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Rhein-Neckar-Löwen

Handballer Patrick Groetzki übt sich vor Trainingsstart als Praktikant in Karlsbad

Am 20. Juli startet Handball-Bundesligist Rhein-Neckar Löwen die Vorbereitung auf die Saison. Nationalspieler Patrick Groetzki hat sich schon vorher den ersten Schliff geholt: Als Praktikant bei einem Stahlbauunternehmen in Karlsbad.

Handballer als Handwerker: Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen fertigt als Praktikant bei einer Karlsbader Metallbaufirma Feuerkörbe mit Vereinslogo an. Foto: Rhein-Neckar Löwen

Am Montag starten die Rhein-Neckar Löwen im Kronauer Handballzentrum ihre Vorbereitung auf die am 1. Oktober beginnende Bundesligasaison. Aber schon fünf Tage vor dem Auftakttraining holt sich Patrick Groetzki seinen ersten Schliff. Der Trainer gibt die letzten Anweisungen, dann lässt es der Linkshänder krachen. Funken fliegen, der Winkelschleifer kreischt, im Hintergrund brüllen Maschinen.

Feuerkörbe mit Löwen-Logo

Groetzki ist zu Gast beim Karlsbader Metallbauunternehmen Selinger. Beim treuen Sponsor des Bundesligisten absolviert der gebürtige Pforzheimer einen eintägigen Schnupperkurs, der Praktikant stellt sich ausweislich von Juniorchef Fabian Selinger gut an und Feuerkörbe mit Löwen-Logo her. Am Dienstagabend brachte sich der Nationalspieler bereits bei einer Nachtwächterführung mit Fans in Heidelberg ein, zudem steht noch ein Tag auf einer Großbaustelle in Brackenheim auf Groetzkis Aha-Agenda.

Der Rekordspieler der Löwen, bei denen seit dem Corona-Lockdown der Betrieb weitgehend ruht, betont: „Unsere Partner sind in einer schwierigen Zeit solidarisch zu uns gestanden. So kurz vor dem Saisonstart will ich ihnen etwas zurückgeben.” Und die handwerkliche Horizonterweiterung, sagt der Handballprofi mit Bachelor-Abschluss in Medien- und Kommunikationsmanagement, mache ja auch Spaß.

Vorfreude auf den Trainingsstart

Kein Vergnügen, das weiß der 31 Jahre alte Routinier aus qualvoller Erfahrung, ist dagegen das Vorbereitungstraining. Doch in diesem Jahr ist nichts, wie es war, diesmal wird der Funke der Begeisterung vom schweißtreibenden Praktikum in Karlsbad auf die noch schweißtreibendere Praxis in Kronau überspringen. Groetzki sagt: „Normalerweise freust du dich auf die Saisonvorbereitung am allerwenigsten. Aber dieses Jahr ist die Freude so hoch wie nie, dass es endlich in normalen Bahnen losgeht.”

Groetzki, der wie ein halbes Dutzend Kollegen selbst an Covid-19 erkrankt war, hat den ersten Schliff auch konditionell schon hinter sich. Erst allein daheim in Walldorf, später zusammen mit den in der Region verbliebenen Kollegen hielt sich Groetzi durch fit Läufe, Radtouren und Krafttraining fit. „Und ein paarmal habe ich den Ball auch aufs Tor geworfen, damit die Schulter nicht einrostet”, erzählt Groetzki. Dem Stillstand mit persönlicher Kurzarbeit hat der Vielspieler auch einen positiven Aspekt abgewinnen können: „Wir konnten lange und gut regenerieren und haben jetzt die große Chance, dass wir in Ruhe und nachhaltig aufbauen können.”

Verstärkung für den Rückraum angemahnt

Denn körperliche Fitness ist mehr denn je vonnöten. Die bevorstehende Saison beginnt nicht nur fünf Wochen später als sonst, sie umfasst auch die Rekordzahl von 38 Bundesliga-Spieltagen. Hinzu kommen für die Nationalspieler die WM, die Olympia-Qualifikation und für die Löwen zudem die Partien in der neuen Europaliga. „Die Belastung wird hoch sein. Wir brauchen da noch Verstärkung für den Rückraum links oder Mitte, um angreifen zu können”, sagt der Rechtsaußen.

Sportlicher Erfolg wichtiger als volles Gehalt

Wie allen Löwen ist auch Groetzki klar, dass die Corona-bedingt angespannte Kassenlage eine weitere Verpflichtung kaum hergibt. Um sie zu realisieren, wollen sie sich einer Gehaltskürzung daher nicht verschließen. Die Mannschaft sei einstimmiger Meinung, dass der sportliche Erfolg wichtiger sei als das volle Gehalt. Und ebenso die Zukunft des Vereins. „Wir alle wollen unseren Teil dazu beitragen, dass es die Löwen auch in zehn Jahren noch gibt”, sagt Groetzki, der sich um seine berufliche Zukunft nicht sorgen muss. Das Job-Angebot steht. „Wenn er seine Karriere beendet hat, kann er gerne bei uns anfangen”, sagt Selinger junior augenzwinkernd: „Er hat Feingefühl und ein gutes Schliffbild.”

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