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Serie Spitznamen

Warum die Völkersbacher auch „Besenbinder“ oder „Bergknauben“ genannt werden

Was hat es mit den Spitznamen für die Völkersbacher auf sich? Und was hat der ehemalige US-Präsident Bill Clinton mit dem Malscher Höhenstadtteil zu tun?

Die Statue des Besenbinders wurde 2004 anlässlich des 750. Jubiläums am Rathaus in Völkersbach aufgestellt. Foto: Archiv Heimatverein Völkersbach

„Oh do kumme se, die Besebinder!“ Ein Ausruf, der so manchem Völkersbacher geläufig sein dürfte, denn bei der Bezeichnung „Besenbinder“ handelt es sich um ihren offiziellen Spitznamen.

Peter Walter vom Heimatverein Völkersbach weiß über die Hintergründe Bescheid: „Früher waren die Böden in Völkersbach sehr karg, deshalb konnten die Menschen nur schwerlich vom Wald und Forst leben. Also zogen sie Konsequenzen daraus und sahen sich nach einem Nebenerwerb um. Es sollte das Besenbinden werden – aber nicht nur für den Eigenbedarf, sondern sie verkauften die Besen ebenfalls in die umliegenden Nachbardörfer.“

Um daran die Erinnerung an diese Zeit zu bewahren, wurde 2004 anlässlich des 750-jährigen Bestehens von Völkersbach eine Besenbinder-Statue gegenüber dem Rathaus aufgestellt.

Noch ein weiterer Spitzname für die Völkersbacher

Jedoch verfügt der Malscher Ortsteil zudem noch über einen inoffiziellen Spitznamen: die Bergknauben. Diese etwas neuere Bezeichnung wird laut Walter insbesondere von den Malscher, Sulzbacher und Waldprechtsweierer Bürgern verwendet. „Einen Berg haben wir zwar nicht, aber etwas höher gelegen sind wir schon. Das Wort „Knauben“ bezeichnet raue, zähe Leute mit Charakter. Die Altvölkersbacher hatten den Ruf, sich durchzubeißen“, erklärt er.

Und auch für Straßen gibt es Necknamen. So wird die Brunnenstraße beispielsweise als „Metzgerbuckel“ bezeichnet. Von der dort ansässigen Metzgerei Glasstetter bezögen unter anderem Sterneköche ihr Fleisch und im Dorf selbst sei die Metzgerei ohnehin beliebt, erklärt Walter. Unter anderem zählt die Salami „Bergknauben“ zum Sortiment der Metzgerei. Walter fügt aber hinzu, dass diesen Namen Menschen aus Schöllbronn, Spessart und Ettlingen eher nicht gebrauchen würden.

Was der ehemalige US-Präsident Bill Clinton mit dem „Metzgerbuckel“ zu tun haben

Über den Metzgerbuckel weiß er aber noch ein paar spannende Anekdoten zu erzählen. So hatte beispielsweise der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, als er aufgrund der Verleihung des Deutschen Medienpreises im Baden-Badener Grand-Hotel residierte, einen Mitarbeiter nach Völkersbach geschickt. Von der „small butchery“ (kleine Metzgerei), wie Clinton sie nannte, sollte ihm der Mann ein paar Scheiben vom beliebten Räucherschinken mitbringen.

Und auch Kuriere des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog wurden offenbar besagten Buckel hoch geschickt.

Heimatmuseum informiert über Völkersbacher Vergangenheit

Wer mehr über die Völkersbacher und ihre Vergangenheit erfahren möchte, wird im Völkersbacher Heimatmuseum fündig. Dieses wurde 2009 von den Mitgliedern des dort ansässigen und seit 1999 bestehenden Heimatvereins über sechs Jahre hinweg renoviert und unter Verwendung ausschließlich historischer Baumaterialien sehr nah in den Ursprungszustand versetzt.

In den verschiedenen Räumlichkeiten, wie der Küche, der Stube, der Schlafkammer oder der sich im Obergeschoss befindlichen original „Völkersbacher Schneiderstube“ warten viele museale Ausstellungsstücke darauf, bestaunt zu werden – unter anderem auch die (spitz)namensgebenden Besen.

Zur Serie

Moggel, Besenbinder oder Dohlenaze: Für die Bewohner der Orts- und Stadtteile in Ettlingen und Umgebung gibt es zahlreiche Spitznamen. Außenstehenden oder Zugezogenen geben sie oft Rätsel auf. Woher sie kommen, erklärt die BNN-Redaktion Ettlingen in einer losen Serie.

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