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Büffeln im Eichendorff-Gymnasium

Lernbrücken wegen Corona: Was Schüler in Ettlingen vom Unterricht in den Ferien halten

Ob Lernen in den Ferien Spaß macht? Da drücken sich die Achtklässler, die die „Lernbrücke” im Eichendorff-Gymnasium besuchen, um die Antwort. Aber sie machen tapfer mit beim „Nachhilfe”-Angebot des Kultusministeriums.

Büffeln während der Ferien: In der „Lernbrücke” im Eichendorff-Gymnasium gibt es Unterricht in Englisch wie hier für Achtklässler bei Karolin Rabey. Foto: Heidi Schulte-Walter

Ob Lernen in den Ferien Spaß macht? Da können sich die 14 Achtklässler, die in vorgeschriebenem Abstand voneinander in einem Klassenzimmer des Ettlinger Eichendorff-Gymnasiums vor ihren Heften sitzen, ein Lachen nicht verkneifen. Um eine Antwort drücken sie sich herum.

„Mein Zeugnis war halt schlecht”, sagt Jeremy, der an diesem Vormittag gerade 60 Minuten Mathematikunterricht bei Lehrer Anselm Braklage hinter sich hat. Jeremy nimmt wie die anderen Jungen und Mädchen an der „Lernbrücke” teil, einem Angebot an Lern- und Förderkursen in den letzten beiden Sommerferienwochen.

Kultusministerium rief das Angebot ins Leben

Das Kultusministerium Baden-Württemberg hat es als Konsequenz aus der Corona-Krise ins Leben gerufen. Lerndefizite, die während der Schulschließungen entstanden sind, sollen so abgebaut werden. Mehr als 60.000 Schülerinnen und Schüler im Südwesten haben sich für den frühen Start ins neue Schuljahr angemeldet, zentraler Unterrichtsort in Ettlingen ist das Eichendorff-Gymnasium.

Dort holen derzeit nicht nur eigene Schülerinnen und Schüler der Klassen sechs bis neun Stoff nach, den sie versäumt haben, sondern auch junge Leute der Klassenstufen fünf bis acht aus der Wilhelm-Lorenz-Realschule und der Anne-Frank-Realschule.

Meine Eltern wollten, dass ich hier mitmache.
Fergan, achte Klasse

Einer der Achtklässler aus der Anne-Frank-Realschule ist Fergan, der erzählt, dass es vor allem im Fach Mathe bei ihm klemmt und die Eltern wollten, „dass ich hier mitmache”. Drei Stunden am Tag seien ja „überschaubar”; er habe in den Ferien nichts mehr vor, sei schon weg gewesen.

Ekrem aus der Wilhelm-Lorenz-Realschule, der wegen Problemen in Deutsch die „Lernbrücke” besucht, findet, „dass es ganz gut läuft”. Man müsse ja zum Glück „nicht noch Hausaufgaben machen.” Sowohl Fergan als auch Ekrem freuen sich auf den Schulstart Mitte September und darauf, wieder mit Klassenkameraden zusammen zu sein. Das Homeschooling haben sie satt.

Unterricht in den Kernfächern

Insgesamt knapp 50 Schülerinnen und Schüler aus den beiden Ettlinger Realschulen und in etwa genauso viele aus dem Eichendorff-Gymnasium nutzen das Förderangebot.

Es bezieht sich auf die Kernfächer Englisch, Deutsch und Mathematik, für die Gymnasiasten gibt es zusätzlich Latein und Französisch. Die Gruppen sind nicht größer als maximal 16 Schüler, was eine individuelle Förderung ermöglicht.

Die Suche nach Lehrern war nicht einfach

Susanne Stephan, Leiterin des Eichendorff-Gymnasiums, berichtet davon, dass „der Vorlauf für die Lernbrücke relativ knapp war”. Daher sei es auch nicht ganz einfach gewesen, die entsprechenden Lehrkräfte aus dem Kollegium oder Referendare zu finden. „Masterstudenten hätten wir bekommen, aber das ging gemäß Vorgaben des Kultusministeriums nicht”, bedauert Stephan.

Gefordert gewesen sei ein erstes Staatsexamen. Die Gymnasiasten werden jetzt von vier Pädagogen aus ihrer Schule unterrichtet, zudem sind zwei Referendare mit von der Partie. Die beiden Realschulen haben ihre eigenen Lehrkräfte geschickt.

Man kann auf individuelle Fragen eingehen.
Anselm Braklage, Mathematiklehrer

Für Karolin Rabey, die nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Toronto als Englischlehrerin ans Eichendorff kommt, ist die „Lernbrücke” eine gute Gelegenheit, einige Schüler und Kollegen schon mal vor dem offiziellen Schulstart kennenzulernen. Sie wiederholt mit den jungen Leuten Grammatik, lässt sie Texte lesen und schreiben.

Das ganze nur in Englisch, Deutsch wird während der 60 Minuten nicht gesprochen. Derweil wiederholt Mathe-Lehrer Anselm Braklage mit seinen Achtklässlern im benachbarten Klassenzimmer, wie man Gleichungen löst und andere elementare Dinge in seinem Fach bewältigt.

Die „Lernbrücke” im Corona-Jahr ist aus seiner Sicht sinnvoll, „weil die Schülergruppen klein sind und man daher auf individuelle Fragen eingehen kann”. Eine seiner Schülerinnen ist Brenda aus Malsch, die für ein wenig Nachhilfe in Mathematik dankbar ist. Natürlich wäre sie in den Schulferien lieber nach Amerika, wie es ursprünglich geplant war, „aber das ging ja nicht.” Also dann eben büffeln.

Die Reaktion vieler Eltern und Schüler ist positiv

Schulleiterin Stephan erzählt, dass das „Lernbrücken”-Angebot für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler von gut zwei Dritteln der Angesprochenen und ihren Eltern positiv aufgenommen wurde: „Einige junge Leute interessierten sich auch von sich aus. Wenn Plätze verfügbar waren, haben wir sie natürlich auch zugelassen.”

Fürs Eichendorff als zentraler Anlaufpunkt sei im Vorfeld allerhand zu organisieren gewesen: Von der rechtzeitigen Reinigung der betreffenden Klassenräume bis zum (Auf)schließdienst.

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