stadt nicht so viel Geld ein wie mobile Blitzer. Foto: Werner Bentz

Sie waren der Stolz des vormaligen Bürgermeisters Thomas Fedrow: Die drei mobilen Geschwindigkeitsmessfahrzeuge der Stadt Ettlingen. Von der Technik eines Exemplars war er einmal so begeistert, dass er bei der Vorstellung des neuen Geräts sagte, mit dem könne man Temposünder sogar „um die Ecke blitzen.“

Zwei weitere Lieblingsobjekte waren die stationären Geschwindigkeitsmessanlagen an der Seehof-Kreuzung. Die Anschaffung der beiden Geschwindigkeits- und Rotlichtmesssäulen hatte er dem Gemeinderat mit dem Hinweis auf hohe jährliche Einnahmen aus Bußgeldern schmackhaft gemacht. Die Einnahmen blieben aber vergleichsweise bescheiden: Rund 25.000 Euro fließen jährlich in die städtischen Kassen.

Dennoch hat sich aus Sicht von Bürgermeister Moritz Heidecker, zuständig für die Geschwindigkeitskontrollen in der Stadt Ettlingen, die Anschaffung der Anlage am Seehof für 240.000 Euro im Jahr 2013 richtig gelohnt. Die Unfallzahlen dort seien deutlich zurückgegangen. 2010 habe es beispielsweise noch 17 Unfälle wegen Überfahren einer roten Ampel gegeben. 2019 seien am „Seehof“ nur zwei Auffahrunfälle und ein Rotlichtverstoß mit Unfallfolge registriert worden.

Gefahr durch tief stehende Sonne

Joachim Zwirner, Leiter des Verkehrsreferats im Polizeipräsidium Karlsruhe, sieht die Seehof-Kreuzung in der Nähe der Auffahrt zur Autobahn A5 trotz der durch die Anlage eingetretenen Verbesserungen noch immer als einen Unfallschwerpunkt im südlichen Landkreis. In den vergangenen drei Jahren habe es dort zehn Unfälle mit insgesamt einem Schwerverletzten und zehn Leichtverletzten gegeben. Getoppt werde dies in der genannten Region nur durch die Kreuzung B36/Ettlinger Weg in Rheinstetten.

Besonders gefährlich sei der „Seehof“, wenn in der Dämmerung Autofahrer durch die tief stehende Sonne geblendet würden und dann Rot und Grün nur schwer unterscheiden könnten. Das sei vermutlich vor einiger Zeit ursächlich für einen Unfall gewesen, bei dem sich ein Fahrer mit seinem Auto überschlug und spektakulär eine Blitzer-Säule „abrasierte“.

Spektakulärer Unfall vor einigen Monaten am Seehof: Die Schatten der tief stehenden Sonne blendeten damals vermutlich den Autofahrer. (Archivfoto) Foto: Polizei

Mobile Geräte werden selten in Social Media gemeldet

Bei den drei weiteren mobilen Anlagen sind die gewohnten Messorte den einheimischen Bürgern bekannt. So sei laut Heidecker in der Rheinstraße, wo teilweise Tempo 30 gilt, eine deutliche Verbesserung spürbar. Bei einer für den Verkehrsteilnehmer „schlecht sichtbaren“ Anlage, welche unter anderem von Laternen, Bäumen oder aus dem Fahrzeug misst, verhalte es sich oft anders. Die Anlagen würden auch seltener im Radio oder in sozialen Medien gemeldet.

Sie tragen den Löwenanteil bei den Bußgeldern wegen Überschreitens der zulässigen Geschwindigkeit auf Ettlinger Straßen. 40.000 mal erhielten Autofahrer im Zeitraum 1. Januar bis 30. September 2020 ein Knöllchen von der Stadt Ettlingen zugeschickt. Als wegen einer Baustelle an einem Samstagmorgen die A8 über Ettlingen ausgeleitet wurde, löste das mobile Messgerät innerhalb von drei Stunden gar mehr als 170 Mal aus.

Personal- und Wartungskosten liegen zwischen 200.000 und 250.000 Euro

Aktuell sind in Heideckers Dezernat zwei Beschäftigte im Messteam und fünf Mitarbeiter in der Bußgeldstelle ausschließlich mit der Geschwindigkeitsüberwachung und dem Versenden von Verwarnungen und Bußgeldern beschäftigt. Knapp 200.000 Euro Personalkosten werden dafür fällig.

Die Wartungs- und Eichkosten der Seehofanlage belaufen sich auf insgesamt 6.600 Euro für die zwei Säulen. Beim mobilen ESO 3.0 - Gerät sind dafür jährlich 3.000 Euro fällig, beim neuesten ESO 8.0 - Gerät sind die Wartungs- und Eichkosten noch nicht bekannt und für das LeivTec kostet die Wartung 2.000 Euro. Beschädigungen an den Messanlagen durch Vandalismus sind laut Heidecker noch nicht aufgetreten.

Ettlinger Unfallschwerpunkte

Joachim Zwirner drängt im Landkreis immer wieder darauf, die Radarmessungen insbesondere dort häufiger zu veranlassen, wo sich Unfälle häufen. Das erhöhe insgesamt die Akzeptanz solcher hoheitlichen Maßnahmen. Weitere Unfallschwerpunkte in Ettlingen seien unter anderem der Kreisel beim Lauerturm, die Pforzheimer Straße und der Abschnitt zwischen dem Ostportal des Wattkopftunnels und dem Bahnhof Busenbach.

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