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Diskussion um Förderrichtlinien

Streit um Malscher Vereinsförderung: Welcher Verein braucht wie viel Hilfe?

Der Malscher CDU-Fraktionschef wehrt sich gegen die Behauptung, dass die Vereine den Gemeinderäten nicht so viel bedeuten wie sie angeben. Die aktuelle Haushaltslage mache pauschale Zusagen für finanzielle Hilfe jedoch schwierig.

Schäden am Vereinsgelände und Forst FV Sulzbach durch Sturm im August 2019 Foto: Daniel Kotulla

29.000 Euro für die Behebung von Sturmschäden auf dem Vereinsgelände des FV Sulzbach, 80.000 Euro für die Instandsetzung der Tartanbahn des TV Malsch und jährlich einige Tausend Euro aus der eigenen Tasche für die Jugendförderung: Dem Malscher CDU-Fraktionschef Thomas Kastner fallen einige Beispiel dafür ein, dass seine und andere Fraktionen im Gemeinderat die Vereine in der 14.000-Einwohner-Gemeinde immer wieder unterstützten.

Umso ärgerlicher macht es ihn, dass manche Vereinsvertreter den Räten nun vorwerfen, dass ihnen die Vereine in Wahrheit viel weniger bedeuten als sie behaupten.

Offener Brief eines Vereinsvorsitzenden an die Gemeinderäte

Als „Worthülsen“ und „Wahlkampfmärchen“ bezeichnet der Vorsitzende des Fußballvereins Malsch, Michael Gißler, in einem Offenen Brief die Passagen in Wahlprogrammen der Fraktionen zur Kommunalwahl 2019, die sich um das Ehrenamt drehen. Die Freien Wähler, die einen Workshop mit Vereinsvertretern organisiert hatten, nimmt er explizit von der Kritik aus. Anlass für Gißlers Brief ist ein abgelehnter Antrag der Freien Wähler zur Neufassung der Vereinsförderrichtlinie im Gemeinderat – damit sollten die Ergebnisse des Vereins-Workshops auf die Verwaltungsebene gebracht werden.

Unter anderem wird in dem Antrag eine Zuschusserhöhung für Vereine mit eigenen Liegenschaften, eine kleine Grundförderung von Vereinen und eine Projektförderung vorgeschlagen. Mit 14 Gegenstimmen und sechs Ja-Stimmen der antragstellenden Fraktion wurde er abgelehnt. Die Begründung: Hilfe für Vereine sollte nicht „mit der Gießkanne“ vergeben. Jeder Fall müsse individuell betrachtet werden– zumal der Gemeindehaushalt durch die Corona-Krise stark beeinträchtigt ist.

Der Antrag hat nichts, aber auch gar nichts mit den aktuell leeren Haushaltskassen zu tun.
Michael Gißler, Vorstand FV Malsch

Die Begründung, dass das Geld zu knapp sei, will der der Vorsitzende des FV Malsch so nicht gelten lassen: „Der Antrag hat nichts, aber auch gar nichts mit den aktuell leeren Haushaltskassen zu tun, sondern wäre nur der erste Schritt in eine sinnvolle Zukunft mit und für die Malscher Vereine gewesen, ohne aktuelle Belastung der Haushaltskasse. Es wäre ein Zeichen gewesen, dass man uns auch in schwierigen Zeiten ernst nimmt und gemeinsam nach einer Lösung sucht.“ Es gehe nicht ums „auf Sicht fahren“, sondern, so Michael Gißler, „ums nackte Überleben“.

Michael Gißler vom Fußballverein Malsch (Mitte), hier zu sehen mit Dominik Hauck und Felicitas Schuder vom Turnverein Malsch, hat sich in einem offenen Brief an die Gemeinderäte gewandt. Foto: Julia Trauden

Die Änderung der Förderrichtlinien war ohnehin erst zum Januar 2021 angedacht, präzisiert Gißlers Vereinskollege Jahn Beichel, der für die Freien Wähler im Gemeinderat sitzt. Dass die aktuelle Finanzlage wenig zulasse, verstehe er. Allerdings: „Wenn man drüber gesprochen hätte, wären die Vereine wahrscheinlich auch mit 2022 einverstanden gewesen.“

Schuldenstand der Gemeinde wächst auf 23,5 Millionen Euro

CDU-Fraktionschef Thomas Kastner sagt: „Es bringt nichts, Förderrichtlinien zu verabschieden, die ich am Ende des Jahres gar nicht bezahlen kann.“ Die finanziellen Aussichten seien schlecht. Nach ersten Schätzungen fehlen der Gemeinde zum Jahresende 4,3 Millionen Euro, der Schuldenstand wächst auf 23,5 Millionen Euro.

Zudem seien die Fraktionen, die am Ende über die Ergebnisse entscheiden müssen, gar nicht in den Vereinsworkshop eingebunden worden, führt Kastner weiter aus. Einige Vereine, vor allem kleinere, seien nicht mit den Workshop-Ergebnissen zufrieden.

Mehr als 100 Vereine gibt es in Malsch, rund 30 von ihnen waren in den Workshops vertreten. Einige hätten sich zufrieden gezeigt und wollten gar nicht mitmachen, erklärt Jahn Beichel. Er räumt auch ein: „Natürlich ist es schwierig, die Interessen von 100 unter einen Hut zu kriegen.“

Wir müssen mit Augenmaß, Respekt und einem vertrauensvollen Umgang miteinander gemeinsam durch diese Krise gehen
Thomas Kastner, CDU-Fraktionschef

CDU-Fraktionschef Thomas Kastner könnte sich vorstellen, alle noch einmal an einem Runden Tisch zusammenzubringen. „Die Vereine haben unsere Unterstützung“, unterstreicht er. „Wir müssen jedoch mit Augenmaß, Respekt und einem vertrauensvollen Umgang miteinander gemeinsam durch diese Krise gehen.“



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