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Zwischenfazit in Ettlingen

In den AVdual-Klassen sollen Schüler für die Ausbildung fit gemacht werden

Die Bertha-von-Suttner-Schule in Ettlingen nimmt an dem Schulversuch AVdual teil. Der Bildungsgang unterstützt nicht ausbildungsreife Jugendliche, indem er sie individuell beim Übergang von der Schule in eine Ausbildung begleitet.

Mit Erfolg die AVdual-Klasse bestanden: Gorgina Horo (links) startet nach den Sommerferien eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin, Amila Velagic strebt den Realschulabschluss an. Foto: Rake Hora

Ein Jahr in der AVdual-Klasse an der Bertha-von-Suttner-Schule in Ettlingen liegt hinter Gorgina Horo und Amila Velagic. Ein Jahr, in dem sie ihre Deutsch-Kenntnisse verbessert, durch Praktika Einblicke in verschiedene Berufe bekommen und vor allem eine Zukunftsperspektive gewonnen haben, wie sie im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten erzählen.

„Das Jahr war nicht gut, es war sehr gut”, erzählt Gorgina Horo. „Ohne AVdual wäre es schwierig gewesen, einen Ausbildungsplatz zu finden.”

Die 19-jährige Syrerin ist seit vier Jahren in Deutschland, nach den Sommerferien beginnt sie eine zweijährige Ausbildung als Altenpflegehelferin am Stephanus-Stift in Ettlingen.

Sprachkenntnisse haben Priorität

Während ihres AVdual-Jahres hat sie dort schon ein Praktikum absolviert. Nach Stationen beim Zahnarzt, in einer Apotheke und einer Drogeriemarktkette hat es ihr in diesem Beruf am besten gefallen: „Ich kann dort Menschen helfen”, erklärt sie. Sprachliche Schwierigkeiten hatte sie selten und wenn ja, musste sie eben viel fragen. „Es waren alle sehr freundlich”, sagt sie.

Priorität hatte für Gorgina Horo, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Das bestätigt auch ihre Mitschülerin Amila Velagic: „Wir hatten viel Hilfe durch die Lehrerinnen und haben viel gelernt.”

Sieben Stunden Deutschunterricht hatten beide in der Woche. Vieles mussten sie sich in offenen Lernzeiten selbst erarbeiten – auch in Kooperation mit den anderen Schülern. In der AVdual-Klasse kommen neben den deutschen Schülern viele Nationen zusammen. Einziger gemeinsamer Nenner in der Kommunikation: Deutsch. Ein Vorteil, wie Gorgina Horo findet: „Wir hatten die Chance, zu sagen, was wir wollen.”

„Es war gut, dass wir viel machen konnten”, erzählt Amila Velagic. Die 17-jährige Bosnierin ist erst seit einem Jahr in Deutschland, hat in ihrem Heimatland das Gymnasium besucht. Entsprechend schnell waren ihre Fortschritte. Sie konnte deshalb zusätzlich Biologie und Chemie belegen. Nach den Sommerferien möchte sie an ihrem Realschulabschluss arbeiten.

Für die Schüler ergibt sich ein „Klebeeffekt”

„Die große Herausforderung von AVdual ist die individuelle Betreuung”, erklärt Schulleiterin Kerstin Hollwedel. „Der Lehrer ist zwar da, hat aber eine andere Funktion.” Noch sind die AVdual-Klassen ein Schulversuch. Versuch deshalb, weil sie sich in ihrem Konzept von anderen Bildungsgängen unterscheiden. Statt Frontalunterricht gibt es ein großes Pensum an offener Lernzeit, und die Schüler arbeiten je nach ihren Stärken auf verschiedenen Niveaus.

Kerstin Hollwedel ist die Schulleiterin der Bertha-von-Suttner-Schule in Ettlingen. Foto: Rake Hora

„Es geht darum, was die Schüler wirklich brauchen”, erklärt Astrid Bohländer, Lehrerin und Teil der Teamleitung. Die Schüler lernen im Unterricht, wie sie Bewerbungen schreiben, legen „Lebensordner” mit Zeugnissen und Versicherungen an, besuchen Ausbildungsmessen.

Unterstützt werden die Lehrer dabei von Nicola Heppner. Die Sozialpädagogin hilft den Schülern bei der Berufsorientierung und bei der Praktikumsvermittlung. „Ich begleite das Praktikum engmaschig”, erzählt sie. Für die Arbeitgeber sei sie eine feste Ansprechpartnerin, das schaffe durchaus auch Vertrauen.

Nicola Heppner ist AVdual-Begleiterin und unterstützt die Schüler bei der schulischen und beruflichen Anschlussperspektive. Foto: Rake Hora

„Die Resonanz ist positiv, dass es eine Begleitung gibt”, erzählt sie. Für viele der Schüler ergebe sich durch die Praktika, die sie im Block und anschließend an einem Tag wöchentlich absolvieren, ein „Klebeeffekt”. „Die Chance, die Schüler dort unterzubringen”, ist größer”, sagt Nicola Heppner.

Perspektiven für die Zeit nach der Schule

Insgesamt 35 Schüler haben im vergangenen Jahr die AVdual-Klassen an der Bertha-von-Suttner-Schule besucht. Einige sind nach den Sommerferien in einer Ausbildung, andere streben einen weiteren Abschluss an. Manche werden weiter gefördert. „Das sind Schüler, die noch ein bisschen länger brauchen, die noch nicht ausbildungsreif sind”, sagt Nicola Heppner.

Etwa 60 Prozent hätten nach der AVdual-Klasse den Hauptschulabschluss, schätzt Astrid Bohländer. „Ein Erfolg lässt sich aber nicht in Zahlen ausdrücken”, merkt sie kritisch an, „denn das eigentliche Ziel ist es, den Schülern eine Perspektive und einen Weg zu zeigen, wo es hingehen kann”. Und Nicola Heppner ergänzt: „Kleinere Erfolge sind genau so Erfolge.”

Eine Perspektive haben Gorgina Horo und Amila Velagic zwischenzeitlich und auch Träume für die Zukunft. Amila möchte gerne studieren. „Wenn ich eine gute Note habe, mache ich weiter und werde Altenpflegerin”, ist sich Gorgina sicher.

„Für diese Schüler müssen wir etwas tun. Jeder einzelne, der in einen Beruf geht, ist ein Gewinn für die Gesellschaft”, ist sich Lehrerin Astrid Bohländer sicher, dass sich die AVdual-Klassen fest etablieren werden.

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