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Beginn der fünften Jahreszeit

Ettlinger Narren leiten Fastnacht auf ungewohntem Wege ein

Not macht erfinderisch: Weil die traditionellen Veranstaltungen zum Fastnachtsauftakt am 11.11. ausfallen mussten, haben sich Ettlinger Vereine coronakonforme Alternativen überlegt.

Analog-digitaler Rathaussturm in Spessart mit Elke Werner und Torsten Kiefer. Digital schauten gut 100 Vereinsmitglieder dem Geschehen zu. Foto: Klaus Müller

Keine Umzüge, keine Sitzungen, Kampagnen wurden abgesagt – die Fastnacht fällt dieses Jahr wegen Corona flach. Ganz sang- und klanglos wollten einige Vereine in Ettlingen den traditionellen Auftakt der närrischen Saison am 11.11. dann aber doch nicht vorübergehen lassen.

Und so stattete die Vorstandschaft des Wasener Carneval Clubs (WWC) Ettlingen an diesem Tag zumindest ihrem Maskottchen, dem „Wasenaff“, einen Besuch ab. Die Skulptur im Wasenpark, die den Ettlinger Ratsherren symbolisch den Spiegel vorhält und den Namen „Fidel“ trägt, wurde dort genau vor 33 Jahren aufgestellt – oder, wie die Fastnachter sagen, vor dreimal elf Jahren. Gestaltet wurde er von der Künstlerin Gudrun Schreiner, gesponsert von der Sparkasse Ettlingen. Dass das Wappentier des WCC ein Affe ist, geht auf eines der Gründungsmitglieder des Vereins zurück, wie WWC-Präsident Bernd Rehberger erklärt: „Er war als Soldat im Boxerkrieg in China und brachte ein Rhesusäffchen mit zurück nach Deutschland.“

Geburtstagsfeier mit dem „Wasenaff“ musste ausfallen

Eigentlich, erzählt Rehberger, hatte der Verein am 11.11. einen Rathaussturm und eine Feier im Wasenpark geplant mit Glühwein und Essen. Dass es nun lediglich zum Geburtstagstreffen in kleiner Runde mit den Vorständen und Äffchen „Fidel“ kam, ist der Corona-Pandemie geschuldet.

Den Besuch beim „Wasenaff“ verbanden die Fastnachter mit einem praktischen Nutzen: „Fidel“ wurde die Plakette geklaut, auf der sein Entstehungsdatum sowie die Namen seiner Erschafferin und der Sponsoren vermerkt sind. Die Chefs des WWC haben eine neue anfertigen lassen und sie wieder an der Skulptur angebracht.

Unsere Traditionen lassen wir uns von Corona nicht nehmen.
Torsten Kiefer Präsident der Spessarter Eber

Ganz auf Fasching, auf die fünfte Jahreszeit zu verzichten, das geht für die Spessarter Eber gar nicht. „Unsere Traditionen lassen wir uns von Corona nicht nehmen“, sagt Eber-Chef Torsten Kiefer. Eine dieser Traditionen ist eben am 11.11. der Startschuss für die Kampagne, verbunden mit einem Rathaussturm und die Verhaftung von Ortsvorsteherin Elke Werner, die dieses Amt – gefühlt – seit Ebergedenken ausübt.

Fastnachter verfolgen „Rathaussturm“ im Videostream

Zu viele Menschen auf einem Haufen, das ist in Zeiten der Pandemie nicht erlaubt. Wenn sich aber analog drei Menschen, und das aus zwei Haushalten, zusammentun und der Rest digital mit von der Partie ist, sieht die Sache schon anders aus. Gesagt getan. Kiefer und Werner, flankiert von Schatzmeisterin Jessica Kiefer, waren die analogen Protagonisten vor dem Vereinsheim des Carnevalclubs.

von links nach rechts: Vizepräsident und 2. Vorstand Ralf Rapp, Wasenaff Fidel, Vizepräsident Michael Eisele. Das Schild in der Hand beschreibt das Denkmal. Leider wurde das Original entwendet, weshalb wir in den nächsten Tagen das neue Schild selbst montieren werden. Corona geschuldet sind die beiden Vizepräsidenten auf dem FOTO (zwei Haushalte) und ich als Präsident habe das Foto mit Sicherheitsabstand gemacht Foto: Bernd Rehberger

Er „entriss“ ihr den Rathausschlüssel. Eine Schar freudig erregter Eber und „Eberinnen“ wurde via Zoom (Videokonferenz-Portal) auf einem Flachbildschirm dazugeschaltet. Obendrein konnte auf dem Bildschirm eine vom Ebernachwuchs gestaltete Bildercollage bestaunt werden. Und fertig war der analog-digitale Startschuss für den Beginn einer eher ungewissen Faschingskampagne. „Irgendwas werden wir in den nächsten Wochen auf jeden Fall machen“, verriet Kiefer. Film- und Bildermaterial über den etwas anderen 11.11. in Spessart gibt’s in Facebook und Instagram zu sehen.

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