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Beitrag zu Energiewende und Klimaschutz

Ettlingen gibt bei Fotovoltaik auf den Dächern Gas

Mehr Fotovoltaikanlagen sollen auf Ettlingens Dächer kommen und dort sauberen Strom erzeugen. Nur auf den klassischen Dächern in der Altstadt will man sie nicht. Dafür soll es einen Kompromiss geben.

Mehr Fotovoltaik: Wie hier im Gebiet Oberes Albgrün sollen künftig in den Neubaugebieten Fotovoltaikanlagen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Foto: Stadt Ettlingen

Fotovoltaik soll bei der Stromerzeugung in Ettlingen in den nächsten Jahren eine zunehmend größere Rolle spielen. Derzeit werden in der Stadt nur etwa neun Prozent des Potenzials dafür ausgeschöpft.

Der Stromertrag liegt bei gut 9.000 Megawattstunden, möglich wären durch Dachfotovoltaik-Anlagen 102.000 Megawattstunden und damit ein weit höherer Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende als bislang.

Realisiert werden aktuell Projekte auf der Geschwister-Scholl-Schule Bruchhasen, der Wilhelm-Lorenz-Realschule, im Baugebiet Gässeläcker Oberweier, außerdem auf dem Eichendorff-Gymnasium, dem neuen Kindergarten am Festplatz und auf dem Mensadach im Schulzentrum.

Investoren sind zum einen die Bürgerenergiegenossenschaft, zum anderen die Stadt Ettlingen. Jetzt will die Stadt das Tempo in Sachen Fotovoltaik erhöhen und hat dafür Rückenwind aus dem Gemeinderat.

Verpflichtung für Firmen, Anreize für private Haushalte

Geplant ist, auf mehr Dachflächen im Industriegebiet Ettlingen-West Fotovoltaik zu installieren. Dort haben gemäß Solaratlas des Landkreises Karlsruhe von insgesamt 528 Gebäuden 419 Potenzial.

Belegt werden könnte eine Fläche von mehr als 415.000 Quadratmetern. In Kaufverträge für Gewerbegrundstücke soll fortan eine Verpflichtung zu Fotovoltaik auf den Dächern aufgenommen werden.

Private Haushalte will die Stadt für mehr Fotovoltaik zum einen durch einen kostenlosen „Eignungs-Check Solar“ gewinnen, zum anderen durch ein Klimaschutz-Förderprogramm, das aufgelegt werden soll.

Auch die Kommune selbst beabsichtigt, beim Klimaschutz mehr Zeichen setzen. So plant sie schrittweise die Installation von Fotovoltaik-Anlagen auf allen dafür geeigneten Dachflächen ihrer Neu- und Bestandsbauten.

Partner sein können dabei sowohl die Bürgerenergiegenossenschaft als auch private Investoren. Für Eigenverbrauchsanlagen auf fünf Schuldächern, dem VHS-Dach und dem Dach des Jugendzentrums Specht sind im Haushalt 2021 knapp 260.000 Euro eingestellt.

In Neubaugebieten geht ebenfalls nichts mehr ohne Fotovoltaik, da man die Quartiere möglichst klimaneutral entwickeln möchte. Beispiele sind hier das große projektierte Baugebiet„Schleifweg/Kaserne Nord“ in der Kernstadt und das kleinere „Lange Straße Nord“ in Schluttenbach.

Umstrittenes Projekt in Bruchhausen

Umstritten ist Fotovoltaik in Bruchhausen östlich der Autobahn, wo – wie berichtet- eine große Fotovoltaik-Freiflächenanlage angedacht ist. Realisieren würde sie gerne die Bruchsal Bretten Ettlingen Energie GmbH, kurz BBE.

Mehrheitlich hat sich der Ortschaftsrat Bruchhausen vor einigen Wochen gegen das Vorhaben ausgesprochen, weil Landwirte und Vereinsheime davon betroffen wären, zudem Naherholungsfläche verschwinden würde.

Stattdessen schlug er ein Gebiet westlich der A5 vor, wo die Eigentumsverhältnisse ein-fach und damit weniger Konflikte zu er-warten sind. Die Stadtverwaltung will die Alternative, wie Oberbürgermeister Johannes Arnold jüngst im Gemeinderat sagte, „ernsthaft prüfen“. Allerdings müsse hier der Regionalverband einbezogen werden. „Es könnte also etwas länger dauern.“

Fotovoltaik hätte gravierende Auswirkungen auf das Stadtbild
Wassili Meyer--Buck, Stadtplaner

Zweiter kritischer Punkt in Sachen Fotovoltaik ist die historische Altstadt. Sollten dort geeignete Dächer mit Fotovoltaik belegt werden, wäre der Stromertrag laut Stadtplaner Wassili Meyer-Buck „sehr gering“, die Auswirkungen auf das Stadtbild „wären aber sehr gravierend“.

Deshalb erarbeitete man hier einen Kompromiss. Er sieht vor, Fotovoltaik in den Grenzen der früheren Stadtmauer weiterhin nicht zuzulassen, aber auf den gegenüber liegenden Straßenseiten. Also etwa in der nördlichen Pforzheimer Straße, wo jetzt das ehemalige Feuerwehrgelände bebaut wird, und in der östlichen Friedrichstraße, die zum Oberen Albgrün zeigt.

Zudem soll in der Altstadt auf den wenigen vorhandenen Flachdächern Fotovoltaik möglich sein, da man sie nicht sieht, mithin das Stadtbild nicht beeinträchtigt wird. In der Altstadt gibt es insgesamt nur 3.000 Quadratmeter Flachdachfläche.

Mehrheitlich trug der Gemeinderat den Altstadt-Kompromiss mit, mehrheitlich sagte er auch „Ja“ zur Freiflächen-Fotovoltaikanlage in Bruchhausen. Generell gegen die Fotovoltaik-Pläne votierte der AfD-Vertreter. Tenor: Hier gehe es nur um einen „ideologischen Kampf“ gegen die fossile Energie.

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