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Vor allem bei Familien beliebt

Mit Säge und Beil auf dem Christbaumhof in Rüppurr: Selbstschlagen liegt im Trend

Den Christbaum selbst zu schlagen, bleibt im Trend. Besonders Familien mit kleinen Kindern machen dies gerne. Ein solches Angebot, ein heimisches Bäumchen für Heiligabend einzuschlagen und zu kaufen, gibt es auch in der Nähe von Rüppurr.

Der Baum fällt: Für Familie Thomae aus Karlsruhe ist es eine Premiere. Unter Mithilfe ihrer Kinder Luisa und Sebastian fällten sie erstmalig ihren Christbaum selbst. Foto: Werner Bentz

Für Familie Thomae aus Karlsruhe ist es eine Premiere. Unter Mithilfe ihrer Kinder Luisa und Sebastian schlagen sie am Samstag erstmals ihren Christbaum selbst. Seit Jahren sind sie Stammkunden bei Christbaum Frank, dieses Jahr wollten sie mal selbst Hand anlegen.

Nach ihren Wünschen suchen sie in der großen Tannenkultur einen Baum aus. Ihre beiden Kinder sind kaum zu bremsen, da hält sie auch der leichte Regen nicht ab: Schnell geht es raus auf die Schonung, draußen auf der Gemarkungsgrenze zwischen Karlsruhe und Ettlingen. Die Familie entscheidet recht schnell, welches Exemplar sie haben will.

Spannender ist die Frage, wer die Handsäge ansetzen darf. Das Ritual wiederholt sich am Samstag und Sonntag jeweils mehr als hundert Mal. Meist greift der Vater zur Handsäge, die Mutter darf dann das so gewonnene Exemplar mit dem Beil entasten. Danach wird es mit vereinten Kräften durch die bereitstehende Metall-Röhre zum Vernetzen gezogen. So auch bei Familie Thomae.

Dann ist, bevor der Baum oder Bäumchen auf den Weg nach Hause gebracht wird, noch bei Beate Hochmuth, die bei Bauer Frank mithilft, zu bezahlen. Interessant ist, wie unterschiedlich die Kunden die Bäume abtransportieren. Einige sind in großen SUV mit Anhänger gekommen, andere öffnen den Kofferraum ihres Kleinwagens, um das Bäumchen hineinzuquetschen. Eine Mutter ist mit Kinderwagen zu Fuß da, das Söhnchen muss auf das Mitfahrbrett und ihr Tännchen wird quer über den Wagen auf den Fußsack gelegt. Hochmuth wundert sich ab und zu auch, über die Höhe der gekauften Tannen, die die Menschen für ihre Wohnung wünschen: „Drei bis vier Meter sind keine Seltenheit. Es gibt wohl nicht wenige Hausbesitzer oder Mieter, die hohe Räume haben.“

Nordmanntanne weiter Favorit

Da komme jedes Jahr ein ziemlich buntes Völkchen an Menschen aus unterschiedlichen Milieus, um sich direkt aus der Kultur heraus einen Baum zu kaufen. Favorit sei weiterhin die Nordmanntanne, die in seinen Kulturen in großer Zahl geschlagen beziehungsweise gekauft werden, erläutert Karl-Heinz Frank.

Seit knapp 25 Jahren betreibt er die Tannen-Sonderkulturen zwischen Karlsruhe und Ettlingen. Außer Nordmanntannen stehen auf seinen Feldern noch Blau- und Rotfichten, Colorado- und Fraser-Tannen.

Jahr für Jahr sind es Scharen an Menschen, die auf die Wiesen an der Autobahn kommen, um Bäume zu kaufen. An Samstagen und Sonntagen im Advent rollen die Fahrzeuge über den asphaltierten Feldweg vom Ettlinger Seehof so zahlreich, dass ein unbedarfter Betrachter glauben könnte, hier sei eine ganz normale Fahrstraße ohne ein Verbotsschild, das auf landwirtschaftlichen Verkehr hinweist.

Schon früh am Morgen sind viele Familien da. Alles was die Menschen zum Schlagen eines Christbaums mitbringen müssen, ist gutes Schuhwerk. Das Werkzeug für das Schlagen des Wunschbaums wird gestellt. Dort draußen ist es recht matschig. Die Kleidung nicht weniger kleiner Kinder sieht nach der Christbaum-Aktion aus, als hätten sie im Schlamm gespielt.

Großes Erlebnis für die ganze Familie

Entschädigt wird dies kleine Malheur aber mit dem großen Erlebnis in frischer Luft und in der Natur für die ganze Familie. Die Kinder lernen auch, wie ein Tannenbaum angespitzt und wie er „vernetzt“ wird. „Es ist halt schon ein Unterschied, ob ich den Baum für Weihnachten aus dem Supermarkt hole oder, ob ich dies mit meiner eigenen Hände Arbeit mache“, resümiert ein Familienvater zufrieden über den kleinen Ausflug in die Tannenkultur.

Bei der Qualität der Bäume sei er bereit, für den laufenden Meter Nordmanntanne 22,50 Euro hinzulegen. Derweil erläutert Karl-Heinz Frank, welche Arbeit es mache, jedes Jahr eine ausreichende Zahl heimischer Bäume für das Christfest vorzuhalten. Neben den abgesägten Stümpfen müssten wieder neue Bäumchen gepflanzt werden. Gutes Wachstum setze regelmäßige Düngung voraus. „Wir haben Kunden, die nach Weihnachten das gekaufte Tännchen zur Entsorgung zurückbringen. Dann schließt sich der natürliche Kreislauf“, sagt Frank. Diese Pflanzen würden zerkleinert. Danach könnten sie für die nachwachsende Kultur unter anderem als Dünger oder Mulch verwendet werden.

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