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Coronavirus

Keine Gäste wegen Corona: Das Ettlinger Luxushotel "Erbprinz" ist ein Geisterschloss

Die Verwandlung geschah binnen einer Woche. Da wurde aus dem „Erbprinz“, Ettlingens renommiertestem und traditionsreichstem Hotel, ein Geisterschloss. Keine Gäste mehr im Gourmetlokal, keine in der gutbürgerlichen Sibylla-Stube, keine mehr in den rund 120 Zimmern.

Komplett dicht ist der Ettlinger "Erbprinz". 170 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Foto: Bentz

Die Verwandlung geschah binnen einer Woche. Da wurde aus dem „Erbprinz“, Ettlingens renommiertestem und traditionsreichstem Hotel, ein Geisterschloss. Keine Gäste mehr im Gourmetlokal, keine in der gutbürgerlichen Sibylla-Stube, erst recht keine mehr in den mehr als 120 Zimmern.

Wie andere Beherbergungsbetriebe hat das Fünf-Sterne-Haus, seitdem die entsprechende behördliche Anweisung erfolgt ist, komplett geschlossen. „Wir haben den totalen Shutdown seit vorigen Samstag“, erzählt Patron Bernhard Zepf, der trotz Corona-Krise die Stellung im „Erbprinz“ hält.

Auch der Sternekoch hält die Stellung

Nicht allein, sondern mit ein paar seiner Abteilungsleiter, die sich als „Manager on Duty“ im Dienst abwechseln. Darunter auch Spitzenkoch Ralph Knebel, der vor kurzem wieder seinen Michelin-Stern erfolgreich verteidigt hat.

Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so schlimm kommen wird
Bernhard Zepf, Chef des "Erbprinz" in Ettlingen

Bernhard Zepf, seit 1999 für das Luxushotel verantwortlich, erinnert sich an die letzten Stunden, als noch alles gut war: Am Freitag, 20. März, seien bis 18 Uhr die Tische sowohl drinnen als auch auf der gerade geöffneten Terrasse besetzt gewesen.

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„Da haben wir mit der Familie den ersten Spargel vom Simianerhof in Graben genossen.“ 24 Stunden später sei die Stimmung eine andere gewesen. Die Kontaktsperre war verhängt, die Gastronomie erhielt Anweisung, bis auf Weiteres dicht zu machen. Zepf sagt: „Ich habe das kommen sehen, aber nicht damit gerechnet, dass es so schlimm wird.“

Buchungen gingen Knall auf Fall zurück

Was man jetzt erlebe, sei so noch nie da gewesen. Weder nach den Angriffen vom 11. September 2001, noch nach der internationalen Finanzkrise 2008/2009. Schon Anfang März, als die ersten Hiobsbotschaften vom Corona-Ausbruch in Südtirol eintrafen, gingen die Buchungen im „Erbprinz“ Schlag auf Schlag zurück: Familienfeiern („die letzte hatten wir am 7. März“), runde Geburtstage, vor allem aber Seminare und Tagungen von Firmen wurden Knall auf Fall abgesagt.

Nachholtermine seien nicht in Sicht. Das habe den „Erbprinz“ empfindlich getroffen. Denn „der März war extrem gut gebucht“. Und auch für Ostern sei man optimistisch gewesen – vor allem in gastronomischer Hinsicht. Da der Betrieb inzwischen eingestellt ist, hat Bernhard Zepf Kurzarbeit für die Belegschaft beantragt.

Belegschaft macht Kurzarbeit

Im „Erbprinz“ verdienen derzeit 170 Männer und Frauen ihre Brötchen, in Teilzeit und Vollzeit. Außerdem mehr als 20 Azubis, die der Patron jetzt mit Dingen beschäftigt, die zwar nicht direkt zum Ausbildungsplan gehören, aber auch mal erledigt werden müssen. Sie schaffen beispielsweise im Wein- und Spirituosenkeller Ordnung, kümmern sich um die Lagerräume, packen bei der Grundreinigung mit an oder helfen in der Küche mit, wo täglich ein Mittagessen zubereitet wird für diejenigen, die noch im „Erbprinz“ arbeiten.

Bernhard Zepf hat die Stadt Ettlingen wissen lassen, man sei bereit auszuhelfen, wenn sich jemand nicht selbst verpflegen oder einkaufen könne.

Bernhard Zepf sieht den kompletten "Shutdown" in seiner Branche kritisch. Foto: pr

Wie lange kann man so durchhalten?

Bislang hält der 58-jährige Gastronom an seiner Zusage ans „Erbprinz“-Team fest, wonach niemand seinen Job verlieren soll. „Wir brauchen die Menschen ja wieder, wenn die Krise vorbei ist.“ Wie lange sein Versprechen Gültigkeit hat? „Das kann ich derzeit nicht sagen. Ich bin zwar Patron und habe Fürsorgepflichten gegenüber meinen Leuten, aber ich bin auch Unternehmer.“

Er stelle sich schon die Frage („und da bin ich in der Hotellerie nicht allein“), ob es richtig und vor allem „alternativlos“ war, die Wirtschaft lahm zu legen oder ob es nicht mehr Sinn machen würde, nur die Risikogruppen, also vorwiegend Alte und Kranke, abzuschirmen und so zu schützen. Hotellerie und Gastronomie, so Zepf, „sind keine renditestarken Branchen“. Dort würden jetzt mangels Umsätzen Verbindlichkeiten aufgebaut, „von denen wir nicht wissen, wann wir sie wieder abgetragen haben“. Das könne zwei Jahre und länger dauern. „Jede Nacht, die wir nicht verkauft haben, jedes Essen, das bei uns nicht konsumiert wurde, fehlt uns.“

Unterstützung der Schlossfestspiele geplant

Noch hofft Bernhard Zepf, seit nunmehr 31 Jahren selbstständiger Gastronom, dass sich die Corona-Lage entspannt. Wirklich überzeugt, dass es schnell wieder boomt, ist er aber nicht. Die Schlossfestspiele plant er 2020 mit gastronomischen Angeboten im Biergarten und der Lounge vor dem Schloss zu unterstützen. Ansonsten nutzt er die Zwangspause auch dazu, sein neues Projekt, ein Lokal mit Hausbrauerei in Wiesloch, voranzutreiben. Das will er möglichst im November eröffnen.

Erbaut vor 1780, ist der „Erbprinz“ zunächst Poststation. 1788 erhält er eine Schankerlaubnis. Damit schlägt die Geburtsstunde des Gastrobetriebes. 1912 übernehmen ihn Jakob und Julie Gietz, 1934 tritt Sohn Helmuth in die Fußstapfen seines Vaters. Der „Erbprinz“ wird zu der Gastro-Adresse schlechthin. Gekrönte Häupter, Politiker der ersten Reihe und andere Prominente steigen dort ab. Zeitweise hat die Küche zwei Michelin-Sterne, ist damit eines der gastronomischen Flaggschiffe in Deutschland. 1988 wird der 200. Geburstag gefeiert. Zum 1. Januar 1999 verkauft Annemarie Gietz an Heidrun und Bernhard Zepf. Zepf investiert: In Zimmermodernisierung, Tagungsräume, Wellness und eine kleine Ladengalerie. 2004 erhält der „Erbprinz“ die Klassifizierung als Fünf-Sterne-Hotel. Durch einen örtlichen Investor wird 2009 die neun Millionen teure Erweiterung um zusätzliche Zimmer und ein Hallenbad geschultert. Von der Dehoga gibt es 2010 die Auszeichnung „Fünf Sterne Superior“.

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