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728 Ettlinger leiden an nächtlichem Lärm

Der Lärmaktionsplan drosselt das Tempo in Ettlingen – und sorgt für mehr Gesundheit

Der Ausschuss für Umwelt und Technik des Ettlinger Gemeinderats hat sich in seiner mittlerweile dritten Runde einer Lärmaktionsplanung für die Stadt ausgiebig mit gesundheitskritischen Belastungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen auseinandergesetzt.

Tempo 30: Das sieht der Lärmaktionsplan von Ettlingen für die Rheinstraße im Bereich Bunsenstraße - Kreisel Dieselstraße vor. Derzeit sind 50 erlaubt. Foto: Klaus Müller

Er ist fast überall, fast jeder macht ihn und fast jeden stört er: Lärm. Und es lässt sich trefflich über Lärm diskutieren. Reichlich Gebrauch davon machte bei seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause der Ausschuss für Umwelt und Technik des Ettlinger Gemeinderates. Als Diskussionsgrundlage diente die inzwischen dritte Runde einer Lärmaktionsplanung für Ettlingen.

Übrigens eine Planung, die nicht in irgendeiner behördlichen Schublade verschwinden soll. Wird ein Lärmaktionsplan verabschiedet, hat er Gültigkeit. Er dient dann, so Oberbürgermeister Johannes Arnold, als „argumentative Grundlage“ Lärmschutzmaßnahmen konkret umzusetzen. Nebenbei: Das war nicht immer so.

Lärm-Hotspots in Hohewiesenstraße, Rheinstraße und Pforzheimer Straße

Laut der Datenerhebung des aktuellen Lärmaktionsplans, vorgestellt von Martin Reichert (Büro Modus Consult), werden tagsüber an 135 Gebäuden „Auslösewerte der Lärmaktionsplanung“ überschritten. Nachts treffe dies auf 239 Gebäude zu. Ab einer Belastung von 65 dB(A) am Tag und in der Nacht ab 55 dB(A) wird von einer „gesundheitskritischen Belastung“ gesprochen. Und das erfordert Handlungsbedarf.

Als „Lärm-Hotspots“ werden unter anderem Bereiche in der Hohewiesenstraße, in der Rheinstraße und in der Pforzheimer Straße ausgemacht. In der Summe, bilanzierte Reichert, seien von einer gesundheitskritischen Belastung 370 Menschen tagsüber und 728 in der Nacht betroffen.

Dass in der Vergangenheit schon einiges gegen den Lärm getan wurde – zum Beispiel innerorts durch die Einführung von Tempo 30, befand Reichert – lässt sich „nachrechnen“. Zur Erinnerung, auch wenn es nicht jeder Gemeinderat glauben will: Lärm wird nicht gemessen, sondern anhand von Modellen berechnet. Daran ändert ebenfalls nichts die Forderung von Martin Keydel (FPD), man möge die Ergebnisse durch Messungen überprüfen.

Verschiedene Meinung zu Tempo 30 in der Rheinstraße

Der Lärmaktionsplan sieht als eine Maßnahme Tempo 30 in der Rheinstraße zwischen Bunsenstraße und dem Kreisverkehr Dieselstraße vor. Anders bewertete dies Heiko Becker (CDU), der namens seiner Fraktion den Antrag stellte, dort auf die Geschwindigkeitsreduzierung zu verzichten.

Mehr Tempo-30-Lückenschlüsse forderte indes Reinhard Schrieber (Grüne) – auch unter Einbeziehung der Rheinstraße. Ähnlich sah es Siegbert Masino (SPD). Insgesamt „kritisch“ betrachtete Michael Blos (AfD) Tempo 30. Am Ende votierte der Ausschuss mehrheitlich gegen den CDU-Antrag.

Das Thema „E-Mobilität“ sprach Gerhard Ecker (FE/FW) an. Er fragte nach, ob der Anstieg bei den Elektroautos in die Datenerhebung eingespeist worden sei. Laut Reichert ist dies der Fall. Auch E-Autos verursachten Lärm, allein schon durch den Rollwiderstand der Räder. Zudem müssten sie eine gewisse Geräuschkulisse haben, um von Fußgängern wahrgenommen zu werden.

Beteiligung der Öffentlichkeit erforderlich

Die endgültige Beratung und Beschlussfassung über den Plan, dem der AUT mehrheitlich zustimmte, obliegt nun dem Gemeinderat. Gleichzeitig ist eine Beteiligung der Öffentlichkeit an dem Prozedere erforderlich. Hierbei wird es auch um Standpunkte zu kurzfristigen Maßnahmen im Kampf gegen Lärm gehen: wie beispielsweise Tempo 30 in Bereichen der Luisenstraße, der Busenbacher Straße; Tempo 100 auf der A 5 bei Ettlingen in der Nacht. Mittelfristig könnten Fahrbahnsanierungen in der Rheinstraße und der Pforzheimer Straße etwas bringen.

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