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Schraubergruppe beim Arbeitskreis Asyl

Ehrenamtliche Radmonteure schrauben beim Ettlinger Jugendzentrum für den guten Zweck

Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs richten in ihrer Freizeit in Ettlingen Räder für Bedürftige her.

Ersatzwerkstatt in der Doppelgarage: Während der Corona-Zeit reparieren Stefan Quellmalz, Werner Stiffel und Manfred Krause (von links) von der Schraubergruppe die Fahrräder auf privatem Grund. Foto: Jürgen Hotz

Freitagabend steht Manfred Krause vor dem verschlossenen Hoftor des Kinder- und Jugendzentrums Specht und inspiziert das defekte Bremskabel eines Mini-E-Fahrrads. Hassan aus Syrien hat es von seinem Bruchsaler Arbeitgeber, einem Paketdienst, zur Verfügung gestellt bekommen.

Er ist seit 2015 in Ettlingen und fährt damit die tägliche Strecke vom Bruchsaler Bahnhof bis zum Arbeitsplatz und zurück. Manfred Krause, Ingo Günther, Werner Stiffel und Stefan Quellmalz vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) gehören zur 2015 gegründeten Schraubergruppe beim Arbeitskreis Asyl.

Räder werden verkauft und in Schuss gehalten

Sie richten gebrauchte Räder für Flüchtlinge her, die diese ab zehn Euro günstig erwerben können – „dazu empfehlen wir den Kauf eines Schlosses“. Vom Verkaufserlös schaffen sie weitere Ersatzteile wie Reifen, Schläuche, Bremsen und Sättel an. Kinderfahrräder geben sie gratis ab.

Doch der Service geht noch weiter: Tritt ein Defekt auf, können die Räder immer freitags ab 16.30 Uhr vorbeigebracht werden. Kleinere Reparaturen, wie einen „Platten“ flicken, erledigen sie direkt vor dem Tor, größere Schäden werden innerhalb einer Woche behoben.

Da während des Corona-Lockdowns die Werkstatt auf dem Gelände des Specht geschlossen bleiben muss, haben sie für schwerere Fälle in Krauses privater Doppelgarage eine Ersatzwerkstatt eingerichtet.

Vor Corona galt: „Hilfe zur Selbsthilfe“. Auf das Motto legt Krause als ausgebildeter Lehrer in Montessori Reformpädagogik wert. Unter Anleitung soll der Kunde sein Rad selbst reparieren. „Wir machen uns nicht zum Dienstleister von gewissen jungen Männern, die das Handy nicht vom Ohr nehmen, während sie ihr Rad abgeben. Da warten wir erst mal bis das Telefonat beendet ist.“

Zwei bis drei Räder pro Woche

Im Schnitt bekämen und reparierten sie zwei bis drei Räder pro Woche. „Wir arbeiten gemeinnützig und ehrenamtlich“, sagt Manfred Krause, „mit unserer Aktion fördern wir den Austausch und die Nachhaltigkeit, sodass weniger Räder auf dem Sperrmüll landen.“

Reparierte Räder erhalten ein Dokument, wo eine Beschreibung des Rads und der bezahlte Betrag vermerkt sind. Mohammed Abdo bringt mit seinem zwölfjährigen Sohn Hussan das Kinderfahrrad seiner Tochter zurück, dem das Mädchen entwachsen ist. Um das richtige Rad zu finden, sollte das Mädchen das nächste Mal mitkommen, bittet Krause.

Dann richten er und Michael Behr die Hinterradbremse an Hussans Rad.

Mit Ausweis der Diakonie zum Fahrrad

Ortswechsel in die temporäre Werkstatt: Stefan Quellmalz und Werner Stiffel schrauben seit 16 Uhr an den Rädern, die auf Reparaturständern aufgebockt sind.

Ungefähr 50 aufgearbeitete Räder, darunter Kinderräder, Mountain-Bikes und Tourenräder verteilen sich in der Garage und zwei extra Lagerräumen. Der Kreis der Interessenten und Empfänger wurde zwischenzeitlich ausgeweitet: Über den Tafelausweis der Diakonie können sich Bedürftige ebenfalls ein Fahrrad zulegen.

Infos



Fahrradspenden sind willkommen. Während des Corona-Lockdowns ist die Schraubergruppe freitags, ab 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr vor dem Hoftor des Jugendzentrums Specht, Rohrackerweg 24, in Ettlingen anzutreffen. Manfred Krause kann unter mkrause50@web.de kontaktiert werden.

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