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Gastronomie im Lockdown

Im Ettlinger „Goldblond“ macht man sich wenig Hoffnung aufs Weihnachtsgeschäft

Eine Weinbar in bester Altstadtlage - die haben Florian Amann und Wolfram Lang im August eröffnet. Nach drei Monaten mussten sie wieder schließen. Ein Ende des Lockdowns, dessen Modalitäten an diesem Montag wieder verhandelt werden, ist ihrer Sicht nach sehr unrealistisch.

Trotz Desinfektionsmittel und Besucherlisten: Gastronomische Betriebe wie die Ettlinger Weinbar „Goldblond“ mussten im November ihre Pforten schließen. Geschäftsführer Florian Amann rechnet nicht damit, dass sich das bald ändert. Foto: Goldblond

„Wir pendeln zwischen Hoffnung und Depression“, sagt Wolfram Lang. Dreieinhalb Monate ist es her, dass er zusammen mit Florian Amann die Weinbar „Goldblond“ in der Ettlinger Albstraße eröffnet hat. Seit zwei Wochen ist sie - wie alle anderen Bars, Kneipen, Bistros und Restaurants in Deutschland - geschlossen.

An diesem Montag, wo der November zur Hälfte vorbei ist und Bund und Länder über eine Änderung der derzeit geltenden Pandemiemaßnahmen verhandeln, blickt eine Sparte besonders gespannt auf die Ergebnisse: die Gastronomie. „Ich glaube nicht an gute Nachrichten“, sagt Florian Amann. Ganz im Gegenteil: „Vermutlich werden die Gastro-Betriebe geschlossen bleiben müssen. Mit Lockerungen rechne ich frühestens zum Dreikönigstag.“

Herber Schlag fürs Weihnachtsgeschäft

Gut sieht es derzeit in der Tat nicht aus. Seit zwei Wochen liegt die Zahl der bundesweit gemeldeten Neuansteckungen bei über 20.000 pro Tag. Tendenz noch immer steigend. Der 7-Tage-Inzidenzwert bewegt sich in den meisten Stadt- und Landkreisen der Region weit über 100.

„Die Kanzlerin hat es vergangene Woche in ihrer typisch unverbindlichen, aber doch immer mit einem klaren Hinweis versehenen Art ja schon angedeutet: Im Augenblick sieht sie keinen Anlass für Lockerungen“, meint Lang.

Wir pendeln zwischen Hoffnung und Depression.
Wolfram Lang, Gastronom

Für das Weihnachtsgeschäft des „Goldblond“ wäre das ein herber Schlag. „Weihnachtsfeiern mit den Kollegen, Leute, die nach dem Shoppen noch einkehren und alte Freunde, die sich in ihrem Heimatort an Weihnachten in der Kneipe wiedersehen - das alles wird es dann nicht geben“, sagt Amann.

Auf das Publikum, das nach dem Weihnachtsmarkt noch eine Anlaufstelle sucht, die länger offen hat, müsse man mangels Weihnachtsmarkt ohnehin zu einem großen Teil verzichten. Nicht nur auf die Gastronomen, auch auf deren Gäste sieht Lang deshalb schwere Wochen zukommen: „Weihnachten ist eine emotional sehr aufgeladene Zeit. Auf all das zu verzichten wird sehr hart.“

Eröffnung im Schatten von Corona

Schon die Eröffnung des „Goldblond“ stand unter dem Schatten von Corona. Die Planung und Konzeption der Weinbar, die nach Jahrzehnten die Kult-Kneipe „ins Bett“ mit ihrem stadtbekannten Schriftzug ablösen sollte, begann im August 2019.

Der ursprüngliche Plan: Übergabe nach Silvester, Renovierung im Januar, Eröffnung im Februar. „Dann bat der alte Betreiber darum, noch das Faschingsgeschäft mitnehmen zu können“, erzählt Lang. Der neue Plan: Renovierung im März, Eröffnung im April. Dann kam Corona. „Als im Mai die ersten Lockerungen kamen, beschlossen wir, im Juli reinzugehen und Anfang August zu eröffnen“, so Lang.

Dieses Mal klappte es und das „Goldblond“, dessen leuchtender Schriftzug nun über der Eingangstür des gelben Hauses in der Albstraße prangte, konnte eröffnen. „Der Start verlief sehr erfolgreich“, berichten die beiden Geschäftspartner. Das „Goldblond“, das im Gegensatz zu seinem Vorgänger auch eine Konzession zur Außenbestuhlung hatte, profitierte auch vom guten Wetter: Abend für Abend waren die Holztische entlang des Gebäudes besetzt.

Warum ausgerechnet die Gastronomie?

Seit Anfang November stehen die Tische aufgestapelt in der Mitte der Weinbar. Ein unguter Zustand, den die „Goldblond“-Betreiber per se aber nicht als falsch ansehen: „Natürlich muss man etwas tun, um die Pandemie einzudämmen“, sagt Lang.

Nach außen wird vermittelt: Gastronomie ist gefährlich.
Florian Amann, Gastronom

Die Argumente, warum das genau diese Branche so hart treffe, seien ihnen jedoch nicht immer schlüssig. „Mit den Veranstaltern und der Gastronomie hat man genau die Sparten aus dem Weg geräumt, die Hygienekonzepte und in der Regel nachvollziehbare Dokumentationsketten geschaffen haben“, sagt Amann. Dazu komme die laut Amann „künstlich geschaffene Unsicherheit und Panik“.

„Nach außen wird vermittelt: Gastronomie ist gefährlich“, so Lang. Das habe negative Folgen: „Die Gastronomie ist schon in Normalzeiten eine der am stärksten reglementierten Branche, da muss man ihr nicht noch einen schlechten Ruf beimessen.“

Und: Sollte das „Goldblond“ und alle anderen aus der Branche auch im Dezember geschlossen bleiben müssen, erwarten die Betreiber keine Lösung, sondern eine Verschiebung der Probleme. Florian Amann: „Wenn die Leute nicht rausgehen können, feiern sie eben zusammen daheim - ohne Hygienekonzept.“

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