Skip to main content

Wieder Benefizveranstaltungen fürs Arista

Corona-Krise macht Arbeit der Hospizhelfer immer schwieriger

Die Arbeit derjenigen, die schwerst kranke Menschen zu Hause, in Klinken oder Heimen begleiten, wird in Corona-Zeiten immer schwieriger. Vor allem, weil bei den Betroffenen Angst davor herrscht, ohne Angehörigenbesuch zu sterben.

Auf Unterstützer angewiesen: Das Ettlinger Hospiz Arista. Ehrenamtliche Hospizhelfer sind dort in der Corona-Krise nicht in dem Umfang im Einsatz wie sonst. Foto: Werner Bentz

Als im Frühsommer 2020 der Corona-Lockdown beendet war, da dachten die stationären wie ambulanten Hospizhelfer und das Palliativ Care Team (PCT) vom Ettlinger Hospiz „Arista“, das Schlimmste sei überstanden.

Ihre Arbeit ging weiter, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Jetzt aber, da die Covid-19-Zahlen auch im Großraum Karlsruhe nur eine Richtung kennen – die nach oben – nehmen die Sorgen der Ehrenamtlichen wie Hauptamtlichen wieder zu.

Die Menschen haben Angst irgendwo allein zu sterben.
Christiane Pothmann, Palliative Care Team

„Wir stellen uns auf schwierige Wochen und Monate ein“, sagt Christiane Pothmann Seit acht Jahren ist sie Leiterin des PCT, das schwerst Kranke und sterbende Menschen unter anderem zu Hause begleitet. Dort engagieren sich sowohl Pflegekräfte als auch Ärzte. Pothmann rechnet damit, dass die Zahl derer, die entweder aus dem Krankenhaus nach Hause oder trotz schwerer Erkrankungen gar nicht in einer Klinik aufgenommen werden wollen, zunehmen und das Team an seine Belastungsgrenzen kommen könnte.

„Die Menschen haben Angst davor, irgendwo alleine sterben zu müssen, sie fürchten wieder ein generelles Besuchsverbot für Angehörige .“ So wie es in den ersten Corona-Monaten war. Nicht im Hospiz Arista , aber in Kliniken und Pflegeheimen.

Pothmann erinnert sich an so manches Gespräch mit Angehörigen, die „verzweifelt waren, weil wir zu Besuch kommen durften, ihnen das aber verwehrt wurde.“ Das wolle sie eigentlich nicht noch einmal erleben. Gesundheitsschutz sei das eine hoher Gut, die Menschenwürde das andere.

Auch Ehrenamtliche gehören zur Corona-Risikogruppe

Petra Baader, Leiterin des Hospizdienstes Ettlingen, berichtet davon, dass einige ihrer mehr als 20 ehrenamtlichen ambulanten wie stationären Hospizhelfer das Engagement unterbrechen mussten, weil sie als Ältere zur Corona-Risikogruppe gehören. „Das ist so manchem sehr schwer gefallen.“

Anspruchsvoll und herausfordernd sei während des Lockdowns die Trauerbegleitung von Angehörigen gewesen. „Es durften ja nur Beerdigungen im kleinsten Kreis stattfinden.“ Beschäftigt habe die Betroffenen, „dass sie sich von einem geliebten Menschen nicht verabschieden konnten.“ Weder in einem Krankenhaus oder Heim noch am Grab.

Baader ist froh, dass sie jetzt wieder Angebote machen kann, wie beispielsweise ihre Trauerwanderungen, wenngleich mit begrenzter Teilnehmerzahl. Der Wunsch von Hinterbliebenen nach Gesprächen, nach Austausch, nach einem Beisammensein, sei groß.

Kulturprogramm soll wieder starten

Groß ist auch die Sehnsucht des Fördervereins Hospiz danach, mit seinem Kulturprogramm starten zu können. Benefizveranstaltungen seien unverzichtbar für die Hospizarbeit. Denn nach dem Bau des „Arista“ in Ettlingen vor mehr als 15 Jahren und seiner Erweiterung 2015 soll jetzt die Versorgungslücke im nördlichen Landkreis Karlsruhe geschlossen werden mit einem „Arista Nord“ in Bruchsal. Die Baukosten dafür belaufen sich auf rund vier Millionen Euro, mehr als die Hälfte davon sollen mit Spenden finanziert werden. Ein ambitioniertes Vorhaben, wie einst das in Ettlingen.

Wir wissen nicht, ob wir weitere Einschränkungen akzeptieren müssen.
Dieter Daub, Vorsitzender Hospizförderverein

Laut Helma Hofmeister, „Hospiz-Aktivistin“ der ersten Stunde, wird sich der Spatenstich aufs neue Jahr verschieben. Wenn Bruchsal fertiggestellt ist, verfügen die beiden „Arista“ über insgesamt 20 Plätze für austherapierte und sterbende Menschen. Um das neue Projekt schultern zu können und den laufenden Betrieb des „Arista Süd“ weiter zu unterstützen, hat der Förderverein ein coronabedingt abgespecktes Jahresprogramm erstellt, mit einigen Vorträgen und Musikabenden.

„Alles unter Vorbehalt, denn wir wissen nicht, ob wir weitere Einschränkungen akzeptieren müssen“, sagt Professor Dieter Daub, der Vereinsvorsitzende. Stand heute ist Gerlinde Hämmerle mit der Combo „Symbadico“ wieder dabei (21. April 2021, Dettenheim),geben Heike Bleckmann (Klavier) und Claus Temps ein Schubert-Konzert (22. Januar, Schloss Ettlingen) und bringt sich das KIT Sinfonieorchester mit Beethoven und Tschaikowsky (13. Februar, Karlsruhe) ein. Schon für den 29. November plant der Förderverein einen Verkauf von Werken, die Künstler aus der Region Karlsruhe zur Verfügung gestellt haben, in Ettlingens Buhlscher Mühle.

Mit dem Palliativmediziner Benedikt Matenaer aus Bocholt (6. November Kino Kulisse), dem Theologieprofessor Traugott Roser (18. Januar 2021, ebenfalls Kulisse) und dem Trauerbegleiter Heribert Kampschöer (28. April 2021, Scheune der Diakonie Ettlingen) hat der Förderverein bekannte und dem Hospizgedanken zugewandte Vortragsreferenten gefunden.

Service

Das Jahresprogramm mit weiteren Informationen zu Seminaren,Trauergruppen, Spendenmöglichkeiten, liegt in öffentlichen Einrichtungen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe aus. Internet: www.hospizfoerderverein.de

nach oben Zurück zum Seitenanfang