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Neuer Platz für Skulpturen und Gemälde

Ettlinger Museum räumt auf und zieht Exponate um

Wegen des Lockdowns befindet sich das Museum seit Wochen in der Zwangspause. Zeit, die Museumschefin Daniela Maier nutzt, um auf- und auszuräumen. Ein Depot mit wertvollen Skulpturen von Karl Albiker kommt ins Schloss.

Gereinigt und sortiert: Jonas Berg vom Ettlinger Museum ist einer aus dem Team, der derzeit Skulpturen von Karl Albiker und Oskar Kiefer aus einem muffigen Keller ins Schloss umzieht. Foto: Heidi Schulte-Walter

Zwangspausen haben manches Mal auch etwas Gutes. Dann nämlich, wenn man sie dazu nutzt, Unerledigtes zu erledigen und Liegengebliebenes aufzuräumen. Genau das macht das Team um Ettlingens Museumschefin Daniela Maier seit Wochen.

Es ist dabei, aus drei Depots außerhalb des Schlosses zwei zu machen und das dritte umzuziehen: Aus muffigen Kellerräumen im Rohrackerweg in Ettlingens „gute Stube“. Im Schloss, sagt Maier, „sind schon seit sechs Jahren Räume frei, die früher vom Stadtarchiv genutzt wurden.“

Sie sind künftig „Heimat“ für wertvolle Skulpturen, Bronzen, Gipse von Karl Albiker und Oskar Alexander Kiefer, die bislang beengt und schlecht zugänglich im Ausweichquartier lagerten.

400 Objekte entstaubt, verpackt und abtransportiert

„Wir wollten den Umzug eigentlich schon länger angehen, aber in normalen Ausstellungsjahren ist so etwas nicht nebenbei zu schaffen.“ Während des neuerlichen Lockdowns habe sich fürs Museum die Chance geboten, die etwa 400 Objekte zu entstauben („sie waren zwar im Keller abgedeckt, Staub liegt da aber trotzdem jede Menge“), zu verpacken und ins Schloss zu transportieren.

Ein Teil von ihnen hat inzwischen schon seinen Platz gefunden – in neu eingebauten Schwerlastregalen. Das Ganze, so Maier, nach „einem bestimmten System“. Alle Objekte werden erfasst und registriert, um sie bei Sonderausstellungen leichter wieder zu finden. Über den 50 Quadratmeter großen Raum sagt die Museumsleiterin, er sei von den Temperatur- und Lichtverhältnissen optimal, außerdem gut gesichert. Nach Corona sei geplant, „auch mal für die Öffentlichkeit Depotführungen anzubieten“.

Reinigung mit Wedeln aus Straußenfedern

Die Reinigungsarbeiten der Werke im Rohrackerweg durften nur ganz behutsam erfolgen – vor allem bei den empfindlichen Gipsen. Da waren trockene Pinsel oder sogar ganz weiche Wedel aus Straußenfedern im Einsatz, um ja nichts zu beschädigen. Fachmännischen Rat holten sich die Museumsmitarbeiter im Vorfeld bei einer Restauratorin.

Bis Mitte Februar, peilt Maier über den Daumen, „ wollen wir fertig sein“. Dann hat das Museum nur noch zwei Depots außerhalb des Schlosses: das eine in der Ottostraße beim Baubetriebshof, wo Dinge wie Glocken, Schulbänke, Haushaltsgegenstände aus verschiedenen Epochen lagern, das andere in der Siemensstraße. Dort werden Möbel aller Art und Güte, ganze Werkstätten und beispielsweise auch eine komplette historische Apotheke aufbewahrt. „Für diese Objekte haben wir im Schloss schlicht keinen Platz.“

Nur eine Replik: Der Schildhalterinbrunnen in der Albstraße stammt aus Mitte des 16. Jahrhunderts. sein Original bewahrt das Museum im Depot im Schloss auf. Foto: Heidi Schulte-Walter

Auch Originale von Ettlinger Brunnen im Depot

Zu den Werken von Karl Albiker und Oskar Alexander Kiefer werden sich im neuen Depot noch etwa 100 Gemälde von Karl Hofer gesellen, außerdem die Originale bekannter Ettlinger Brunnen wie Narren- oder Georgsbrunnnen. Von ihnen stehen auf den Plätzen in der Altstadt nur Repliken.

Apropos Karl Hofer: Die Sonderschau „Bilder spröder Schönheit“, die eigentlich seit Herbst 2020 viele Fans des berühmten Malers hätte nach Ettlingen locken sollen, aber nach nur vier Wochen den Corona-Beschränkungen zum Opfer fiel, soll – Zustimmung eines Leihgebers vorausgesetzt – ins Frühjahr 2021 verlängert werden.

Wenn wir erst im März wieder öffnen dürfen, ist der Vorlauf für die Wachter-Sonderschau sehr knapp.
Daniela Maier, Museumsleiterin

Verschieben muss Daniela Maier auf den Herbst 2021 oder auf 2022 die eigentlich zum 100. Geburtstag von Emil Wachter Ende April vorgesehene große Retrospektive. Das Museum beabsichtigt, von dem bekannten Kunstprofessor (1921-2012) Gemälde, Zeichnungen, Glasmalerei und Skulpturen zu zeigen. „Dafür brauchen wir einen gewissen Vorlauf, und wenn wir erst im März wieder öffnen dürfen, wird das sehr knapp.“

Wer gerne eine Tasse Tee trinkt und sich auch ansonsten für das Heißgetränk interessiert, sollte sich schon mal das Spätjahr vormerken, wenn es im Ettlinger Schloss „It’s teatime“ heißen wird. Dann dreht sich in einer kulturgeschichtlichen Sonderschau alles um Tee, seine Herkunft, seine Geschichte, seine Zubereitung und Aufbewahrung.

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