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Mehr Zulauf zur Lebensberatung

Ettlinger Caritas-Chef: „Corona hat Familien und Partnerschaften sehr belastet“

Weniger Betriebswirtschaft, mehr Solidaritätsgedanken, dafür steht Christian Lemcke. Der neue Vorstandschef der Caritas Ettlingen will mehr fürs Ehrenamt tun und wirft den Blick auf die Situation von Familien in der Corona-Krise.

Neuer Chef: Sozialpädagoge Christoph Lemcke leitet als Vorstandsvorsitzender der Caritas Ettlingen ein mittelständisches Unternehmen mit 300 Beschäftigten. Foto: Heidi Schulte-Walter

Mit 52 Jahren dachte Christian Lemcke, es sei an der Zeit, beruflich nochmals etwas Neues zu wagen. Da hatte er ein Vierteljahrhundert bei der Lebenshilfe Region Baden-Baden, Bühl, Achern, und damit in der Behindertenarbeit hinter sich. Er erfuhr, dass der Caritasverband Ettlingen und südlicher Landkreis Karlsruhe einen neuen Chef suchte und bewarb sich. Mit Erfolg.

Seit März 2021 ist Lemcke Vorstandsvorsitzender der Caritas, hat die Nachfolge von Yvonn Hürten angetreten und fühlt sich, wie er einige Monate später sagt, „sehr wohl“. Die Einarbeitungsphase ist um, die meisten Einrichtungen des Wohlfahrtsverbandes hat der neue Mann an der Spitze inzwischen kennengelernt.

Lemcke führt vom Lorenz-Werthmann-Haus am Ettlinger Horbachpark ein mittelständisches Unternehmen, mit 300 hauptamtlich Beschäftigten und nochmals rund 160 Ehrenamtlichen.

Lemcke will Ehrenamt stärken

Anders als seine Vorgängerin Yvonn Hürten, die sich stark von betriebswirtschaftlichen Überlegungen leiten ließ und unter anderem an einer Fusion der Caritasverbände Bruchsal und Ettlingen arbeitete (die letztlich aber nicht kam), sieht sich Sozialpädagoge Lemcke eher dem Solidaritätsgedanken verpflichtet. „Ich will das Ehrenamt wieder stärken“, erklärt er.

Wir sind froh, wenn die Unterstützer wieder zurückkehren.
Christian Lemcke, Caritaschef

Durch Corona seien gerade die Ehrenamtlichen stark ausgebremst worden, weil sie zum Beispiel ihr Engagement in Pflegeheimen oder bei Sozialstationen einstellen mussten. „Wir sind froh, wenn die Unterstützer wieder zurückkehren, denn sie sind für uns unverzichtbar.“ Die Caritas habe eine sogenannte Engagement-Stelle ausgeschrieben, die zeitnah besetzt werden soll.

Betreute Wohnungen in Waldbronn

Neue Aufgaben warten auf den Verband vor allem in der Arbeit mit alten Menschen. Zwar denkt die Caritas derzeit nicht daran, für mehr Pflegeheime als das am Horbachpark und das in Forchheim die Trägerschaft zu übernehmen, indes plant sie in Waldbronn eine neue Tagespflegeeinrichtung und 30 betreute Wohnungen mit ergänzenden Dienstleistungen im Gebiet „Rück II“.

Froh ist Christian Lemcke darüber, dass „wir in den Heimen eine Impfquote gegen Corona von 90 Prozent haben“. Und auch in den Wohngruppen und der Tagesstätte, die die Caritas für psychisch Kranke in Ettlingen unterhält, „haben wir die Menschen über mobile Impfaktionen erreicht“.

Das niederschwellige Angebot sei bei den Betroffenen sehr gut angekommen. Überhaupt Corona: Allmählich gibt es statt Online-Treffen unter den Mitarbeitern wieder Präsenz-Konferenzen, starten Gruppenangebote in den Beratungsstellen, die während der Pandemie ausfallen mussten.

Familien durch die Pandemie stark belastet

Lemcke rechnet mit einem „verstärkten Zulauf“ zur Lebensberatung, zu den sozialen Diensten und der Schuldnerberatung. Er sagt: „Corona hat gerade Familien und Partnerschaften stark belastet.“

Vom Monate dauernden Homeschooling der Kinder über lang schon schwelende Konflikte zwischen Eheleuten bis zu finanziellen Sorgen wegen Kurzarbeit oder Jobverlust zählt Lemcke ein paar Beispiele auf, warum verstärkt um Hilfe nachgesucht wird.

Im Herbst soll Theatergruppe in Marxzell starten

Im Herbst wolle die Caritas noch mit einem ganz anderen, für sie bislang ungewohnten Angebot starten: einer Theatergruppe, die sich regelmäßig in Marxzell treffen soll.

Sie richtet sich an neu Zugezogene und an Einheimische, am Ende soll ein gemeinsam einstudiertes Stück stehen. Beginn ist am 2. Oktober. Wer Lust hat, hier mitzumachen meldet sich unter natalie.steiner@caritas-ettlingen. de oder Telefon (01 76) 12 51 51 06.

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