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Bei Praktika sieht es schlecht aus

In Ettlingen gibt es noch immer ein Über-Angebot an Ausbildungsstellen

Die Pandemie wirkt sich auch auf die Ausbildungszahlen aus. Daran ist teilweise die wirtschaftliche Lage schuld und die Verunsicherung, wie es weiter geht. Aber den Schülern fehlt auch eine wichtige Entscheidungshilfe.

Ausbildung: Daniel Miller, hier mit Malermeister Dominik Csernalabics, lernt Maler und Lackierer. Im Sommer entschied er sich für den Beruf. Foto: Klaus Müller

Bis jetzt läuft für Daniel Miller noch alles recht normal. Im Sommer, im Corona-Sommer, hat der 16-Jährige seine Ausbildung zum Maler und Lackierer bei „Form & Farbe Csernalabics“ in Waldbronn begonnen. Abwarten muss er noch, wann und wie es mit der Berufsschule los- und dann auch weitergeht. Gerade einmal zwei Wochen Berufsschule standen im Dezember auf dem Programm. „Ab 16. Februar soll der zweite Block starten“, berichtet Daniel.

„Wir vom Handwerk brauchen natürlich weiterhin Auszubildende. Und wir werden, wenn wir überhaupt welche finden, auch weiterhin Lehrlinge einstellen“, betont Geschäftsführer und Malermeister Dominik Csernalabics. Allerdings scheint sich die Pandemie dann doch in bestimmten Ausbildungsbereichen auf die Ausbildungszahlen auszuwirken. Das jedenfalls tat unlängst die Industrie- und Handelskammer (IHK) Karlsruhe kund.

Rückgang von neu abgeschlossenen Verträgen

Demnach gab es im IHK-Bezirk im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen um etwas über neun Prozent. So viel wie selten zuvor. „Die Gründe für den Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sehen wir insbesondere in der Corona-Pandemie“, heißt es aus der IHK weiter.

Eine teilweise schwierige wirtschaftliche Lage und Verunsicherung darüber, wie es weitergehe, seien mit dafür verantwortlich. Pauschal könnte man darüber nicht befinden, meint Benjamin Gondro, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt. In verschiedenen Bereichen, zum Beispiel Logistik, Gastronomie oder Tourismus, könne der Lockdown zu rückläufigen Ausbildungszahlen führen.

„Insgesamt gesehen haben wir aber noch immer ein Überangebot an Ausbildungsstellen im Verhältnis zu Bewerbern.“ Für den Agenturbezirk Ettlingen lässt sich dabei fast schon von einem überdeutlichen Überangebot sprechen: Im Vorjahr waren dort laut der Agentur für Arbeit insgesamt 601 offene Ausbildungsstellen gemeldet – und das bei am Ende 274 Bewerbern.

Vieles hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab

Ein geringerer Rückgang der Ausbildungszahlen – dies freilich noch nicht offiziell verkündet - wurde auch bei der Handwerkskammer Karlsruhe registriert. Ob die Entwicklung tatsächlich etwas mit der Pandemie zu tun hat, lässt sich nach Einschätzung von Alexander Frenzl, Pressesprecher der Kammer, derzeit nicht exakt sagen. „Das hängt alles von den nächsten Monaten ab – wie es mit Corona weitergeht.“ Mit großen Einbrüchen rechnet er aber nicht.

„Die meisten Handwerksbetriebe denken langfristig.“ „Das müssen wir. Keine Frage“, bestätigt Julian Schwab vom gleichnamigen Stuckateurbetrieb in Waldbronn. „Ich würde sogar noch einen Auszubildenden einstellen. Aber finden sie erst mal einen.“ Die Pandemie sei kein Hemmschuh. Scheinbar auch nicht für die Gewerbetreibenden in Ettlingen.

Auf Anfrage der BNN startet der Vorsitzende des Gewerbevereins Ettlingen, Henrik Hotz, eine Schnellabfrage unter Vereinsmitgliedern. Über 40 Betriebe meldeten sich. Bis auf eine Ausnahme haben oder würden alle trotz Corona Auszubildende einstellen. „Irgendwann ist die Pandemie ja vorbei. Und wir als Handwerksbetriebe brauchen Nachwuchs“, meint ebenso Dominik Csernalabics.

Praktika als wichtige Entscheidungshilfe fallen weg

Spätestens bei diesem Aspekt schlägt das Virus dann aber doch richtig durch. Das Problem: Es gibt und gab 2020 keine Praktika. Keine Ausbildungsplatzbörsen. Kein entsprechender Unterricht in der Schule. „Das tut schon weh. Bei uns an der Schule ist das eigentlich ein Schwerpunktthema – eben wie es nach der Schule mit Ausbildung und Beruf weitergeht. Dafür haben wir das Fach Wirtschaft- und Berufsorientierung“, berichtet Christine Kirchgäßner, Leiterin der Anne-Frank-Realschule Ettlingen.

Die einwöchigen Praktika für die neunten Klassen seien verschoben worden. Ob das Angebot für die Achtklässler im Mai stattfinden könne, müsse man abwarten. Und es gibt ein weiteres Problem: Eltern ließen die Schule wissen, dass Betriebe von solchen Praktika zurzeit alles andere als begeistert seien. Viele wollen in nächster Zeit schlichtweg keine Praktikanten im Betrieb haben.

Somit fehle den Schülern eine wichtige Hilfe – „und das sind nun mal Praktika“ – bei der Berufsfindung, bedauert Schulleiterin Kirchgäßner. Das Fazit: Es herrscht keine Panik. Schulabgänger haben gerade in der Region Karlsruhe nach wie vor gute Chancen, einen guten Ausbildungsplatz zu finden. Corona hin oder her.

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