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82 Jahre Reichspogromnacht

Gedenken am Mahnmal für Ettlinger Juden

An die Reichspogromnacht und den Synagogenbrand vor 82 Jahren erinnerte am Montag eine kleiner Kreis der Ettlinger Kommunalpolitik sowie ein Vertreter der Christlichen Kirchen. Gedenkort war das Mahnmal für die jüdischen Bürger Ettlingens gegenüber dem Standort der ehemaligen Synagoge in Ettlingen.

Gedenken an die Ettlinger jüdischen Bürger: Moritz Heidecker stellte am Mahnmal auf der Glasplatte wie andere Vertreter der Stadt eine Kerze ab. Im Hintergrund Johannes Arnold, der die Ansprache hielt. Foto: Andrea Fabry

Wo sich sonst eine große Gruppe Menschen aller Generationen versammelt, war es am Montag wegen Corona nur ein kleiner Kreis. Kommunalpolitiker, Oberbürgermeister, Bürgermeister und die OB-Stellvertreter sowie ein Vertreter der christlichen Kirchen standen am Mahnmal für die jüdischen Bürger Ettlingens.

Sie erinnerten in einer kleinen, kurz gehaltenen Gedenkstunde „stellvertretend für alle Ettlinger Bürger“, so formulierte es OB Johannes Arnold, an die schrecklichen Ereignisse vor 82 Jahren. Damals brannten in der Reichspogromnacht auf Befehl von höchster Stelle in Berlin fast alle Synagogen im Deutschen Reich.

Die Ettlinger Synagoge brannte 1938 ab

So auch die Ettlinger Synagoge, die ehedem in der Pforzheimer Straße gegenüber der Thiebauthschule stand. „Das Gedenken an diese Nacht ist jedes Jahr wieder schrecklich und die Ereignisse unvorstellbar“, sagte Oberbürgermeister Arnold zur Einführung.

Trotz des kleinen Corona-Lockdowns habe er die Gedenkstunde ganz bewusst nicht ausfallen lassen, auch angesichts schrecklicher Terroranschläge in Europa. Es komme nicht auf die Zahl der Gedenkenden direkt an, sondern auf die Tatsache des Nichtvergessens.

Arnold las aus Arbeit von Abiturienten vor

Üblicherweise beteiligen sich zudem Schülerinnen und Schüler an der Gedenkstunde. Da die Vorbereitungen des Geschichtskurses der 13. Klasse des Eichendorff-Gymnasiums bereits abgeschlossen waren, ließ Arnold wichtige Aussagen des Schülerbeitrags in seine Ansprache einfließen. Die Abiturienten hatten sich damit auseinandergesetzt, wie die Vorfälle der Reichspogromnacht in Süddeutschland von nichtjüdischen Zeitzeugen wahrgenommen wurden.

Es habe durchaus Menschen gegeben, die die Feuerwehr alarmierten, aber diese seien von den Tätern, im Ettlinger Fall waren dies insbesondere Westwallarbeiter und SA-Leute, abgehalten worden.

Wir müssen uns auch heute fragen, was Akzeptanz und Toleranz im Alltag bedeuten.
Johannes Arnold, Oberbürgermeister

Arnold meinte, fremdenfeindlich motivierte Gewalttaten seien nicht nur Probleme von damals, sondern hochaktuell. „Wir müssen uns auch heute fragen, was Akzeptanz und Toleranz im Alltag bedeuten“, verdeutlichte Arnold. Es gehe darum, wie die Grundrechte unserer Demokratie praktisch gelebt werden könnten.

Und schließlich zitierte der OB noch aus dem Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank, das von den Nazis 1944 umgebracht wurde: „Einmal wird dieser schreckliche Krieg doch vorbeigehen, einmal werden wir doch wieder Menschen sein und nicht nur Juden sein!“

Nur ein Volk Gottes

Pastoralreferent Benedikt Lang von der römisch-katholischen Kirchengemeinde Ettlingen-Stadt sprach für die christlichen Kirchen. „Christen haben vielfach versagt, Kirchen haben vielfach versagt, wir haben vielfach versagt“, meinte Lang zur Geschichte der Judenverfolgung im Dritten Reich. F

ür die christliche Familie gebe es nur das eine Volk Gottes, wo sich jeder als Tochter und Sohn Gottes mit dem anderen verbunden wissen dürfe, verbunden wissen müsse – in guten wie in schlechten Zeiten.

Musik von Pergolesi und Rosenthal

Leonie Steppe von der Musikschule Ettlingen intonierte mit einem Horn unter anderem ein Solo von Giovanni Battista Pergolesi sowie ein Lied von Lejb Rosenthal mit dem Titel „Mir lehn ejbig“, übersetzt „Wir leben ewig“. Rosenthal schrieb es 1943 in einem jüdischen Ghetto.

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