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Initiative fordert mehr finanzielle Hilfe

Zweiter Lockdown bringt Malscher Einzelhändler in Nöte

Das Weihnachtsgeschäft ist futsch und ein Ende des Lockdowns am 10. Januar unwahrscheinlich: Wenige Tage nach der zweiten Schließung des Einzelhandels blickt der Malscher Unternehmer Wolfgang Elsässer mit Sorge in die Zukunft.

Auf den Winterklamotten bleibt er wohl sitzen: Wolfgang Elsässer in seinem s.Oliver-Geschäft im Malscher Ortskern. Die Schließung des Einzelhandels trifft den Unternehmer hart. Foto: Julia Trauden

Wenige Tage nachdem die Geschäfte im zweiten Lockdown wieder schließen mussten, wiederholt sich die Diskussion vom Frühjahr: Wieso dürfen Supermärkte und Drogerieketten, die zum Beispiel auch Kleidung und Spielwaren im Angebot haben, diese nicht lebensnotwendigen Waren verkaufen, während lokale Einzelhändler, die dieselben Produkte anbieten, ihre Läden geschlossen halten müssen?

Weil sie diese Ungleichbehandlung ärgert, wollen sich mehrere Malscher Einzelhändler einer Initiative anschließend, die unter anderem mehr finanzielle Hilfen und eine Wiederöffnung des Einzelhandels fordert. Ein entsprechendes Rundschreiben, das derzeit bei Unternehmern in der Region kursiert, liegt den BNN vor. Die angebotenen Entschädigungen für die Geschäftsschließungen seien „willkürlich, ungerecht und völlig unzureichend“, heißt es darin.

Ich würde behaupten, wir müssen die Geschäfte bis Mitte Februar zulassen.
Wolfgang Elsässer, Vorsitzender der IG Malsch

Hinter der Initiative steht laut Wolfgang Elsässer, Vorsitzender der Malscher Interessensgemeinschaft der Einzelhändler (IG Malsch), das Modeunternehmen Reischmann mit Filialen in Kempten, Ravensburg und Ulm. Elsässer geht davon aus, dass sich der Initiative rund 15 örtliche Betriebe anschließen werden.

Er selbst betreibt in Malsch drei Geschäfte mit Mode-, Geschenkartikeln und Modeaccessoires, zwei weitere hat er in Durmersheim. Der zweite Lockdown hat ihm das Weihnachtsgeschäft vermiest, für die Schließungen hat er aber Verständnis. Und auch dafür dass es nicht leicht ist, finanzielle Hilfen gerecht zu verteilen.

Dennoch wünscht er sich eine Perspektive für die Zukunft. Denn eine baldige Wiederöffnung des Einzelhandels hält er für illusorisch – und anders als die Gründer der Initiative auch für unvernünftig: „Ich würde behaupten, wir müssen die Geschäfte bis Mitte Februar zulassen.“

35.000 bis 40.000 Euro Ausgaben pro Monat - und keine Einnahmen

Durch den ersten Lockdown und übers Jahr konnte sich der Geschäftsmann mit Rücklagen und Hilfen von mehreren Seiten retten. Lieferanten zeigten sich kulant bei der Stornierung von Bestellungen und gaben Rabatte, 15.000 Euro Soforthilfe erhielt Elsässer. Jetzt wird es allerdings eng. Jeder Tag kostet den Unternehmer 1.000 bis 1.500 Euro, das macht 35.000 bis 40.000 im Monat.

Aussichten auf die sogenannte Überbrückungshilfe III habe er nicht, weil seine Umsatzeinbußen im Vergleich zu 2019 nicht hoch genug seien. Würde er das Jahr 2017 zum Vergleich heranziehen, hätte er Anspruch auf finanzielle Hilfen, sagt er. Doch 2018 und 2019 hat die Baustelle für den Hochwasserschutz im Ortszentrum zu einem Rückgang der Kundenfrequenz geführt und damit die Bilanz getrübt.

Überbrückungshilfe III orientiert sich an Umsatzrückgängen

Die Überbrückungshilfe III soll zwischen Januar und ende Juni 2021 fließen. Sie sichert Unternehmen, Soloselbstständigen und selbstständigen Angehörigen freier Berufe mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro eine Unterstützung von maximal 200.000 Euro pro Monat, in Einzelfällen auch 500.000 pro Monat zu. Grundlage für die Berechnungen sind die Umsatzrückgänge im Vergleich zum Vorjahr. Ab Umsatzrückgängen zwischen 30 und 50 Prozent werden 40 Prozent der Fixkosten erstattet.

Er will nicht jammern, sagt Elsässer. Aber „ein bisschen mehr Hilfe“ für den Einzelhandel würde er sich wünschen. Im Januar wird er für seine Angestellten Kurzarbeitergeld beantragen. Ein Vermieter fordert für den Januar nur die Hälfte der Miete – ein kleiner Lichtblick. Andere sind aber auf seine Zahlungen angewiesen. „Die Vermieterin eines Ladens ist Rentnerin, die lebt von der Miete. Da kann ich nicht einfach sagen: Ich zahle nicht.“

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