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Kinderbetreuung

Elternbeiträge in Malsch werden nicht erhöht

Um die Eltern in der Corona-Zeit nicht noch mehr zu belasten, lehnt die Mehrheit im Malscher Gemeinderat die Erhöhung der Elternbeiträge um 1,9 Prozent respektive drei Prozent ab. Einig war man sich, dass die Einrichtung eines Waldkindergartens in Malsch eine gute Idee sei.

Baustelle Kinderbetreuung: Die Kosten für Kitas und Kindergärten in Malsch steigen. Eine Erhöhung der Elternbeiträge lehnt die Mehrheit des Malscher Gemeinderates jedoch ab. Foto: Rolf Vennenbernd picture alliance/dpa

Obwohl die Kosten für die Kinderbetreuung kontinuierlich steigen, hat sich die Mehrheit im Malscher Gemeinderat gegen eine stärkere finanzielle Beteiligung der Eltern ausgesprochen. Die Verwaltung hatte eine Erhöhung der Elternbeiträge um durchschnittlich 1,9 Prozent oder um drei Prozent zum Januar 2021 vorgeschlagen. Das wäre einer monatlichen Kostensteigerung pro Kind zwischen einem und 14 Euro gleichgekommen.

Ein Rechenbeispiel: Für die Ganztagsbetreuung im Kindergarten Regenbogen in Völkersbach zahlen Eltern für das erste Kind zwischen drei und sechs Jahren derzeit 209 Euro. Bei einer Erhöhung um 1,9 Prozent wären es 213, bei drei Prozent 215 Euro. Für das erste Kind unter drei Jahren berechnet die Kita aktuell 418 Euro, bei einer Erhöhung müssten sie künftig 426 Euro (1,9 Prozent) oder 430 Euro (drei Prozent) zahlen.

Verwaltung will höheren Kostendeckungsgrad

Mit der Gebührenerhöhung wollte die Gemeinde auch eine höhere Kostendeckung erreichen: Gemeindetag, Kirchen und Fachverbände empfehlen einen Kostendeckungsgrad von 20 Prozent durch Elternbeiträge. In Malsch liegt er nach Angaben des Kämmerers Harald Becker etwa bei zehn Prozent.

Die Familie muss unterstützt werden.
Simon Rauch CDU-Fraktion

Eine Beitragserhöhung wollten 14 der 22 Räte den Eltern in der für viele ohnehin schon schwierigen Corona-Zeit nicht zumuten. „Im Moment ist kein Raum für eine Erhöhung da“, sagte Veronika Wehr-Schwander (SPD), zumal von den Eltern weiter eine hohe Flexibilität erwartet werde.

Als Corona-Vorsichtsmaßnahme werde etwa empfohlen, Kinder mit Erkältungssymptomen nicht in den Kindergarten zu bringen. „Die Familie muss unterstützt werden“, begründete Simon Rauch (CDU), warum seine Fraktion die Beitragserhöhungen ablehnt, und Susanne Toball (BfU/Grüne) erklärte: „Wir sehen auch, dass die Familien stark belastet sind in der Corona-Krise.“ Einer Gebührensteigerung stimme ihre Fraktion daher nicht zu.

Prinzipiell wären die drei Prozent sinnvoller, aber wir sehen auch, dass Familien in einer schwierigen Lage sind.
Jahn Beichel Freie-Wähler-Fraktion

Für eine Erhöhung der Beiträge um 1,9 Prozent sprachen sich dagegen Manfred Ochs vom Bündnis „Für Völkersbach“ und die Freien Wähler aus. Diese wäre ein „Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit, Kostendeckungsgrad und Belastung der Eltern“, sagte Jahn Beichel (Freie Wähler). „Prinzipiell wären die drei Prozent sinnvoller, aber wir sehen auch, dass Familien in einer schwierigen Lage sind.“ Einige hätten beispielsweise immer noch Einkommensausfälle durch Kurzarbeit.

Waldkindergarten mit maximal 20 Kindern

Von allen für gut befunden wurde indes die Idee, einen Waldkindergarten in Malsch einzurichten. Die Freien Wähler hatten einen Antrag dazu in der Sitzung eingebracht. Der Waldkindergarten könnte laut Verwaltung etwa in einer beheizbaren Hütte oder einem Bauwagen eingerichtet werden und würde sich für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintrittsalter eignen. Die maximale Gruppengröße läge bei 20 Kindern.

Übernimmt die Gemeinde selbst die Trägerschaft, lägen die Kosten bei jährlich rund 187.000 Euro und bei fremder Trägerschaft bei rund 122.000 Euro, führte Michaela Hummel, die Leiterin der Personalabteilung, aus. Sie habe auch bereits Kontakt zu zwei Trägern aufgenommen. Beide könnten pro Tag eine Betreuungszeit von sechseinhalb Stunden anbieten bei maximal 20 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren.

Bedarf nach Kleinkindbetreuung wächst stetig

Durch einen Waldkindergarten könnten zudem mehr Kapazitäten für Unter-Dreijährige in anderen Betreuungseinrichtungen geschaffen werden, hob Veronika Wehr-Schwander hervor.

Für diese wächst der Bedarf stetig, wie die vom Gemeinderat ebenfalls einstimmig beschlossene Kindergartenbedarfsplanung für die Jahre 2020 bis 2023 zeigt. Demnach fehlen im Kindergartenjahr 2020/21 insgesamt 13 Plätze in der Kleinkindbetreuung, bis 2023 sind es 16.

Den Bedarf will die Gemeinde durch die Ausweitung bestehender Angebote wie dem Tageselternverein und der „Zwergenstube“ auffangen. Ein Kindergarten-Neubau sei „aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu favorisieren“, heißt es in der Gemeinderatsvorlage. Weil bei den Kindern von drei bis sechs Jahren in den kommenden beiden Kindergartenjahren lediglich fünf Plätze fehlten, bestehe „kein konkreter Handlungsbedarf“.

Gemeinderäte pochen auf Kindergarten-Neubau

Das wollten die Gemeinderäte so nicht stehen lassen. Die Befürwortung der Kindergartenbedarfsplanung solle nichts an dem Gemeinderatsbeschluss zu einem Kindergarten-Neubau am Festplatz ändern, betonte Jahn Beichel (Freie Wähler). Die Abdeckung des Bedarfs an Kleinkindplätzen durch die Zwergenstube und den Tageselternverein sei „nicht sehr realistisch“, da diese nur ein beschränktes Angebot hätten.

Die Zwergenstube sei beispielsweise nur an drei Tagen pro Woche geöffnet. „Wenn Bedarf besteht, halten wir am Kindergarten am Festplatz fest“, sagte Hermann Geiger (CDU) und Veronika Wehr-Schwander konstatierte: „Um ein Betreuungshaus für Unter-Dreijährige werden wir nicht herumkommen.“ Die Zwergenstube als Entlastung sei „keine echte Lösung.“

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