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I hätt do mol e Frog

Landkreis Karlsruhe will Biomülltonnen-”Deo” nicht zur Pflicht machen

Der Ettlinger Norbert Reuter fordert einen eingebauten Geruchsfilter für Biomülltonnen. Das Landratsamt hält die Mehrkosten für unzumutbar, bietet aber eine andere Lösung an.

Sommer, Tonne, Geruchsbelästigung: Ein Filter für Biomülltonnen könnte Abhilfe schaffen. Der Landkreis Karlsruhe will diesen aber nicht zur Pflicht machen. Foto: Patrick Seeger

Norbert Reuter aus Ettlingen gehört im Landkreis Karlsruhe noch zu einer Minderheit: Wenn die Biotonne Anfang 2021 kommt, wird er sie in seinem Haushalt in der Ettlinger Innenstadt einführen. Dennoch ärgert den BNN-Leser, dass das Abfallwirtschaftsamt des Landkreises nicht gleich „Nägel mit Köpfen macht.” Während in einigen aus seiner Sicht vorbildlichen Landkreisen mittlerweile in jeder Biotonne ein Filterdeckel ist, fange man im Landkreis noch mit „alten” Tonnen. Damit werde Geruchsbildung und die rasante Entwicklung von Maden gerade in heißen Sommermonaten massiv gefördert.

Martin Zawichowski, Pressesprecher des Landratsamts, meinte es habe für die Kreisräte vermutlich gute Gründe gegeben, bei der Einführung der Biotonne nicht gleich auch noch einen Filter verbindlich einzubauen. Die Kreisräte hätten sich bei vielen Abfallwirtschaftsämtern und Abfallentsorgungsbetrieben die vielfältigen Möglichkeiten der Entsorgung von Lebensmittelabfällen angesehen.

Landkreis bietet Geruchsfilter ab 2021 zum Kauf an

Björn Wamser vom Abfallwirtschaftsamt des Landkreises in Bruchsal benennt gleich auch den ausschlaggebenden Grund: „Ein Filterdeckel, wie er in manchen Kreisen in Baden-Württemberg eingeführt worden ist, verursacht erhebliche Mehrkosten.” Er sei sich sicher, wenn dieser gleich von Anfang an bindend eingeführt werde, sei die Akzeptanz in der Bevölkerung für die neue Tonne noch geringer.

„Es wird aber ab 2021 möglich sein, über den Online-Shop auf unserer Internetseite einen Biofilter beziehungsweise ein ,Deo’ für die Biotonne zu bestellen.” Norbert Reuter hält dem entgegen, dass er gerne bereit wäre, eine etwas höhere Gebühr für seine Tonne zu bezahlen, wenn man von Maden beziehungsweise unangenehmen Gerüchen verschont bliebe. Gerade in engen Gassen, in denen Tonne an Tonne stehe, kaum einer ein eigenes Gärtchen habe, sei die Biotonne ohne Filter für die Anwohner eine massive Geruchsbelästigung, wenn die Hitzegrade jenseits der 30 Grad seien.

Wamser, der privat im Rhein-Neckar-Kreis wohnt und schon viele Jahre in seinem Haushalt selbst eine Biotonne hat, hält die Problematik für nicht so groß wie Norbert Reuter. Er habe sehr gute Erfahrungen gemacht, den nassen Biomüll in Zeitungspapier einzuwickeln. Das habe eine gute Saugfähigkeit. Die Probleme mit Geruchsbelästigungen würden dadurch deutlich reduziert.

Abfallbehörde hält mehr Gebühren für unzumutbar

Besonders gärt und brodelt es in Biotonnen, wenn in den Sommermonaten der „Planet sticht”. In Nachbar-Landkreisen, in denen sich schon seit Jahren die Biotonne durchgesetzt hat, ist es dann üblich, die Biotonne nicht im 14-tägigen Rhythmus, sondern wöchentlich zu leeren. Auch hier will Wamser vom Abfallwirtschaftsamt die Nutzer nicht verpflichten, auf das Angebot der wöchentlichen Leerung zurückzugreifen.

Wer es haben will, müsse zusätzlich bezahlen, was nicht jedem zuzumuten sei. Apropos Biofilter: Wer wirklich daran Interesse hat, ein Behältnis ohne Geruchsbildung zu haben, kann noch auf ein weiteres Angebot des Abfallwirtschaftsbetriebes des Landkreises Karlsruhe zurückgreifen: Gegen Geld kann er ein Mülltonnen-Reinigungsfahrzeug buchen.

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