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Strom und Gas werden teurer

Ettlinger Bürger kritisiert Stadtwerke: Wollen Sie die Kunden schröpfen?

Ärger über die für August angekündigte Erhöhung der Preise für Strom und Gas: Ein Kunde der Stadtwerke Ettlingen schreibt offenen Brief an den Unternehmenschef.

Mehr für Strom und auch für Gas müssen Kunden mit Sonderverträgen bei den Stadtwerken Ettlingen ab August bezahlen. Foto: Jens_Büttner picture-alliance / dpa/dpaweb

Als Siegfried Geisbauer vor kurzem Post von den Ettlinger Stadtwerken bekam und die gelesen hatte, war er ziemlich sauer. Der kommunale Energieversorger kündigte sowohl für den Strom als auch das Gas höhere Preise an, und zwar zum 1. August. Das wollte Geisbauer nicht einfach kommentarlos hinnehmen. Er schrieb einen offenen Brief an den Geschäftsführer der Stadtwerke, Eberhard Oehler, der in der provokanten Frage: „Wollen Sie die Ettlinger Bürgerinnen und Bürger mit Ihrer Preiserhöhung schröpfen?“, gipfelte.

Die Preise auf dem Weltmarkt haben einen Tiefpunkt erreicht.
Siegfried Geisbauer, Kunde der Stadtwerke

Der langjährige Kunde ärgert sich vor allem über die Begründung für den Nachschlag: Steigende Beschaffungskosten. Das, meint Geisbauer, dürfe ja wohl nicht wahr sein. Die Tarife würden bei den Stadtwerken zu einem Zeitpunkt erhöht, da die Preise auf dem Weltmarkt „den Tiefpunkt erreicht haben“. Er will wissen: „Was sind die wirklichen Gründe Ihrer Preiserhöhung? Schlechtes Wirtschaften der Tochtergesellschaft der Stadt Ettlingen? Oder vielleicht zu viele Preisvergaben der Stadtwerke aus der Gebührentasche?“.

Zu viel Preisvergaben und zu viel Sponsoring?

Damit meint der Ettlinger unter anderem den mit einem Geldbetrag verbundenen Stadtwerke-Ehrenamtspreis für engagierte Vereine oder Organisationen immer im Spätjahr. Zu den BNN sagte Geisbauer ergänzend, möglicherweise sponsere der Energieversorger einfach zu viel. Die „drastische Erhöhung“ jedenfalls „ist für mich nicht plausibel“.

Tarife steigen zum 1. August bei Gas und Strom

Zum 1. August steigt der Verbrauchspreis beim Gas um 0,61 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Für einen durchschnittlichen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden(Vier-Personen-Haushalt, Einfamilienhaus) summieren sich die Mehrkosten auf 10,17 Euro im Monat (brutto). Der Gasgrundpreis ändert sich nicht. Beim Strom erhöht sich der Verbrauchspreis um 2,40 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Für einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr bedeutet das 7,17 Euro mehr im Monat. Hier wird ein Drei-Personen-Haushalt zugrunde gelegt.

Der Tarif war seit mehr als zwei Jahren stabil.
Eberhard Oehler, Geschäftsführer der Stadtwerke

Eberhard Oehler lässt die Kritik am Vorgehen seines Unternehmens nicht gelten: Diejenigen Kunden, denen jetzt die Preise erhöht würden, seien „Sondervertragskunden“. Das bedeute: „ Ihre Tarife waren über einen längeren Zeitraum hinweg stabil“. Dort habe es seit knapp zweieinhalb Jahren keine Veränderung mehr gegeben habe. Bis 2015 hätten nur gut 30 Prozent der Stadtwerkekunden Sonderverträge abgeschlossen und 70 Prozent hätten sich für die Grundversorgung mit höheren Preisschwankungen entschieden. Inzwischen sei das Verhältnis umgekehrt.

Ettlinger Stadtwerke liegen preislich im Mittelfeld

Es sei zwar richtig, dass sich die Großhandelspreise auf niedrigem Niveau befänden, die Stadtwerke „decken sich aber immer mit einem zeitlichen Vorlauf ein“, um ihren Kunden eine gewisse Preisstabilität zu garantieren. „Sonst müssten wir ständig Schwankungen weitergeben.“ Mit ihren Energiepreisen lägen die Stadtwerke Ettlingen im Mittelfeld . Rastatt in der Nachbarschaft sei günstiger, Karlsruhe teurer. Markus Schneider, Pressesprecher der Stadtwerke Karlsruhe, bestätigt das und sagt:„Auch wir mussten beim Strom erhöhen, einmal zum März 2019 und ein weiteres Mal zum März 2020.“ Sein Unternehmen kaufe Strom viermal im Jahrein, mal teurer, mal billiger und daraus werde dann eine Mischkalkulation erstellt. Grundsätzlich seien die Gewinnmargen im Privatkundenbereich „sehr knapp“, es herrsche ein „harter Wettbewerb“.

Im Corona-Jahr kaum Sponsoring von Sport und Kultur

Dass dennoch auch nach Preiserhöhungen relativ wenige Kunden ihren Stadtwerken die Treue aufkündigen führen Oehler wie Schneider genau aufdie regionale Verbundenheit der kommunalen Energieversorger zurück und ihr sichtbares Engagement für Vereine, Kultur, Sport und ökologische Projekte vor Ort. Das Sponsoring mache im Millionen-Etat der Stadtwerke nur einen sehr kleinen Teil aus. Im Corona-Jahr 2020 liegt das der Stadtwerke Ettlingen bei rund 25.000 Euro, in einem „normalen Jahr“ sind es Oehler zufolge rund 100. 000 Euro.

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