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Verkehrschaos blieb aus

Vergleichsweise wenig Andrang am Dreikönigstag auf dem Dobel

Dem Schneefall und trüben Wetter sei Dank: Auf dem Dobel blieb an Dreikönig das befürchtete Chaos aus. Dennoch kamen Wintersportler. Nicht alle verhielten sich coronakonform.

Auf die Piste: Schlittenfahrer und Spaziergänger ließen sich an Dreikönig nicht von einem Trip auf den Dobel und damit ins „Winterwonderland“ abhalten. Foto: Nils Lösel

Kurz nach 9 Uhr auf dem Dobel: Noch herrscht Ruhe vor dem (An-)Sturm. Die Absperrung liegt noch neben der Zufahrtsstraße und die nahezu einzigen Autos im Ort sind die beiden Räumfahrzeuge.

Auch der Rodelhang unterhalb des Wasserturms liegt noch im dichten Nebel. Nur ein paar wenige Schlittenfahrer erkennt man, kurz bevor sie den Hang hinunter an einem vorbei sausen. Unter ihnen sind auch Eduard und Valentina Birnbaum, die mit den beiden Söhnen Richard und Robert gekommen sind, „weil die Kinder rodeln und Eskimo spielen wollten“, erzählt Valentina Birnbaum.

Masken trägt fast niemand

Bereits seit acht Uhr morgens ist die Frühaufsteher-Familie vor Ort und das Iglu ist schon so hoch, dass die beiden Jungs die nächsten Schneesteine auf Kopfhöhe anbauen müssen.

Die Karlsruher wollen noch vor dem Mittag wieder die Heimfahrt antreten, „nicht nur wegen der Wintersportler-Massen , sondern auch wegen der damit verbundenen Unfallgefahr“, so Eduard Birnbaum, während nach und nach immer mehr Autos anrollen.

Wir wollten raus in die Natur.
David Brockmann, Gast aus Birkenfeld

So sind auch David Brockmann und Freundin Ivana Spindler aus Birkenfeld auf den Dobel gefahren. „Wir wollten raus in die Natur, das ist ja eine der wenigen Möglichkeiten, die überhaupt noch bleibt“, klagt der 26-Jährige.

„Außerdem leben wir ja sowieso im gleichen Haushalt sind vorsichtig und halten Abstand zu allen anderen“, ergänzt seine zwei Jahre jüngere Freundin. Nachdem es gegen elf Uhr aufgeklart hat, und man nun den gesamten Hang zu Gesicht bekommt, fällt auf, dass einige den besagten Abstand nicht einhalten.

Schlitten um Schlitten startbereit

An der Abfahrtsrampe neben dem Wasserturm etwa steht Schlitten an Schlitten zum Start bereit. Die Fahrer müssen nur aufpassen, dass sie bei ihrer Fahrt die schneebedeckte Wiese herunter nicht eine der zahlreichen Gruppen umfahren, in denen die Menschen – und zwar zumeist mit mehr als fünf Personen – zusammenstehen.

Von Corona-Abstand ist hier wenig zu sehen. Das Tragen einer Maske ist gar eine völlige Rarität. „Warum auch, wir sind doch draußen und stehen weit auseinander was soll da schon passieren?“ fragt ein Mann, der lieber anonym bleiben möchte und gesellt sich wieder zu seiner vorgeblich siebenköpfigen Familie.

Parkplätze voll: Gegen Mittag ging auf dem Dobel nichts mehr. Das befürchtete Verkehrschaos blieb jedoch aus. Foto: Nils Lösel

Autokennzeichen von weit her

Unterdessen rollt die Blechlawine weiter ins Schwarzwalddorf und auf den Autos erkennt man mehr und mehr Mannheimer, Stuttgarter oder Germersheimer Kennzeichen. Der kommunale Ordnungsdienst gibt um kurz vor zwölf Uhr bekannt, dass nun alle Parkplätze belegt seien und über eine Sperrung nachgedacht wird.

Die Anwohner sehen den Andrang derweil mit gemischten Gefühlen. So berichtet Edeltraud Köhler, dass es so schlimm sei wie noch nie seitdem sie auf dem Dobel lebt. „Die machen das ganze Dorf zu Schlittenwiesen und Parkplätzen“, so die Seniorin.

Es gibt Schlimmeres.
Oliver Grässle, Feuerwehrmann

Auch der Dobler Oliver Grässle sieht eine Grenze überschritten, sobald „Hofeinfahrten und Rettungswege zugeparkt werden oder der Müll liegengelassen wird“. Er hat jedoch zugleich Verständnis für die anreisenden Touristen, denn wer in den Schnee wolle, habe diesen ja meistens nicht direkt vor der eigenen Haustür.

„Es gibt Schlimmeres“, bilanziert er daher und blickt auf seinen Piepser. Grässle ist bei der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes engagiert und am heutigen Tag in Rufbereitschaft. Bei einer Sperrung der müsste er zum Einsatz ausrücken.

Ganz großer Ansturm bleibt aus

Dazu kommt es jedoch nicht, der ganz große Ansturm bleibt aus. Verantwortlich machen die Einsatzkräfte dafür das nasskalte Wetter inklusive Schneefall den ganzen Tag über. So herrscht am Nachmittag ein stetiges Kommen und Gehen und es entstehen immer wieder Parkplatzlücken. „Die Situation ist entspannter als zuletzt“, berichtet Harald Borvitz vom kommunalen Ordnungsdienst. Zugleich klagt er aber an, dass die Aggressivität der Leute grundsätzlich zunehme.

„Es sind auch Unverschämte dabei und viele stellen unsere Maßnahmen in Frage und diskutieren“, so Borvitz, ehe er weiter Falschparker aufschreibt. Bis zum Nachmittag sind es nur 38 und damit weitaus weniger als am Wochenende, an dem die Zahlen deutlich dreistellig waren

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