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Erste Zahlen vielversprechend

Logistikriese testet in Karlsruhe Zustellung per Lastenrad

Paketzustellung in Innenstädten – da kommt wenig Freude auf. Enge Straßen, Lärm- und Feinstaubbelästigung für Anwohner, dazu die schwierige Parkplatzsuche. Geht‘s auch anders? Ja, sagen die Verantwortlichen bei Dachser in Malsch, die in einem Pilotversuch in Karlsruhe auf „emissionsfreie Zustellung“ setzen.

An eine Rikscha erinnert das Lastenrad von Dachser, mit dem Thomaz Kudley Pakete im Stadtgebiet von Karlsruhe umweltfreundlich zustellt. Foto: hei

Paketzustellung in Innenstädten – da kommt oft  wenig  Freude auf. Enge Straßen, Lärm- und Feinstaubbelästigung für Anwohner, dazu die schwierige Parkplatzsuche. Geht‘s auch anders? Ja, sagen die Verantwortlichen bei Dachser in Malsch, die in einem Pilotversuch  in Karlsruhe auf „emissionsfreie Zustellung“ setzen.

Partner des Speditions- und Logistikunternehmens ist Radkurier Karlsruhe. Die Firma in der Südstadt ist seit 2012 am Start, beschäftigt inzwischen 25 Mitarbeiter als Teilzeitkräfte und Mini-Jobber. Ihr Geschäft: „Expresszustellungen per Fahrrad innerhalb von 45 und 90 Minuten nach Auftragseingang im ganzen Stadtgebiet von Karlsruhe “, sagt Mitinhaber Uwe Schatz.

Außerdem  kümmert sich Radkurier um Postabholung und - anlieferung, inklusive Frankierservice, Zustellung von Personalausweisen an Bürgerinnen und Bürger im Auftrag der Stadtverwaltung und diverse andere Dienstleistungen. Kunden sind Banken, Freiberufler, Einzelhändler, aber auch Labore, die Eiliges zu erledigen haben.

Global Player besorgt sich E-Lastenrad

Und seit einiger Zeit eben Dachser, ein Global Player in Sachen Transport und Logistik. Am Standort Malsch beschäftigt er 600 Mitarbeiter. Er bewirtschaftet ein 240.000 Quadratmeter großes Grundstück und setzt jährlich rund 120 Millionen Euro um. Anlieferungen und Abfahrten dort erfolgen rund um die Uhr.

Wir suchten einen Partner, auf den wir uns verlassen können
Jonas Walter, Projektleiter bei Dachser

Dachser suchte für sein Projekt "nachhaltige City Distribution“ einen regionalen Partner „mit Kompetenz und Erfahrung, auf den wir uns verlassen können“, sagt  Projektleiter Jonas Walter. Das Unternehmen fand ihn im Radkurier. In Verhandlungen wurde man sich einig. Der Logistiker beschaffte sodann das elektrisch unterstützte Lastenrad.

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Mehrere hundert Andockstationen für 40 Tonner hat der Logistikriese Dachser in Malsch. Foto: hei

Es ist ein schwarzes Pedelec, „das an eine Rikscha erinnert und das sich auch so ähnlich fährt“, berichtet Tomaz Kudley. Seit eineinhalb Jahren ist er als Auslieferer auf zwei Rädern unterwegs. Bis zu 20 Kilometer in der Stunde sei das gegen Wind und Wetter einigermaßen geschützte Gefährt schnell.

Akku hat 70 Kilometer Reichweite

Der Akku reicht  für 70 Kilometer. „Einen Ersatz habe ich immer an Bord.“ Der Strom, mit dem Dachser die Akkus füttert, stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien, lässt General Manager Bernd Großmann wissen.

In den gelben Fahrrad-Anhänger mit der blauen Aufschrift kann man  Päckchen und Paketen bis zu einem Gesamtgewicht von 250 Kilo laden. Und das funktioniert so: Praktisch jeden Tag setzt sich gegen 7.30 Uhr von der Dachser-Niederlassung in Malsch aus ein Transporter in Bewegung mit Sendungen für Karlsruhe.

