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Keine Mai-Feste

Frust in der Region Ettlingen: Im Mai wird die Situation der Vereine immer kritischer

Die Stimmung passt so gar nicht zum Wonnemonat Mai mit den sonst vielen Festen und Ausflügen. Sie könnte bei den Vereinen kaum schlechter sein. Die Bundesnotbremse lässt quasi nichts zu – in den Vorständen fürchtet man inzwischen gar um die Vereinskultur insgesamt.

Keine Chance für Traditionsveranstaltung: Das Fest zum 1. Mai an der Barbara-Kapelle in Langensteinbach gibt es schon seit sehr vielen Jahren, der Musikverein „Lyra“ hat aber im zweiten Jahr in Folge keine Möglichkeit, es stattfinden zu lassen. Foto: Bert Schuffenhauer/Musikverein „Lyra“

Alles neu macht der Mai. Für die Natur zutreffend, für die Vereine ist es eine gefühlte Corona-Endlosschleife. Fast nichts geht wie schon 2020 auch am Feiertag 1. Mai 2021. Und inzwischen ist nicht nur der Frust groß, auch Ängste um die Vereinskultur insgesamt gehen um.

Auf der Internet-Seite des Musikvereins Lyra Langensteinbach wird das ganze Dilemma deutlich. Bei der Einladung zum Maifest am altehrwürdigen St.-Barbara-Kapellengemäuer ist das 2020 durchgestrichen, nun auch das 2021 hinfällig und versehen mit der bitteren Bemerkung: „Dieses Jahr ist immer noch alles anders. Wir treten nur als statisches Bild in Erscheinung.“

Dazu ein Foto der Kapelle aus besseren Zeiten. „Unser Fest ist älter als der Naturschutz“, erzählt Vorsitzender Bert Schuffenhauer. Denn eigentlich sind an der historischen, geschützten Stätte Feste nicht erlaubt.

Wir sind ein Musikverein, kein Kuchenbackverein.
Bert Schuffenhauer, Vorsitzender Musikverein Lyra

Das Fest ist ein Klassiker, Tausende Euro fehlen allein dadurch in der Kasse. Und eine Alternativ-Aktion am 1. Mai? „Wir sind ein Musikverein, kein Kuchenbackverein. Da kann es keine Hintenrum-Veranstaltung geben.“ Zuletzt hat Schuffenhauer seine Trompete vom Balkon aus ertönen lassen. „Das kam gut an, ist aber nur ein sehr schwacher Trost. Wir hören musikalisch nichts voneinander.“ Zu wievielt man am Ende nach der Krise wieder zusammenkommt - das sei ungewiss.

Corona-Frust statt Maibaumstellen am 1. Mai in Marxell-Schielberg

Ein Maianfang ohne Maibaumstellen, das ist insbesondere im traditionsbewussten Schielberg eigentlich undenkbar – und passiert nun schon zum zweiten Mal. Beim Fest in der Dreschhalle ist sonst der ganze Ort auf den Beinen. „Das ist ganz schwierig, mein Leben ist nur noch schwarz-weiß. Verzeihen Sie, aber es ist alles kacke“, schildert Vorstand Markus Speck.

„Das Maibaumstellen ist hier ein kulturelles Gut und hier lassen sich die Menschen mit Musik begeistern.“ Natürlich sei die Finanzdecke quasi nicht mehr vorhanden. Letztens wollte man wenigstens eine Altpapiersammlung machen, um ein paar Euro einzunehmen. „Das hat der Landkreis verboten.“ Und man werde ohnehin immer vorsichtiger. Statt ständig absagen zu müssen, „haben wir unsere Festtermine im Stillen festgelegt“.

Absagen und Auflagen: Vereine rund um Ettlingen leiden in der Corona-Zeit

Beim Schwarzwaldverein Ettlingen läuft nichts, zumindest nicht Gruppen. „Aber raus geht es im Mai auf jeden Fall“, betont der Fachwart Wandern, Werner Deininger. Auf den Touren, die mehr und mehr vor der Haustür starten und enden, fällt ihm neben dem Umstand allein oder zu zweit zu sein auf, dass mehr vermüllt ist. Ein Phänomen, das ihn nicht wundert. „Es gibt ja alles nur noch to go. Ich kenne inzwischen jede Bäckerei in der Umgebung in- und auswendig - wo soll man denn auch hin?“

Der mehrtägige Besuch der Landesgartenschau im Juni wurde jetzt frühzeitig abgesagt, sonst wäre der Verein auf den Kosten sitzengeblieben. „Wer weiß, was im Juni ist.“ Die Dauerkarte vom KVV hat Deininger Anfang des Jahres zurückgegeben, zu lange geht schon nichts. „90 Prozent von uns haben ja normalerweise die Karte ab 60.“

Im Mai zieht beim Radsportverein Concordia Forchheim das Programm normalerweise an. Gefahren und trainiert wird schon, weiß Radtouristik-Abteilungsleiter Jürgen Hennig. In Kleinstgruppen. Radtouristikfahrten könnten schon irgendwie stattfinden. „Laut Verband ist das möglich, aber die Auflagen.“

Alles wäre streng reglementiert, dann komme man mit Abstand und fahre mit Abstand, „und wenn sie zurückkommen kriegen sie nichts zu essen und zu trinken“, beschreibt Hennig. „Da kommt doch niemand.“ Die Stimmung im Verein sei aber nicht am Boden. „Die Vereinstreue überlebt Corona!“

Trotz-Aktion führt zu vielen privaten Maibäumchen

Eine Trotz-Aktion gibt es indes zum 1. Mai in Völkersbach schon zum zweiten Mal: Dass dem Aufruf 2020 nach dem Motto „Ein Maibaum? Viele Maibäume!“ rund 100 Privatleute folgten, überraschte selbst die Organisatoren.

Mein Leben ist einfach nur noch schwarz-weiß.
Markus Speck, Feuerwehrkapelle Schielberg

„Hecken wurden geschmückt, Birken auf dem Balkon befestigt und verziert, den großen Baum am Dorfbrunnen haben die Kloschderhexen geschmückt und sogar ein Laternenmast wurde zum Maibaum“, erinnert sich Carina Kunz, die als Vorsitzende des Musikvereins auch in der Arbeitsgruppe Völkersbacher Vereine (AVV) engagiert ist.

Jetzt erst recht: Bei der sehr erfolgreichen Maibaumaktion in Privatgärten und auf Balkonen im Jahr 2020 in Völkersbach wurde unter anderem dieses stattliche Exemplar gestellt. Foto: Peter Walter/Heimatverein Völkersbach

Auf Facebook gibt es eigens eine Gruppe „Maibaum Aktion Völkersbach“ mit allen Informationen. „Die Leute setzen damit ein Zeichen.“ Aufgrund des großen Erfolges war klar, dass man die Maibaum-Aktion 2021 wieder im Ort ausruft, und diesmal mit Prämierung für den guten Zweck: Die Gewinner erhalten Gutscheine zur Unterstützung der örtlichen Gastronomie in der Krise.

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