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Gastronomen warten auf die Zahlungen

Ettlinger Gastronomen warten auf Novemberhilfen: „Bazooka“ ist bislang ein Rohrkrepierer

Noch immer auf die endgültige Auszahlung der Novemberhilfen warten Gastronomie und Hotellerie. Für die Ettlinger Gastronomen ist die Grenze des finanziell Zumutbaren erreicht.

Triste Stimmung: Nicola Kovacic, Wirt des La Cubanita in Ettlingen, wartet wie andere Gastronomen seit Wochen auf die angekündigte Zahlung von Hilfsgeldern. Foto: Werner Bentz

Voller Bangen warten Gastronomen aus Ettlingen und Umgebung auf die vom Bundesfinanzministerium und Bundeswirtschaftsministerium zugesagte Hilfe. Es macht sich Enttäuschung breit.

So auch bei Nikola Kovacic, dem Sprecher der Ettlinger Wirtevereinigung. Seit Wochen wartet der „La Cubanita“-Chef nach einer für ihn geringen Abschlagszahlung für November auf die Auszahlung der angekündigten Geldsummen. „Grundsätzlich“, so Kovacic, „sind wir extrem dankbar für Überbrückungs-, November- und Dezemberhilfe. Das Geld ist nicht gottgegeben.“

Aber es sei unerträglich, dass aufgrund der Schwierigkeiten bei der Abwicklung und der schleppenden Zahlungen Existenzen, gerade in der Gastronomie, schwer bedroht seien.

Kleinbetrieb hat Hälfte der Novemberhilfe erhalten

Dies gilt nach Worten von Jasmin Schlotterer, die in der Marktpassage die Schlotti Salatbar betreibt, auch für die kleinen Betriebe. Sie habe zwar als Ausgleich für die Schließung ihres Bistro-Bereichs einen Abholservice eingerichtet, aber seit dem Lockdown sei es in Ettlingens Innenstadt zu leer, um eine einigermaßen Frequenz zu haben. So habe sie nur noch von Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Die Einnahmen daraus reichten kaum, um die Fixkosten etwa für Pacht und Telefon zu begleichen.

Ihr stehe für November zumindest ein staatlicher Zuschuss von 1.300 Euro und für Dezember von 1.000 Euro zu. Man fordere von ihr eine Fülle an Buchhaltungsunterlagen. Und am Ende des Prozesses könne sie sich vorstellen, dass wieder alle möglichen Rückforderungen kommen.

Lob für Tourismusminister Wolf

Auf die Hilfen angesprochen, holt Bernhard Zepf, Chef des Erbprinz in Ettlingen, tief Luft: „Im Sommer waren wir das einzige Bundesland, das Zahlungen pro Beschäftigten an die Hotellerie erhalten hat. Das war einzigartig. Dafür hohes Lob an Tourismusminister Guido Wolf.“ Was sich aber seitdem getan habe, sei ein Trauerspiel. Er habe noch Gelder aus der Überbrückungshilfe vom Oktober zu bekommen.

Von der Novemberhilfe sei gerade einmal eine Abschlagszahlung von 10.000 Euro da. Dabei erwarte er einen sechsstelligen Betrag. „Wer da keine Freunde hat, ist verloren“, sagt Zepf. Zum Glück habe man Geschäftspartner, die auch in schlechten Zeiten zum Erbprinz hielten und Banken, die großzügig seien, im Vertrauen, dass es wieder aufwärts geht.

Kleingedrucktes ärgert Bernhard Zepf

Für die Dezember-Hilfsleistung habe er noch nicht einmal schlüssige Antragsformulare gesehen, weil wohl die zuständigen Ministerien noch mit der EU über diese Beihilfe verhandelten. Bei seinem Bruder, der im Schwarzwald ein bekanntes Ferienhotel leitet, sei jetzt am 11. Januar zumindest die Novemberhilfe angekommen.

Ihn ärgere aber noch mehr, dass die Minister Scholz und Altmaier medienwirksam verkündeten, 75 Prozent des in den Monaten November und Dezember verlorenen Umsatzes zu erstatten, aber dann später in November-Antragsformularen im Kleingedruckten die Zusagen wieder einkassiert worden seien.

Auch gut geführte Unternehmen unter schwerem Druck

„Wenn jetzt nicht bald voll umfänglich die zugesagten Überbrückungsgelder, November- und Dezemberhilfe kommen, habe ich große Befürchtungen um unsere Gastronomie und Beherbergungsbetriebe“, sagt Michael Kant, Geschäftsführer der Dehoga für den Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Jeder Tag, den die zugesagten Gelder weiter auf sich warten ließen, treffe auch gut geführte Unternehmen ins Mark.

Der seit dem 2. November anhaltende Lockdown sorge gerade mit dem verloren gegangenen Weihnachtsgeschäft für radikale wirtschaftliche Einschläge. Er schließt nicht mehr aus, dass bis zu 50 Prozent der Betriebe sich davon kaum noch erholten. Kovacic glaubt dabei sogar, dass es die größeren Restaurants und Beherbergungsbetriebe, wenn sie nicht in guten Jahren große Rücklagen gebildet haben, noch stärker treffen könnte als die kleinen.

Erste Abschlagszahlungen für 2. Lockdown kurz vor Weihnachten

Die erste Abschlagszahlung Novemberhilfe sind laut Kovacic bei vielen Kollegen erst kurz vor Weihnachten gekommen. Da aber der Geldbetrag zunächst auf 10.000 Euro gedeckelt gewesen sei, entspreche dies maximal einem Tropfen auf den heißen Stein. Sechsstellige Kosten stünden aber bei seiner großen Mannschaft dem bisher vom Staat geleisteten gegenüber.

Bei Nicolas Hettel, Geschäftsführer von Hotel Watthalden und Watt’s Brasserie ist es ähnlich, wie beim Kollegen im „Erbprinz“. Die von Finanzminister Scholz angekündigte „Bazooka“ an Fördergeldern erweise sich bislang als Rohrkrepierer. Man rede sich mit Softwarefehlern und ähnlichem heraus. Er habe bislang trotz Corona-Pandemie und geschlossenen Restaurants und verbotenen touristischen Übernachtungen noch keinem seinen Mitarbeiter gekündigt.

Auch Kurzarbeitergeld kam spät

Das Kurzarbeitergeld sei jetzt erst Anfang Januar für die beiden zurückliegenden Monat angewiesen worden. Er sei voll in Vorleistung getreten. Und von den Hilfe- und Überbrückungsgeldern erwarte er noch einen mittleren sechsstelligen Betrag. Hettel: Er habe manchmal den Eindruck, manche Politiker wertschätzten nur gering den Betrieb eines Hotels mit 100 Beschäftigten. Dankbar sei er nur seiner Bank, die die nötigen Kreditlinien einräumten. Jetzt hoffe er noch darauf, dass die geringere Mehrwertsteuersätze für die Gastronomie auch über den Sommer hinaus bestehen bleiben.

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