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Tour mit dem Eventmobil

Die Sorge vor dem versehentlichen Schwarzfahren: KVV schult Kunden in Malsch

Geht jetzt alles nur noch digital? Nein. Diese Sorge möchte der KVV seinen Kunden nehmen und tourt mit einem Schulungsbus durch den Landkreis Karlsruhe. Nach dem Auftakt in Malsch wird die nächste Station in Stutensee sein.

KVV-Pressesprecherin Sarah Fricke im Gespräch mit zwei Frauen vor dem KVV-Schulungsbus.
So kann es funktionieren: Der Schulungsbus des KVV war in Malsch unterwegs. KVV-Pressesprecherin Sarah Fricke (links) beantwortet die Frage von zwei Kundinnen. Rund 400 Interessierte kamen auf den Mühlenplatz, um das Angebot anzunehmen. Foto: Judith Midinet-Horst

Großer Andrang auf dem Mühlenplatz in Malsch. Das Eventmobil des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) ist an diesem Nachmittag vor Ort, um die Bürger über die verschiedenen Fahrkarten im Verbund zu informieren.

Die Fachleute erklären die neuen Apps des KVV und die Funktionsweise von Fahrkartenautomaten an den Haltestellen.

Unter den Interessierten ist auch Ilona Eisele. „Mit der Viererkarte konnte ich fahren, wie ich wollte“, erzählt sie. Die Stempelkarte habe sie immer im Rathaus in Malsch gekauft. Mit den Fahrkartenautomaten komme sie aber nicht klar.

Bei vielen Fahrgästen ist die Verunsicherung groß

Die Verunsicherung der 76-Jährigen ist groß: Was ist, wenn kein Automat da ist, wenn er nicht funktioniert, sich eine Schlange hinter ihr bildet oder sie womöglich die falsche Karte löst? „Werde ich dann zur Schwarzfahrerin?“, fragt sie sich. Sie fürchtet die Blamage, möchte nichts falsch machen.

KVV-Pressesprecherin Sarah Fricke versucht, ihr die Angst zu nehmen, sucht nach Lösungen und lädt sie schließlich ein, mit zum Bahnhof zu fahren. Kleine Gruppen werden dort direkt am Fahrkartenautomaten in der Praxis geschult. Und Sarah Fricke kann Ilona Eisele beruhigen: Nach wie vor gibt es die Fahrkarten zu den Öffnungszeiten auch im Rathaus.

KVV reagiert mit Schulungsangebot auf Kritik aus der Kundschaft

Mit der Aktion möchte der Verkehrsverbund auf seine Fahrgäste zugehen. Denn in den vergangenen Monaten kritisierten Fahrgäste und Verbände immer wieder die Fahrkartenpolitik des KVV. Das Aus für Stempelkarten und Entwerter bewegt nach wie vor die Gemüter.

Nach dem Auftakt in Baden-Baden soll der Schulungsbus durch das Verbundgebiet touren. Das nächste Mal wird er in Stutensee halten, ein genauer Termin werde derzeit noch mit der Stadt abgestimmt. Anfragen gibt es laut Pressesprecherin Fricke auch aus weiteren Städten im Landkreis Karlsruhe.

Die Digitalisierung im Seniorenbereich schreitet mächtig voran.
Thilo Kerzinger, Vorsitzender Kreisseniorenrat

Ältere Menschen wie Ilona Eisele fühlen sich durch die Neuerungen ins Abseits gedrängt. Doch da widerspricht Thilo Kerzinger: „Die Digitalisierung im Seniorenbereich schreitet mächtig voran.“

Deshalb fordert der Vorsitzende des Kreisseniorenrats im Landkreis Karlsruhe zentrale Anlaufstellen in den Kommunen, wo ältere Menschen Rat und Hilfe bekommen, Info-Abende und Hilfestellungen im Umgang mit dem Handy. „Damit die Senioren nicht in Panik geraten“, erklärt der 74-Jährige.

Nicht alle Senioren sind gegen die digitalen Neuerungen beim KVV

In der Kommunikation mit dem KVV habe es einige Missverständnisse gegeben, so Kerzinger. „Es gibt erhebliche Widerstände“, weiß er. Aber nicht bei allen, das Stimmungsbild unter den Senioren sei sehr differenziert. Die Idee mit dem Schulungsbus sei in Gesprächen mit KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon entstanden. Vom regen Zulauf überzeugt sich Kerzinger in Malsch selbst.

Auch der KVV-Geschäftsführer steht für Gespräche an diesem Nachmittag bereit. „Es gibt viele, die es sich gerne erklären lassen“, ist der Eindruck von Alexander Pischon. Er verstehe die Aufregung nach den jüngsten Entscheidungen im Verbund. Viele Missverständnisse könnten vor Ort direkt geklärt werden.

Wir wollen niemanden ausschließen.
Alexander Pischon, KVV-Geschäftsführer

KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon (rechts) im Gespräch mit einem älteren Ehepaar vor dem Schulungsbus auf dem Mühlenplatz in Malsch.
KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon (rechts) im Gespräch mit einem älteren Ehepaar vor dem Schulungsbus auf dem Mühlenplatz in Malsch. Foto: Judith Midinet-Horst

So können Fahrkarten weiterhin in Papierformat am Automaten und beim Busfahrer erworben werden. Pischon spricht von „guten und konstruktiven Gesprächen“.

„Wir finden fast immer eine Lösung“, sagt der KVV-Chef und betont: „Wir wollen niemanden ausschließen.“ Deshalb sollen in der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats auch Anpassungen und Ideen diskutiert werden, die den Betroffenen in einigen Punkten Erleichterung verschaffen könnten.

Auch die Ettlinger CDU-Landtagsabgeordnete Christine Neumann-Martin äußerte jüngst deutliche Kritik in Richtung KVV. Die Schulungen mit dem Eventmobil wertet sie als „minimales Signal in die richtige Richtung“.

Erste Rückmeldungen zum Schulungsangebot im KVV-Eventbus sind positiv

Ein Problem sei aber weiterhin, dass viele Senioren nicht mehr in der Lage seien, sich einer Schulung und der damit verbundenen Komplexität von App und Digitalisierung zu unterziehen, so die Abgeordnete.

Bis 17 Uhr herrscht an diesem Donnerstagnachmittag Betrieb am KVV-Eventbus. Rund 400 Interessierte, so schätzt Pressesprecherin Sarah Fricke, haben sich bis dahin über die Angebote und Neuerungen informiert. Das Feedback auf die Aktion sei „sehr positiv“ gewesen.

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