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Angebot in Malsch

Mitarbeiterin im Hospizdienst: „Einige haben Angst, Sterbende zu begleiten“

Seit knapp 20 Jahren begleitet der Hospizdienst in Malsch Angehörige von Verstorbenen und Sterbende. Die Corona-Pandemie erschwert die Arbeit enorm. Das Angebot wird nur sehr verhalten genutzt, weil viele Betroffene Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus haben.

Eine Hand, die Trost spendet: Szenen wie diese sind in der Trauer- und Sterbebegleitung aktuell eigentlich nicht denkbar - durch das Coronavirus wird körperliche Nähe zum Risiko. Das und die Angst der Menschen vor einer Ansteckung erschwert die Arbeit von Hospizmitarbeitern. Foto: Daniel Reinhardt picture alliance/dpa

Es sind meist ganz praktische Fragen, die Marianne Grässer am Anfang stellt: Haben Sie die Kleidung Ihres verstorbenen Angehörigen schon aufgeräumt? Wie pflegen Sie die Grabstätte? Oder auch: Wie gehen Sie mit Wut um? „Impulse“ nennt sie diese Fragen, mit denen sie versucht, Angehörige von Verstorbenen dazu zu bringen, sich zu öffnen und über ihre Trauer zu sprechen.

Seit 15 Jahren hilft die Malscherin im „Café Lichtblick“ zusammen mit weiteren Ehrenamtlichen Partnern oder Familienmitgliedern von Verstorbenen, mit dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen. Das Café ist ein Angebot des 2002 entstandenen ökumenischen Hospizdienstes in Malsch. Ihre eigene Erfahrung war es, die Grässer dazu bewogen hat, es ins Leben zu rufen: „Ich war selbst betroffen, habe meinen Mann aus heiterem Himmel verloren.“

Keine Treffen mehr im „Café Lichtblick“

Die ehemalige Lehrerin weiß, wie groß das Loch ist, in das Betroffene in einer solchen Situation fallen – und wie wichtig es ist, sich mit dem Verlust auseinanderzusetzen. Vor allem Frauen, die ihren Partner verloren haben, nutzten das Angebot im „Café Lichtblick“. Bis zum zweiten Corona-Lockdown traf man sich jeden Sonntagnachmittag.

Zwei Stunden lang konnten sich die Besucherinnen bei Kaffee und Kuchen unterhalten, Meditationsübungen machen und Geschichten lauschen. Ein lockeres Treffen, aus dem schon einige Freundschaften entstanden sind, verknüpft mit Impulsen und Übungen zur Trauerverarbeitung. Die Teilnehmerzahlen schwanken, erzählt Grässer, „im Schnitt sind immer rund sechs Menschen da“.

Beratung via Telefon oder WhatsApp wird kaum genutzt

Die Hemmschwelle, sich in die Trauerhilfe zu begeben, sei sehr hoch. Nicht selten erlebt Grässer, dass eine Besucherin des Café Lichtblick eine Freundin mitbringt, „weil sie alleine nicht gekommen wäre“. Manchmal kämen auch Menschen, bei denen der Tod des Partners oder Angehörigen schon Jahre zurückliegt, sie dies aber immer noch nicht verarbeitet haben.

Der zweite „Corona-Lockdown“ macht es den Organisatorinnen des Treffens noch schwerer, die Leute zu erreichen. Bis in den Oktober hinein habe das Café noch mit Voranmeldung stattfinden können, erzählt Grässer. Seit die Kontaktbeschränkungen verschärft wurden, fällt es komplett aus. Telefonisch und per WhatsApp sind die Helferinnen zwar weiter zu erreichen. „Diese Möglichkeiten werden aber eigentlich kaum genutzt“, so Grässer.

Manche können es sich einfach nicht vorstellen, den Sterbenden zu begleiten, ohne die Hand zu halten.
Agnes Grässer Hospiz-Dienst Malsch

Auch die Sterbebegleitung, die Hauptaufgabe des Hospizvereins, ist durch die Pandemie gehemmt „Viele Angehörige haben Angst, dass wir etwas einschleppen“, sagt Agnes Grässer. Sie engagiert sich seit knapp drei Jahren als Sterbebegleiterin im Verein. Auch einige der Frauen in dem 15-köpfigen Begleiterteam hätten Angst vor einer Ansteckung. Und: „Manche können es sich einfach nicht vorstellen, den Sterbenden zu begleiten, ohne die Hand zu halten“. Körperliche Nähe gehöre zu dieser Arbeit einfach dazu.

Beistand für Sterbende und Angehörige

Grässer erinnert sich an einen schwer kranken Mann, den sie im Frühjahr begleitet hat. Mit Maske und Handschuhen stand sie beim ersten Treffen in der Tür zu seinem Zimmer, hat bewusst Abstand gehalten. Später, im Gespräch, griff er dann doch nach ihrer Hand. „Ich habe ihm die dann auch gelassen“, erzählt sie. Die 71-Jährige hilft nicht nur den Sterbenden, sondern auch ihren Angehörigen. Oft kümmerten die sich um ihren kranken Partner, und das sei ein Fulltime-Job. „Manchmal braucht es einfach nur jemanden, der zwei Stunden da ist, damit der Angehörige mal spazieren gehen kann, in Ruhe einkaufen oder einfach jemanden zum Reden hat.“

Zu einer Frau, deren Mann an Krebs erkrankt ist, hat sie gerade telefonisch Kontakt. „Sie ruft mich an, wenn ich vorbeikommen soll.“ Früher schaute Grässer auch einfach mal spontan bei den Leuten vorbei. „Einmal kurz vorbeigehen, fragen, wie’s ist, das geht gerade aber nicht“, bedauert sie.

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