Skip to main content

Erasmus-Studentin in Salamanca

"Die Panik ist verschwunden": Ettlingerin ist in Spanien in Corona-Quarantäne

In Spanien grassiert das Coronavirus besonders heftig. In dem Land gilt daher mittlerweile praktisch eine völlige Ausgangssperre. Seit sie verhängt ist, beruhigt sich die Lage im Land - diesen Eindruck hat zumindest Claudia Förster aus Ettlingen. Sie ist gerade im Rahmen eines Auslandssemesters im spanischen Salamanca.

TOTALE AUSGANGSSPERRE - nur Einkaufen einmal am Tag erlaubt - in Salamanca. Die Ettinger BNN-Mitarbeiterin Claudia Förster auf ihrem Balkon in der Altstadt von Salamanca. Foto: privat

Was „richtiges“ Ausgehverbot heißt, beschreibt Claudia Förster, die auch Mitarbeiter unserer Redaktion ist.  Aus der berühmten spanischen Universitätsstadt Salamanca. Sie schreibt über ihre Erfahrungen mit der verschärften Ausgangssperre, den Anordnungen des spanischen Ministerpräsidenten Sanchez und wie es ist, wenn auf der Straße plötzlich die Polizei vor einem steht.

Zum Thema: Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Claudia Förster kommt aus Ettlingen-Oberweier und studiert Psychologie. Sie ist seit September mit dem Erasmus-Programm der Europäischen Union in Salamanca.

Förster war also hautnah dabei, als sich die Entwicklung in Spanien verschärfte. Am 12. März überstürzten sich nach einer Riesen-Infektionswelle in Madrid die Ereignisse:  Universität zu. Alle Restaurants schlossen. Knallhartes Ausgehverbot.

Die Panik der Spanier ist verschwunden

Dass sich die Worte Ausgangssperre und Polizeikontrollen von außen dramatisch anhören müssen, ist verständlich, findet Förster. Doch womöglich täuscht der Eindruck. Die Panik, die am Anfang des letzten Wochenendes auf den Straßen von Salamanca zu spüren war, sei mit Erlass des Dekrets der spanischen Regierung verschwunden.

"Im Allgemeinen sind meine spanischen Bekannten sehr zufrieden mit der Reaktion des spanischen Präsidenten Sánchez, zufrieden mit der Klarheit und Entschiedenheit, mit der er sich für eine Linie entschied", schildert Förster.

Seitdem diese Linie klar ist, bewahrten die Spanier größtenteils einen kühlen Kopf. Psychologisch gesehen ergebe das Sinn, denn Angst und Irrationalität gewinnen vor allem dann, wenn die Situation ungewiss und nicht kalkulierbar ist, erklärt die Psychologie-Studentin. Und beobachtet: Menschen haben eine erstaunliche Fähigkeit, sich an verschiedenste Situationen anzupassen, doch das können sie nur, wenn sie wissen, was auf sie zukommt.

Eine Ettlingerin schreibt aus der Universitätsstadt Salamanca. Das Bild zeigt die Altstadt, Foto: Forster

Und das ist nun klar: Die Wohnung darf nur verlassen werden, um einkaufen oder zur Apotheke zu gehen. Wer von der Polizei beim Spazierengehen erwischt wird, muss mit hohen Geldstrafen rechnen. Klar, ist es seltsam, Spaniens sonst so vor Leben gefüllte Straßen menschenleer zu sehen.

In Salamanca gibt es Lebensmittel im Überfluss

Selbstverständlich verkrampfe sich der Magen beim Anblick von Polizisten, wenn man zum Einkaufen einen längeren Weg nimmt als nötig und in Gedanken schon mit Erklärungen ringt. Und natürlich gebe es einem ein mulmiges Gefühl, nicht zu wissen, wie lang man noch in seiner kleinen Wohnung ausharren muss.

Doch jetzt, wo den Spaniern eine klare Strategie versprochen wurde und alle an einem Strang ziehen, sei die Panik im Alltag so gut wie verschwunden, beobachtet Förster. In den Supermärkten gebe es Lebensmittel im Überfluss, Hamstereinkäufe seien in Salamanca kaum zu beobachten.

Sorge vor langfristigen Konsequenten

In Försters Bekanntenkreis ist die irrationale Panik und Angespanntheit von letzter Woche nun der Sorge vor langfristigen Konsequenzen gewichen. Denn noch spürbar sind die Folgen der Wirtschaftskrise von 2008.

Jeder dritte Jugendliche und junge Erwachsene ist, oft trotz guter Ausbildung, arbeitslos. Försters Mitbewohnerin und einige ihrer Freunde wurden in der vergangenen Woche gekündigt, Stipendiaten wurden die Zuschüsse gestrichen.

Die allgemeine Stimmung passe sich dem grauen Himmel in Salamanca an: Gedrückt, etwas deprimiert, ein wenig ängstlich. Trotzdem seien Försters spanische Mitbewohnerinnen sogar etwas stolz auf die Konsequenz und Entschiedenheit der spanischen Politiker, auf die sie sonst so schimpfen.

Zum ersten Mal schauten sie nicht mehr auf zum deutschen System, das sie für gewöhnlich als vorbildlich erachten.

Wie wir über die Auswirkungen des Coronavirus berichten

Auf bnn.de berichten wir zurzeit verstärkt über die wichtigsten Entwicklungen rund um das Coronavirus in der Region rund um Karlsruhe, Bretten, Pforzheim, Rastatt und Bühl. Wegen der vielen Ereignisse und der oft unübersichtlichen Situation ist es selbst für unsere Redaktion zeitweise schwierig, den Überblick zu behalten. Deshalb filtern wir für unsere Leser aus der Flut an Informationen, welche der vielen Corona-Meldungen wichtig sind – unter anderem in dieser Übersicht.

Wir überprüfen alle Meldungen und Nachrichten. Damit wollen wir Falschinformationen verhindern. Viele Menschen, auch in unserer Redaktion, machen sich ohnehin Sorgen. Wir möchten sie informieren und nicht verunsichern.

Zwei unserer Kollegen befassen sich ausschließlich mit dem Thema Corona – als unsere internen Experten. Viele weitere BNN-Redakteure recherchieren täglich zu den Auswirkungen von Covid-19 in den Städten und Gemeinden der Region. Unsere Autoren sprechen mit Entscheidern in den Landratsämtern, Krankenhäusern und in Firmen. Gleichzeitig telefonieren sie mit Menschen, die Cafés schließen, Veranstaltungen absagen oder zu Hause bleiben müssen. Betroffene treffen wir derzeit nicht persönlich.

Mit unserer Berichterstattung möchten wir dazu beitragen, dass Menschen in der Region sich auf dem aktuellsten Stand halten können, um die richtigen Entscheidungen für ihren Alltag und ihre Gesundheit zu treffen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang