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Vorgezogene Schließung am 16. Dezember

Vorgezogene Schulschließung: Vorsitzende des Gesamtelternbeirats spricht von einer „Katastrophe“

Für einige Schüler haben am 16. Dezember die vorgezogenen Ferien begonnen, andere wechseln in den Fernunterricht. Dass dafür nicht überall ausreichend Geräte zur Verfügung stehen, kritisiert die Vorsitzende des Ettlinger Gesamtelternbeirats. Außerdem fürchtet sie, dass manche den Anschluss verlieren werden.

In Weihnachtsstimmung: Mit Schneeflocken und einem Tannenbaum bemalen diese Fünftklässler die Tür ihrer Klassenzimmers in der Anne-Frank-Realschule am letzten Schultag vor dem Lockdown. Foto: Julia Trauden

Als die Pause zu Ende ist, strömen die Schüler von allen Seiten in das Gebäude, das sich die Anne-Frank-Realschule und das Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) teilen. Stimmengewirr erfüllt das Foyer, Turnschuhe trappeln über die grauen Fliesen, die Schüler schnappen sich ihre Rucksäcke und Turnbeutel und verteilen sich auf die Klassenzimmer. Es ist der letzte Tag vor der vorgezogenen Schulschließung und es ist fast alles wie immer. Aber nur fast.

Realschüler schreiben vorgezogene Prüfungen

Die zwölfjährige Nora, die die siebte Klasse an der Anne-Frank-Realschule besucht, hat heute eine Englisch-Arbeit geschrieben, die eigentlich erst am Freitag geplant war. Wegen der Schulschließung wurde sie vorgezogen. Das gleiche Schicksal traf den 15-jährigen Pascal, ebenfalls Realschüler: Er musste die Mathe-Klausur früher als gedacht ablegen und ist weniger begeistert – ein paar Tage zur Vorbereitung hätte er gut gebrauchen können, sagt er.

Für ihn beginnen am Mittwoch nicht wie für Nora die Ferien, sondern der Fernunterricht. Dieser ist für die 118 Realschüler in den Abschlussklassen bis einschließlich 22. Dezember Pflicht. Am Gymnasium sind ab Mittwoch laut Schulleiter Helmut Obermann rund 200 Schüler und zwei Drittel der Lehrerschaft im Fernunterricht.

Ich hätte es schon früher gemacht.
Sofia (16) zu den Schulschließungen

Für die vorzeitige Schulschließung haben die Schüler Verständnis: „Ich hätte es schon früher gemacht“, sagt sogar die 16-jährige Sofia. Und Siebtklässlerin Nora ist froh, dass sie Weihnachten jetzt entspannter mit ihrer Familie feiern kann, „weil die Ansteckungsgefahr kleiner ist“, sagt sie. „Die Situation ist an sich schwierig, aber ich finde es gut, dass wir zumindest Fernunterricht haben“, meint Zwölftklässlerin Stefanie, „sonst hätte ich mir wirklich Sorgen um mein Abitur gemacht“.

Reges Treiben im Foyer: Ein letztes Mal in diesem Jahr strömen die Schüler am Dienstag nach der Pause in das Gebäude der Anne-Frank-Realschule und des Albertus-Magnus-Gymnasiums. Ab 16. Dezember sind die Schulen für den Präsenzunterricht geschlossen. Foto: Julia Trauden

Am Dienstag hat die 18-Jährige noch einen vollen Stundenplan. Chemie, Latein, Biologie und Sport stehen auf dem Programm, um 17 Uhr ist Feierabend. Zwei Klausuren in Mathe und Biologie mussten bei ihr auf Januar verschoben werden.

Nehmt heute alles mit, was euch gehört, damit ihr von zuhause arbeiten könnt.
Ein Lehrer am letzten Schultag zu seiner Klasse

Ob die Schulen tatsächlich wie angekündigt am 11. Januar wieder öffnen, darüber sind sich die Lehrer derweil gar nicht so sicher. „Nehmt heute alles mit, was euch gehört, damit ihr von zuhause arbeiten könnt, falls ihr länger zuhause bleiben müsst“, erklärt ein Pädagoge seinen Sechstklässlern im ersten Stock des Schulgebäudes. Im Idealfall sehe man sich nach den Ferien im Klassenzimmer wieder, im „Extremfall“ dann eben in der Videokonferenz.

Fünftklässler planen Online-Weihnachtsfeier

Während einige der älteren Schüler am letzten Schultag noch reguläre oder vorgezogene Prüfungen schreiben, geht es bei den Kleineren vor allem um Organisatorisches. Eine Lehrerin bespricht mit ihren Fünftklässlern den Ablauf einer Online-Weihnachtsfeier per Videokonferenz, in der eine Schülerin auf der Blockflöte vorspielen und ein Mitschüler Zaubertricks vorführen will. Ihre Kollegin Gudrun Jooß bemalt mit ihrer fünften Klasse die Tür des Klassenzimmers. Die Schülermitverantwortung hat einen Wettbewerb ausgelobt, wer die schönste gestaltet.

Elternvertreterin empfindet vorgezogene Schulschließung als „Katastrophe“

Weniger entspannt als die Schüler sieht Seher Conzen die vorgezogene Schulschließung. Sie empfinde die Maßnahme als „Katastrophe“, sagt die Vorsitzende des Ettlinger Gesamtelternbeirats. „Das ist vom Kultusministerium nicht weiter gedacht.“ Bei vielen Schülern hätten sich bereits durch das Homeschooling im ersten Lockdown Lücken aufgetan, und die würden jetzt größer. Eltern hätten nicht immer die Zeit oder die Kenntnisse, um mit dem Lernstoff zu helfen.

233 Notebooks hängen in China fest

„Einzelne buchen schon privaten Englischunterricht, weil sie sonst nicht mehr mitkommen.“ Auch hätten nicht alle Kinder Zugriff zur Geräten für den Digitalunterricht, die den Eltern versprochen worden seien. Weil es in China Lieferprobleme gebe, seien 233 georderte Notebooks noch nicht da, räumt Helmut Obermann ein, der nicht nur Chef des AMG ist, sondern auch geschäftsführender Schulleiter von Ettlingen. Leider könnten daher noch nicht alle Schulen versorgt werden.

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