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Nach dem Lockdown während der Corona-Krise

Kinderbetreuung in Ettlingen verärgert Eltern

„Rückkehr zum Regelbetrieb“ hieß es am 29. Juni in den baden-württembergischen Kitas. Doch vielerorts gelten noch beschränkte Öffnungszeiten. Das stellt vor allem Eltern von Kindern in der Ganztagsbetreuung vor Herausforderungen. Einige ärgern sich, weil sie weiter die vollen Beiträge zahlen müssen.

Ab nach Hause: Wie dieser Vater in der Kita Regenbogen I müssen viele Eltern derzeit früher los, um ihre Kinder abzuholen. Vielerorts sind Öffnungszeiten noch beschränkt. Foto: Julia Trauden

Kitas kehren in den Regelbetrieb zurück: Als diese Nachricht bekannt wurde, war bei vielen Eltern die Erleichterung groß. Ab 29. Juni sollten alle Kinder in Baden-Württemberg wieder regelmäßig ihre Betreuungseinrichtungen besuchen dürfen. Doch von Regelbetrieb sind zahlreiche Kitas auch jetzt, zweieinhalb Monate später, noch entfernt. Vielerorts sind die Öffnungszeiten noch beschränkt. Das ärgert Eltern, die weiter ihre vollen Beiträge zahlen.

Sie sollten zumindest die Beiträge kürzen, wenn sie die Öffnungszeiten reduzieren.
Eine Mutter aus Ettlingen

Noch schaffe sie es, ihre vierjährige Tochter jeden Tag um 15.30 Uhr am Kindergarten St. Theresia abzuholen, sagt eine 38-jährige Ettlingerin, die namentlich lieber nicht genannt werden möchte. Aber wenn sie, wie geplant, im September eine Ausbildung beginne, dann könne sie das nicht mehr leisten. „Ich arbeite vormittags, die Ausbildung kann ich also nur abends machen“, erklärt sie. Ihr Mann könne die Tochter auch nur am Abend abholen.

Sollte der Kindergarten im September immer noch nur bis 15.30 Uhr statt bis 17.30 Uhr geöffnet haben, bleiben zwei Optionen: Entweder sie bezahlt zusätzlich zum Kindergarten eine private Betreuung oder sie lässt die Ausbildung sausen. „Ich bin echt sauer“, sagt die Frau, „sie sollten zumindest die Beiträge kürzen, wenn die Öffnungszeiten reduziert sind.“

Ursachen sind auch Fachkräftemangel und Krankheitsfälle

Der Kindergarten St. Theresia ist nicht der einzige in Ettlingen, der seine Öffnungszeiten beschränkt hat. Gründe sind zum einen die Corona-Auflagen, zum anderen Fachkräftemangel, Krankheitsfälle und der Ausfall von Mitarbeitern, die zur Risikogruppe zählen. Letzteres ist der Fall in allen sieben Kindergärten unter dem Dach der katholischen Seelsorgeeinheit Ettlingen Land, erklärt Isabell Hänle von der Verrechnungsstelle für Katholische Kirchengemeinden in Durmersheim. Deshalb müssten in der Ganztagsbetreuung auch dort Einschnitte gemacht werden, allerdings nur zwischen 30 Minuten und einer Stunde. „Das wird je nach Einrichtung individuell gehandhabt.“

Einheitlich gehandhabt würden aber die Elternbeiträge – und zwar in ganz Ettlingen. Die Träger hätten sich untereinander abgestimmt, die vollen Beiträge zu erheben, erklärt Hänle. Das bestätigt die Kindergartenbeauftragte der Stadt, Sabine Weinmann. „Die Personalkosten in den Kitas sind ja weiter da“, nennt sie den Grund. Außerdem sei in den Verträgen der Einrichtungen mit den Eltern geregelt, dass Beiträge auch weiter erhoben werden können, wenn es etwa wegen Krankheitsfällen, Fachkräftemangels oder behördlicher Anordnungen zu Einschränkungen oder gar zur vorübergehenden Schließung kommt.

Auch die beiden Regenbogen-Kitas der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Ettlingen haben ihre Öffnungszeiten reduziert. Hauptursache sei die Langzeiterkrankung von drei Mitarbeitern, erklärt der Kita-Beauftragte der AWO, René Asché. Statt bis 17.30 Uhr werden die Ganztageskinder im Regenbogen I nur noch bis 15.30 Uhr betreut, im Regenbogen II bis 16 Uhr. Die Betreuung innerhalb der verlängerten Öffnungszeiten geht bis 14 Uhr, wie vor Corona.

Kita-Gruppen dürfen sich nicht mischen

Die katholische Kindertagesstätte Sternenzelt in Ettlingen-West hat vor drei Wochen sogar zum zweiten Mal die Öffnungszeiten kürzen müssen, berichtet Leiterin Martina Gißler. Vor der Corona-Zeit wurden die Ganztagesgruppen von 7 bis 17 Uhr betreut, aktuell nur noch von 7.15 Uhr bis 16 Uhr. Innerhalb der verlängerten Öffnungszeiten läuft die Betreuung statt von 7.45 Uhr bis 14 Uhr von 8 bis 13.30 Uhr. Die Gründe für die Kürzungen? „Unbesetzte Stellen und Langzeiterkrankungen“, sagt Gißler als erstes. Und dann bedeuteten die Corona-Auflagen einen zusätzlichen Personalaufwand. Konnten bisher in den Randzeiten Gruppen zusammen betreut werden, braucht jetzt jede Gruppe einen eigenen Betreuer – die Kinder dürfen sich nicht mischen. Auch können die Erzieherinnen nicht einfach so eine Kollegin in einer anderen Gruppe vertreten.

Wenn jemand krank geworden wäre, hätte es nicht geklappt. Das stand Spitz auf Knopf.
Lina Müller Leiterin Freier Kindergarten Ettlingen

Anderswo läuft es besser: Im Städtischen Kindergarten in Schluttenbach gelten die gleichen Öffnungszeiten wie vor der Corona-Krise, erklärt die städtische Kindergarten-Beauftragte Weinmann. Dort gebe es keine Probleme, weil nur eine Gruppe betreut werde und somit keine Überschneidungen passieren könnten.

Auch der Freie Kindergarten Ettlingen ist bei den Öffnungszeiten wieder auf Vor-Corona-Niveau. Dafür habe man aber auf der pädagogischen Seite Abstriche machen müssen, berichtet Leiterin Lina Müller. Ausflüge fielen etwa flach. Außerdem, so Müller weiter, mussten ihre Mitarbeiter in Teilzeit viele Überstunden leisten, um die Betreuungszeiten einzuhalten. Acht Erzieherinnen und Erzieher arbeiten im Freien Kindergarten, nur drei davon in Vollzeit. Von den Vollzeitkräften zähle einer zur Risikogruppe und konnte seine Kollegen nur aus dem Homeoffice unterstützen. „Wenn jemand krank geworden wäre, hätte es nicht geklappt“, räumt Müller ein, „das stand Spitz auf Knopf“.

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