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I hätt do mol e Frog

Kommt ein Nachtfahrverbot für Lkw in Schöllbronn?

Björn Basler aus Schöllbronn will zusammen mit anderen Bürgern etwas tun gegen den Lkw-Lärm in der Schluttenbacher Straße. Eine Möglichkeit sehen sie in einem Lkw-Fahrverbot.

Die Lkw rauben ihm den Schlaf: Björn Basler steht an der Schluttenbacher Straße in Schöllbronn, auf der viele Schwerlaster zwischen Ettlingen und dem Albtal passieren. Aktuell gilt dort Tempo 30 – aber nur bis die Straßenschäden behoben sind. Foto: Julia Trauden

Wenn die Schwerlaster in den frühen Morgenstunden durch die Schluttenbacher Straße in Schöllbronn fahren, wird Björn Basler regelmäßig aus dem Schlaf gerissen. Gegen 4 Uhr geht es immer los, erzählt er, zehn bis 15 Laster seien es jeden Tag. „Das Allerschlimmste ist das Scheppern der Auflieger bei den leeren Lkw“, sagt der 40-Jährige.

Basler wohnt zwar nicht direkt an einer der Hauptdurchfahrtsstraßen Schöllbronns, sondern in der abzweigenden Johann-Breuer-Straße. Doch der Lärm dringt über die Luftlinie bis zu seinem Haus durch, in dem er mit seiner Frau und den beiden zwei- und fünfjährigen Kindern lebt: „Wir können im Sommer die Fenster nicht auflassen“, sagt der Lehrer.

Schwellenwert für Lärmschutz nicht erreicht

Basler ist nicht der einzige Anwohner, dem die schweren Gefährte unruhige Nächte bereiten. Zusammen mit einer Interessengemeinschaft aus rund 40 Bürgern hat er schon versucht, eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 durchzusetzen, um den Lärm zu verringern.

Allerdings waren die Werte einer Lärmmessung, die die Stadt im Zusammenhang mit der Erstellung eines Lärmaktionsplans initiiert hatte, dafür zu niedrig. Als Schwellenwert für Maßnahmen ist im kommunalen Lärmaktionsplan 2014 eine Belastung von 70 Dezibel in der Nacht und 60 Dezibel am Tag festgelegt.

Das entspricht den Richtlinien des baden-württembergischen Verkehrsministeriums. 2019 wurde der Lärmaktionsplan von 2014 noch einmal überprüft, berichtet der Leiter des Ettlinger Ordnungsamtes, Kristian Sitzler. „Dabei wurden aber wieder keine Lärm-Hotspots in Schöllbronn festgestellt.”

Das liegt vielleicht auch an den Straßenschäden
Björn Basler, Anwohner in Schöllbronn, über Lärm trotz Tempo 30

Aktuell gilt wegen Straßenschäden Tempo 30 in dem Teil der Schluttenbacher Straße, in dem Basler Anlieger ist. Leiser geworden ist es dadurch allerdings nicht, sagt er. „Das liegt vielleicht auch an den Straßenschäden.“ Nächstes Jahr soll die Fahrbahndecke erneuert werden. Danach wird die Maximalgeschwindigkeit vermutlich wieder auf die innerorts üblichen 50 Stundenkilometer angehoben.

Tonnage-Beschränkung wurde abgelehnt

Basler und seine Mitstreiter überlegen nun, ob ein Nachtfahrverbot für Lkw möglich wäre. „Der Gedanke ist durchaus prüfwürdig“, sagt der Schöllbronner Ortsvorsteher Steffen Neumeister. Allerdings sieht er die Chancen eher gering.

In der Moosbronner Straße in Schöllbronn, wo Anwohner ebenfalls über Lärm geklagt hatten, habe man vor Jahren versucht, das Maximalgewicht der passierenden Fahrzeuge auf 7,5 Tonnen zu begrenzen. Die sogenannte Tonnage-Beschränkung wurde abgelehnt mit der Begründung, dass die Landesstraße für die Wirtschaftsbetriebe in der Region eine wichtige Querverbindung sei.

In der Abwägung zwischen der Bedeutung der Straße für die Unternehmen und der Belastung der Anwohner haben die Schwerlaster gewonnen.

Landratsamt: Nachtfahrverbote sind „die absolute Ausnahme“

Nach Angaben des Landratsamts sind Nachtfahrverbote für Lkw „die absolute Ausnahme (...) weil entsprechende Verbote üblicherweise generell, das heißt ‘rund um die Uhr’ angeordnet werden“. In den vergangenen Jahren sei im Landkreis lediglich ein Nachtfahrverbot in Karlsdorf-Neuthard eingeführt worden.

Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Tempo 30 seien generell das Mittel der Wahl, um Lkw-Lärm erfolgreich gemeinsam mir Städten und Gemeinden zu bekämpfen. Zur Schluttenbacher Straße, die als Kreisstraße klassifiziert ist, will sich das Landratsamt nicht konkret äußern: „Wir weisen darauf hin, dass die Großen Kreisstädte selbst untere Straßenverkehrsbehörde sind, weshalb wir für diese keine Aussage treffen können.“

Verkehrsbelastung ist kein Grund für Tempolimit

Neben dem Lärmschutz gebe es weitere Gründe, um das Tempo auf 30 Stundenkilometer zu begrenzen, sagt Kristian Sitzler. Dies sei aber nur für bestimmte Streckenabschnitte möglich. Auf Hauptverkehrsstraßen wie der Schluttenbacher Straße müsse dazu eine Gefahrenlage vorliegen, die etwa durch hohe Unfallzahlen oder Straßenschäden belegt wird. Auch im Bereich von Altenheimen, Schulen oder Kindergärten sei eine Beschränkung auf Tempo 30 zur Gefahrenreduzierung möglich.

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