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Partei gespalten

CDU schickt im Wahlkreis Ettlingen Christine Neumann-Martin ins Rennen

Die CDU will im Wahlkreis Ettlingen mit der amtierenden Landtagsabgeordneten Christine Neumann-Martin das Direktmandat zurückerobern. Doch bei der Nominierungsveranstaltung war zu spüren, wie gespalten die Partei derzeit ist. Mit knapp 60 Prozent der Stimmen erhielt Neumann-Martin kein klares Vertrauensbekenntnis.

Christine Neumann-Martin setzte sich im Rennen um die Nominierung des CDU-Landtagskandidaten für den Wahlkreis Ettlingen gegen ihren Kontrahenten Lorenzo Saladino durch. Foto: psc

Die CDU will im Wahlkreis Ettlingen mit der amtierenden Landtagsabgeordneten Christine Neumann-Martin das Direktmandat zurückerobern. Doch bei der Nominierungsveranstaltung im Kurhaus Waldbronn war zu spüren, wie gespalten die Partei derzeit ist. Mit knapp 60 Prozent der Stimmen erhielt Neumann-Martin kein klares Vertrauensbekenntnis.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Aber ich weiß, dass viel Arbeit und viele Gespräche vor mir liegen“, sagt sie. Kontrahent Lorenzo Saladino, der seinen Hut erst Mitte Dezember in den Ring geworfen hatte , kam aus dem Stand auf 40,2 Prozent.

„Ich empfinde das nicht als Niederlage – angesichts der kurzen Zeit, die mir blieb“, bilanziert er. Gleichzeitig kündigt er an, nun Neumann-Martin zu unterstützen, damit die CDU wieder stärkste Kraft im Wahlkreis wird.

Caspary beschwört die Einheit der Partei

Sichtlich um Einheit bemüht war der Europaabgeordnete und Kreisvorsitzende Daniel Caspary. Direkt im Anschluss an die Verkündung des Wahlergebnisses beschwor er den Zusammenhalt. „Wenn wir negativ übereinander sprechen, werden wir ein Glaubwürdigkeitsproblem bekommen“, so Caspary. Man könne in der Sache streiten, aber nun müsse man gemeinsam auftreten.

Politikerin der neuen Generation

Einen letzten Versuch, diesen Zusammenhalt zu beschwören und die Reihen zu schließen, hatte auch Neumann-Martin eine gute Stunde zuvor am Ende ihrer Vorstellungsrede unternommen. „Nur wenn wir einig sind, sind wir stark“, rief sie den CDU-Mitgliedern entgegen.

Zuvor beschrieb sie sich als eine Politikerin der neuen Generation, die trotz schwieriger Rahmenbedingungen das Beste für die CDU und ihren Wahlkreis herausgeholt habe. Zwar habe die Partei 2016 erstmals das Direktmandat im Wahlkreis Ettlingen verloren – aber „nur, weil Sie alle damals den Mut hatten, mit mir zu gehen, haben wir überhaupt ein Mandat“.

Der in den vergangenen Monaten immer wieder aufkeimenden Kritik an ihrer Arbeit für ihren Wahlkreis begegnete sie nur zwischen den Zeilen. „Mehrheiten suchen geht oftmals nicht auf die Schnelle“, sagte sie – und führte ihren Einsatz für den nicht in Landeshand befindlichen Erhalt von Post-Filialen als einen Arbeitsnachweis auf.

Nur, weil Sie alle damals den Mut hatten, mit mir zu gehen, haben wir überhaupt ein Mandat.
Neumann-Martin zeigt sich selbstbewusst, obwohl die Partei 2016 erstmals das Direktmandat verlor

Beim im Wahlkreis heiß diskutierten Thema Windkraftausbau untermauerte sie ihre Position: „Gerodeten Wald für Windkraftanlagen, die sich nicht drehen, wird es mit mir nicht geben.“

Saladino sieht sich bürgernah

Kontrahent Saladino nutzte eine Redezeit, um sich als bodenständigen, lokal vernetzten Politiker mit einem offenen Ohr für die Bedürfnisse der Wähler zu präsentieren. „Viele Bürger haben mich aufgefordert und ermuntert, heute zu kandidieren. Weil ich zuhöre, auf Augenhöhe bin und mich kümmere“, rief er in den Saal.

Inhaltlich versuchte er sich an einem kurzen Einblick in die eigenen Positionen zu Sicherheit, Digitalisierung und Pflege. Aber vor allem teilte er gegen den aktuellen Koalitionspartner der CDU im Land aus. Die Grünen seien eine Partei der Verbote. „Ich trete nicht an, um im Tandem mit den Grünen Politik zu machen“, stellte er klar.

"Gemeinsamkeit und Geschlossenheit"

Am Ende habe er nicht genug Zeit gehabt, um die Ortsverbände zu überzeugen, gibt sich Saladino enttäuscht – auch wenn er vor Ansetzung der Wahlversammlung darum gebeten hatte. Neumann-Martin hingegen zeigte in ihrem Schlusswort auf, was die CDU vor dem Wahlkampfauftakt wohl am meisten beschäftigen wird: Sie bemühte erneut die Worte „Gemeinsamkeit“ und „Geschlossenheit“.

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