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Personalmangel beim Projektpartner

Warum die neue Mensa am Ettlinger Schulzentrum noch nicht geöffnet hat

Erst kam Corona, jetzt kann der Projektpartner nicht liefern: Die fertiggestellte Mensa muss wohl noch eine Weile auf hungrige Schüler warten. Die Stadt sucht aktuell nach einer Interimslösung.

In Wartestellung: Die neue Mensa am Schulzentrum wurde bisher noch nicht für die Verpflegung der Schülerinnen und Schüler genutzt. Foto: Julia Trauden

Döner statt Mensa: Der millionenschwere neue Bau am Ettlinger Schulzentrum bleibt vorerst weiter zu.

Die rund 1.350 Schülerinnen und Schüler von Anne-Frank-Realschule und Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) müssen sich in ihrer Mittagspause anderweitig versorgen.

Schüler sollten in Menügestaltung mit einbezogen werden

Eigentlich sollte Anfang Oktober ein Team der gemeinnützigen GmbH Vitale Lunchbox aus Karlsruhe den Mensabetrieb aufnehmen. Geplant war die frische Zubereitung von Speisen vor Ort und eine Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler in die Menügestaltung.

Das Verpflegungskonzept sollte auch einen pädagogischen Nutzen erfüllen, nämlich den Kindern und Jugendlichen nachhaltige und gesunde Ernährung näher bringen.

Wir haben kurzfristig davon erfahren.
Barbara Baron-Cipold, Bildungsamtleiterin

Weil für das Projekt eingeplante Mitarbeiter in der Corona-Zeit abgesprungen sind, kann der Anbieter aus Karlsruhe nun aber doch nicht liefern.

„Wir haben kurzfristig davon erfahren“, und zwar in der vergangenen Woche, erklärt die Ettlinger Bildungsamtsleiterin Barbara Baron-Cipold. „Es ist bedauerlich, aber es ist so passiert.“ Der Anbieter aus Karlsruhe könne frühestens Anfang 2022 einsteigen.

Europaweite Ausschreibung für neuen Caterer

Als „unerfreulich“ bezeichnete auch Oberbürgermeister Johannes Arnold (Freie Wähler) gegenüber unserer Redaktion die Situation. Zuvor war er auch im Gemeinderat am Mittwochabend in der Sache von den Grünen angesprochen worden.

Für eine „Not- und Übergangslösung“ werde man nun zwei bis drei Angebote von Caterern einholen und hoffe, hier erfolgreich zu sein. Leistungsfähigkeit und Preis spielten dabei eine ausschlaggebende Rolle.

In einer europaweiten Ausschreibung werde die Verwaltung danach einen Caterer für ein langfristigeres Engagement suchen. Die Ausschreibung sei erforderlich, weil für den Mensabetrieb Kosten von mehr als 218.000 Euro veranschlagt sind.

Projektpartner hat Personal in der Corona-Zeit verloren

Und warum hat der ursprüngliche Projektpartner so kurzfristig abgesagt? Als ein „Missverständnis“ bezeichnet das Hossein Fayazpour, Geschäftsführer der Vitale Lunchbox gemeinnützige GmbH mit Sitz in der Linkenheimer Landstraße in Karlsruhe.

Bereits im August 2020 seien die knapp zehn für das Mensaprojekt in Ettlingen vorgesehenen Mitarbeiter abgesprungen. Weil Mensen coronabedingt nicht geöffnet waren, hätten sie sich anderweitig orientiert.

Er sei nicht davon ausgegangen, dass die Stadt Ettlingen mit einem Beginn des Mensabetriebs im Oktober rechnet, sagte Fayazpour sinngemäß im Gespräch mit den BNN.

Vertrag war noch nicht unterzeichnet

Die letzten persönlichen Gespräche zwischen ihm und dem Bildungsamt hätten im Frühjahr stattgefunden. Als er auf Nachfrage des Amtes vergangene Woche erklärte, dass er keine Mitarbeiter für den Mensabetrieb habe, habe die andere Seite überrascht geklungen.

Es war aber auch noch nicht zu einer Vertragsunterzeichnung zwischen dem Dienstleister und der Stadt gekommen. An bestimmten Stellen sei man sich nicht ganz einig gewesen, erklärt Fayazpour, warum das so war.

„Der Projektvertrag wurde verhandelt und vorbereitet. Unterzeichnet wurde er nicht“, teilt Bildungsamtsleiterin Barbara Baron-Cipold auf Nachfrage mit.

Keine Probleme bei anderen Kunden in Karlsruhe

Andere Schulen seien von den coronabedingten Personalproblemen bei Vitale Lunchbox nicht betroffen, berichtet Fayazpour.

Dort könne die Zusammenarbeit fortgeführt werden. In der Corona-Zeit mit den Mensaschließungen habe man anderweitige Beschäftigungen für das Personal gefunden.

Insgesamt zählt die gemeinnützige GmbH 40 Einrichtungen in Karlsruhe zu ihren Kunden, darunter sechs Schulen mit Ganztagsbetrieb. Auch Kindergärten und Horte würden bedient.

Eltern fragen bei der Stadt nach

Am Ettlinger Schulzentrum vermissen derweil nicht alle Schüler die Mensa. Sie habe keinen Nachmittagsunterricht und würde deshalb sowieso nicht dort essen, sagt Siebtklässlerin Julia. Die gleichaltrige Svea bringt sich immer Mittagessen mit in die Schule.

Der neue Chef des Albertus-Magnus-Gymnasiums, Jochen Bischoff, sagte gegenüber unserer Redaktion, die geschlossene Mensa sie schon Thema bei Elternabenden. „Es ist ein dingendes Problem, vor allem für die Klassen fünf und sechs in der Ganztagsbetreuung, die das Schulgelände ja über Mittag nicht verlassen dürfen.“

Die älteren Jahrgänge gingen halt in die Stadt. Man werde in wenigen Tagen die Mensa zumindest als Picknickplatz öffnen und hoffe auf eine baldige Interimslösung beim Essen.

Carolin Salvamoser, Mutter eines Siebtklässlers am AMG, ärgert es, dass die neue Mensa noch nicht ihrem Zweck zugeführt wurde. „Immer wenn ich im Park daran vorbeijogge – und jedes Mal, wenn ich wieder Döner-Geld rausrücken soll“, moniert sie.

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