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Neue Arten nötig

Ettlinger Bäume halten den Hitzestress nicht mehr aus

Für rund 18.000 Bäume ist die Stadt Ettlingen zuständig. Dazu gehören nicht nur die entlang der Straßen und in den Parks, sondern auch etliche auf Wiesen und Feldern rund um die Stadt. Doch die Trockenheit wird zum Problem.

Trockenheit, Krankheiten und Schädlinge machen den Bäumen im Stadtgebiet Ettlingen zu schaffen. Foto: Susanne Garcia

Von Susanne Garcia

„Die vergangenen drei Jahre waren sehr trocken. Jetzt zeigen sich die Schäden im Stadtgrün“, sagt Ingrid Lotterer von der Garten- und Friedhofsabteilung beim Stadtbauamt.

„Deshalb arbeiten wir derzeit daran, die kaputten Bäume, Hecken und Sträucher zu entfernen und durch widerstandsfähigere Arten zu ersetzen.“ Denn dem Wassermangel könne die Stadt nur bedingt etwas entgegensetzen. „Jungbäume werden etwa zwei Jahre lang gewässert“, so Lotterer. „Dafür kommen bei uns externe Dienstleister zum Einsatz. Etwa 200 Liter rund alle zehn Tage, unabhängig vom Wetter. Aber nach dieser Zeit müssen die Bäume es dann allein schaffen.“

Stadt setzt auf Arten, die Trockenheit aushalten

Im vergangenen Winter wurden beispielsweise auf dem Friedhof Ettlingen, im Stadtgarten und im Gatschinapark neue Hecken und im gesamten Stadtgebiet Bäume gepflanzt, etwa im Stadtgarten, in der Camil-Siegwarth-Straße oder im Odertalweg. Dabei setze die Stadt für die künftigen Pflanzungen auf Arten, die dem Trockenstress besser gewachsen sind. Sowohl mitteleuropäische Baumarten als auch solche aus Südosteuropa, Asien und Amerika gehören dazu, etwa die Winterlinde „Rancho”, die holländische Linde, der japanische Schnurbaum oder die Blumen-Esche.

„Die Bäume am Neuen Markt sind ein besonderer Fall, der nicht mit anderen Straßenbaumstandorten zu vergleichen ist“, erklärt Lotterer. „Hier werden Platanen gepflanzt. Die Bäume werden in einem Trog stehen, der in die Tiefgaragendecke eingelassen ist. Und sie werden künstlich bewässert.“ Bewässerungsanlagen laufen auch im Rosengarten sowie auf dem Rasensportfeld im Albgaustadion. Für den Stadtgarten ist die Erneuerung der Bewässerungsanlage in Vorbereitung.

Fast schicksalhaft ist der Standort dieses vertrockneten Baumes in der Rheinstettener Sonnenstraße. Die massive Sonneneinstrahlung der letzten Jahre setzt den Pflanzen zu. Foto: Susanne Garcia

Wichtig speziell bei Neupflanzungen von Bäumen seien die sogenannten „Baumquartiere“ – also das Loch, in das der Wurzelballen eingelassen wird. Martin Reuter, der sich in Rheinstetten beim Amt für Tiefbau und Umwelt mit dem städtischen Grün auseinandersetzt, erklärt: „Um es mal flapsig zu formulieren: Früher hat man einfach ein Loch in den völlig verdichteten Boden gebuddelt, das gerade so groß war, dass der Wurzelballen hineinpasst. Dadurch haben die Wurzeln keinen Platz. Der Baum bekommt zu wenig Wasser, und zudem gibt es mit der Zeit Schäden im Straßenbelag, weil die Wurzeln sich an der Oberfläche ihren Weg suchen.“ Deshalb verliere man heute mitunter auch Bäume, die eigentlich – wären sich nach jetzigem Standard gepflanzt worden – noch viele Jahre hätten gesund bleiben können.“

Stellen Sie sich vor, sie stehen mit den Füßen zwar in der Badewanne, aber von oben kommt einer mit dem Flammenwerfer.
Martin Reuter, Amt für Tiefbau und Umwelt

Heute würden Baumquartiere von vornherein ganz anders angelegt; mit genug Platz, bei Bedarf einem Belüftungssystem mit perforierten Plastikrohren, damit die Wurzeln auch den nötigen Sauerstoff bekommen. Manchmal spiele aber der Standort auch keine Rolle mehr. „Der kann noch so gut sein, es bringt trotzdem nichts. Das sehen wir beispielsweise an Birken, etwa in Mörsch im Tiefgestade“, so Reuter.

Der Hitzestress von oben sei für die Bäume nicht zu verkraften. „Als bildhaften Vergleich sage ich gerne: Stellen Sie sich vor, sie stehen mit den Füßen zwar in der Badewanne, aber von oben kommt einer mit dem Flammenwerfer. Die Sonne knallt von oben – da bringt die beste Bewässerung nichts. Wir brauchen mehr Bäume, die diesen Stress von oben verkraften.“

„Klimafolgeanpassung“ in Bezug auf den Baumbestand sei also gefragt. Reuter setzt deshalb auf einen bunten Mix an Arten. „Das mag manchem fürs Stadtbild nicht so gefallen. Vor ein paar Jahrzehnten war die Regel: Eine Baumart pro Straße, für ein geordnetes Straßenbild.“ Das sei mittlerweile überholt. „Wenn Schädlinge oder Krankheiten die Bäume befallen, dann ist direkt der ganze Straßenzug betroffen.“

Keine Einheitsbäume

Um das zu vermeiden, sollten unterschiedliche Bäume und Sträucher in einem Straßenzug stehen. „Das mag optisch für manche irritierend aussehen – aber es ist momentan das Mittel der Wahl. So ähnlich haben das auch schon die Bauern im Mittelalter gemacht. Die haben auch Getreide im Gemenge gesät, damit nicht die komplette Ernte kaputt geht durch Schädlinge oder Krankheiten. Die dachten sich: Was durchkommt, kommt durch. Dann habe ich am Ende wenigstens ein bisschen was übrig. Ein buntes Durcheinander ist deshalb auch meine Strategie.“

Damit etwa in der neuen Stadtmitte die Pflanzen dem Trockenstress und damit auch Schädlingen besser gewachsen sind, werde die geplante intensive Begrünung dort auch entsprechend vielfältig sein. „Im Rahmen der bisherigen Erschließungsarbeiten wurden neben den zwölf bereits gepflanzten Bäumen an der Querspange bislang 22 Baumquartiere fertiggestellt. Für die Grünanlage kommen noch um die 100 Bäume dazu“, erzählt Reuter. Aber: „Mit der Pflanzung in der neuen Stadtmitte warten wir noch ab, bis der Hochbau abgeschlossen ist, also ungefähr zwei Jahre.“ Das hänge mit dem Brandschutz zusammen. „Es bringt nichts, wenn ich heute einen Baum pflanze, der möglicherweise dann durch die Bauarbeiten in der Jungphase beschädigt wird und später einer Drehleiter der Feuerwehr in die Quere kommt.“ Deshalb werde erst dann losgelegt, wenn die Gebäude fertig sind.

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