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40 herrenlose Tiere versorgt

"Katzenstimme Rheinstetten" zeigt Herz - und hat Geldsorgen

Der junge Verein "Katzenstimme Rheinstetten" zeigt Herz: Seit Oktober hat er 40 herrenlose Katzen versorgt und zum Teil zum Tierarzt gebracht. Er ist auf Gemarkung Iffezheim aktiv, bislang ist aber unklar, ob die Gemeinde mitbezahlt.

Ein Herz für Katzen hat Carola Hotzy, Chefin des jungen Vereins "Katzenstimme Rheinstetten". Foto: Garcia

Der junge Verein "Katzenstimme Rheinstetten" kümmert sich um herrenlose Tiere, die durch die Gegend streunen, versorgt sie, schaltet den Tierarzt ein. Die finanziellen Lasten bringen die Tierschützer aber an ihre Grenzen.

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Garcia

Herrenlose Tiere werden für Städte und Gemeinden immer wieder zum Problem. Streunt ein Tier, das ganz offensichtlich kein Wildtier, sondern ein Haustier ist, auf der Gemarkung umher und wird als Fundtier gemeldet, muss die Kommune als Fundbehörde aktiv werden. Das passiert in der Regel in Zusammenarbeit mit Tierschutzvereinen, wie beispielsweise der „Katzenstimme Rheinstetten“.

Seit Oktober 40 Katzen versorgt

Aktuell ist der Verein auf Iffezheimer Gemarkung aktiv, wo sich eine sehr große Population herrenloser Katzen unkontrolliert vermehrt hat. „Seit Oktober wurden dort im Einvernehmen mit der Gemeinde und dem Veterinäramt rund 40 Katzen eingefangen, tierärztlich versorgt, entwurmt, gechipt, geimpft und kastriert “, erzählt Carola Hotzy, Vorsitzende der "Katzenstimme Rheinstetten".

Bislang 3 000 Euro Kosten

Finanziert wurde das durch den Rheinstettener Verein. In welcher Höhe sich Iffezheim nun an den Kosten beteiligen wird, ist indes noch völlig unklar. Eine Tatsache, die dem Verein derzeit Sorgen bereitet. Nahe zu  3000 Euro seien bisher angefallen. Diese Auslagen bringen den noch jungen Verein derzeit an seine Grenzen. Aber: Ob und mit welchem Betrag Iffezheim sich daran beteiligen wird, werde derzeit erst noch geprüft, erklärt Bürgermeister Christian Schmid.

Erschütterndes Bild für die Tierschützer

Anwohner hatten dem Verein mitgeteilt, dass eine große Anzahl herrenloser Katzen im Bereich der Kleingartenanlagen im Spitzweg, entlang der B 500 und bei den Erdbeer- und Spargelhöfen unterwegs seien. Der Anruf kam im September. „Wir sind sofort hingefahren, um uns ein Bild von der Situation zu machen“, erzählt Hotzy. Dieses Bild sei erschütternd gewesen. „Wir kamen abends, es war schon dunkel. Im Scheinwerferlicht waren mindestens 30 bis 40 Katzenaugenpaare allein auf den nächsten 20 Metern zu sehen. Uns war klar: Das ist der Start in ein Mammutprojekt.“ Der Verein nahm am nächsten Tag umgehend Kontakt zur Gemeinde Iffezheim und zum zuständigen Veterinäramt Rastatt auf, um mit einer Fangaktion starten zu können.

Heimatlose Katzen sind ein Problem

„Die Kostenübernahme ist hierbei eine rechtliche Grauzone“, sagt Hotzy. „Denn es gibt zwar den Fundtierauftrag, aber die Definition eines Fundtiers ist in der Praxis immer Auslegungssache. Es gibt also kein Gesetz, in dem steht, dass die Kommune sich an den Kosten beteiligen muss.“ Aber unabhängig vom Tierschutzgedanken liege es ja auch im Interesse der Gemeinde, die Population einzudämmen. „Katzen haben Reviere. Die Population weitet sich aus. Heimatlose Katzen vertreiben Haus und Hofkatzen“, so Hotzy. „Das geht nicht selten mit Verletzungen und Bissen einher. Krankheiten werden übertragen, die teilweise auch für Hunde, andere Tiere und Menschen ansteckend sind. Etwa Giardien, Würmer, Flöhe, Chlamydien und Pilze.“

Streunende Tiere sind oft ausgemergelt

Peter Reith, Leiter des Amts für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung im Landratsamt Rastatt, sieht das genauso. „Manche streunenden Tiere sind oft regelrecht ausgemergelt und werden auch nicht tierärztlich versorgt.“ Bei unkastrierten Tieren sei zudem eine völlig unkontrollierte Vermehrung die Folge. „Ein Katzenpaar bekommt zwei bis drei Mal im Jahr Nachwuchs. Wenn man das hochrechnet, ist man nach zwei bis drei Jahren in den Hunderten.“ Aus diesem Grund empfehle das Veterinäramt betroffenen Gemeinden in solchen Fällen grundsätzlich, aktiv zu werden.

Iffezheim will über Kostenbeteiligung beraten

Bürgermeister Schmid verweist indes darauf, dass es keine rechtlich bindende Grundlage für die Kostenbeteiligung gebe. „Wir sind natürlich sehr dankbar für den Einsatz der "Katzenstimme Rheinstetten" und daran interessiert, zeitnah auch eine einvernehmliche Lösung zu finden, und werden uns auch nochmals zusammensetzen“, erklärt Schmid. Die Gemeinde Iffezheim sei noch sehr erfahrungslos in dieser Thematik. „Wir werden uns hausintern und mit dem Veterinäramt nochmals beraten.“ Schließlich hantiere man hier mit öffentlichen Geldern, da gebe es besonders in solchen rechtlich nicht eindeutigen Fällen einen Rechtfertigungsdruck.

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