Am so genannten „Microhub“, einer kleinen Verteilstation nahe der Firma Radkurier, nehmen deren Beschäftigte die Waren entgegen, sortieren sie danach, was in welchem Stadtteil zugestellt werden soll und bestücken dann den Anhänger. Sobald das erledigt ist, startet die Pedelec-Tour durch Karlsruhe.

In Karlsruhe kommt man gut voran
Thomas Kudley, Mitarbeiter bei Radkurier

Kudley sagt, dass er dort gut vorankommt, denn zum einen gebe es ein engmaschiges Radwegenetz, zum anderen seien die meisten Strecken in der Ebene, führten eher selten in Höhenstadtteile. Und an den Ampeln sei er fast immer als Erster weg. „Mal bleibt‘s am Tag bei einer Ausfahrt, mal schließt sich gleich eine weitere an“, erzählt Uwe Schatz.

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Kein Paket, das via Elektrorad befördert wird, dürfe mehr als 31,5 Kilo wiegen, weil das die Obergrenze dessen ist, was ein Zusteller noch zum Empfänger tragen kann.

Erste Zahlen zur Kooperation Dachser – Radkurier klingen vielversprechend: So kam das Lastenrad im vorigen Jahr auf eine Zuladung von 22 Tonnen, was in etwa dem Gewicht von 19 VW Golf entspricht. Bernd Großmann sagt dazu: „Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden“. Das Angebot auf andere Städte, beispielsweise das benachbarte Ettlingen, auszuweiten, zieht er derzeit aber nicht in Betracht. „Die Zahl der Sendungen, die regelmäßig dorthin gehen, ist dafür zu gering.“

Logistikunternehmen hofft auch auf Imagegewinn

Für Karlsruhe, wo Dachser bis zum Umzug nach Malsch 2013 seine Niederlassung hatte, habe man vorab eine Analyse gemacht und sei zu dem Ergebnis gekommen, der Einstieg in die emissionsfreie Zustellung könne dort sinnvoll sein. Auch und vor allem unter dem Gesichtspunkt Imagegewinn für die Logistikbranche.

Rückblick:

Für die Zukunft plant Dachser nicht mit einem weiteren Pedelec zur Unterstützung des Radkuriers, sondern mit einem vollelektrisierten 7,5 Tonner, um so die Anlieferung von Sendungen von Malsch zur Verteilstation umweltfreundlicher zu gestalten als bisher. Großmann: „Auf diesen Lkw warten wir seit Monaten, da er aber nicht in Serie produziert wird, kann es noch dauern,bis er an den Start geht.“

Dachser Transport und Logistik ist seit 2013 im Malscher Industriegebiet an der Autobahn 5 ansässig. Zuvor hatte das 1973 unter dem Namen SWS gegründete Unternehmen jahrzehntelang seinen Sitz un der Karlsruher Ottostraße. 1975 stieg Dachser mit 51 bei der SWS ein. Da sich Transport und Logistik immer mehr zu der Wachstumsbranche schlechthin entwickelten, es in Karlsruhe aber keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr gab, suchten die Entscheider nach Flächen im Umland. Mitte der 2000er Jahre fiel die Wahl auf Malsch, wo Grund und Boden erworben wurden. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit, während der 25 Millionen Euro investiert wurden, zog die Dachser-Niederlassung Karlsruhe im Dezember 2012 komplett um nach Malsch um Der Name änderte sich sodann in Dachser Logistikzentrum, SWS verschwand aus dem Namen. Beim Start in Malsch waren es 460 Beschäftigte, deren Zahl inzwischen auf 600 angestiegen ist. Auf dem Gelände, das ans Muggensturmer Gewerbegebiet grenzt, stehen nach einer neuerlichen Erweiterung 2018/2019 drei Warehouses; es gibt insgesamt knapp 200  Andockstationen für 40 Tonner. Dachser ist ein 1930 in Kempten im Allgäu gegründetes Familienunternehmen in nunmehr dritter Generation. Weltweit hat es knapp 400 Niederlassungen und beschäftigt über 30 000 Mitarbeiter, zirka 45 Prozent davon in Deutschland. Der Umsatz betrug 2019 knapp sechs Milliarden Euro.

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