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Geschäfte öffnen am 20. April

Nach Corona-Lockerungen: Freude bei Ettlinger Einzelhändlern, Hoffnung bei Gastronomen

Die Einzelhändler in Ettlingen profitieren von der Lockerung der Corona-Regelungen: Viele kleine und mittlere Geschäfte in der Altstadt können am Montag wieder öffnen. Gastronomen hoffen darauf, dass auch für sie bald Erleichterungen kommen - und zählen dabei auf die Vernunft der Kunden bei der Einhaltung von Abstandsregeln.

Bringen den Laden auf Vordermann, damit am Montag alles einladend aussieht: Nicole Hickel und ihre Mitarbeiterin Elisabeth Cochs (im Hintergrund). Foto: Trauden

Die Einzelhändler in Ettlingen profitieren von der Lockerung der Corona-Regelungen: Viele kleine und mittlere Geschäfte in der Altstadt können am Montag wieder öffnen. Gastronomen hoffen darauf, dass auch für sie bald Erleichterungen kommen – und zählen dabei auf die Vernunft der Kunden bei der Einhaltung von Abstandsregeln.

Noch hängen in den Schaufenstern der Ettlinger Geschäfte die Zettel, die auf die Schließung wegen des Coronavirus oder Abhol- und Lieferdienste hinweisen. Doch wer am Donnerstag genauer hinschaut, der sieht, dass sich hinter so mancher Glasfassade schon wieder etwas regt.

Garderobenstangen werden neu bestückt, Bücher im Regal platziert, abgestaubt. Die Vorbereitungen laufen für die Wiedereröffnung der Läden mit einer Fläche von bis zu 800 Quadratmetern ab Montag. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte Mittwochabend bekannt gegeben, dass auch in Baden-Württemberg kleine und mittlere Geschäfte unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen dürfen.

Knapp 50 Einzelhandelsgeschäfte können wieder öffnen

In Ettlingen gilt das für alle der rund 50 Einzelhandelsgeschäfte, die in der Ettlinger Werbegemeinschaft organisiert sind, erklärt deren Vorsitzender Christian Rissel. Eine „positive Überraschung“ nennt er die Entscheidung, „ich habe erst mit einer Öffnung am 4. Mai gerechnet“. So ganz traut Rissel der Sache aber noch nicht: Er verweist darauf, dass die Beschlüsse von Bund und Ländern noch in Landesverordnungen gegossen werden müssen und darauf, dass der bayerische Ministerpräsident Markus Söder schon eine strengere zeitversetzte Regelung zur Öffnung von Geschäften angesprochen hat.

Wir brauchen jetzt schnell eine sichere Information des Landes, welche Vorgaben einzuhalten sind.
Christian Rissel, Vorsitzender der Ettlinger Werbegemeinschaft

Der Inhaber zweier Schuhgeschäfte mit 22 Mitarbeitern fordert schnell klare Vorgaben zu den Hygieneauflagen, die als Bedingung für die Öffnung gelten. Ist der Mundschutz Pflicht oder wird er nur empfohlen? Gelten die gleichen Abstandsregeln wie in Supermärkten? „Wir brauchen jetzt schnell eine sichere Information des Landes, welche Vorgaben einzuhalten sind“, sagt Rissel.

Sein Sortiment neu anordnen muss Christian Rissel, Inhaber von zwei Schuhgeschäften und Vorsitzender der Ettlinger Werbegemeinschaft. Foto: Trauden

Mundschutz für Mitarbeiter und Kunden

Einwegmasken und Stoffmasken, die Mund und Nase abdecken, hat er bestellt. „Die reichen aus, damit wir unsere Mitarbeiter und auf Nachfrage Kunden versorgen können“, sagt er. Am Donnerstag bringt er zusammen mit seinen Mitarbeitern die Verkaufsflächen auf Vordermann, ordnet das Sortiment anders an. „Es sind andere Warenbilder gefragt als noch vor vier Wochen.“

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Auch im Modegeschäft Prolog in der Leopoldstraße haben Inhaberin Nicole Hickel und ihre Mitarbeiterin Elisabeth Cochs am Donnerstag alle Hände voll zu tun. „Wir versuchen, das Chaos hier zu beseitigen, damit die Leute am Montag neue, schöne Klamotten sehen“, sagt Hickel und lacht. Weil die Mode ein schnelllebiges Geschäft ist, kann sie einige Artikel nur noch mit Rabatten von 20 bis 30 Prozent verkaufen: „Die ersten Frühjahrsprogramme gehen reduziert raus. Man muss Kaufanreize schaffen.“

Auch Monika Hirsch darf ihre Buchhandlung Abraxas in der Ettlinger Kronenstraße wieder öffnen. Bislang hat sie sich mit Liefer- und Abholdiensten über Wasser gehalten. Foto: Trauden

Mit Kundenansturm wird nicht gerechnet

Hickel und Cochs arbeiten mit Mundschutz aus Stoff, für die Kunden halten sie auch Exemplare bereit. Maximal zwei Personen würden gleichzeitig in den Verkaufsraum gelassen, so stelle man den Mindestabstand sicher. Außerdem hängen Cochs und Hickel Schilder mit Verhaltensregeln auf. Mit dem großen Kundenansturm zu Beginn rechnen sie nicht unbedingt. „Die Frequenz bleibt abzuwarten“, sagt Cochs. Sie vermutet, dass bei einigen wegen Corona das Geld gerade nicht so locker sitzt.

Spuckschutzwände, Bodenmarkierungen und Desinfektionsmittel

Ähnlich bewertet Charlotte Ochs vom Modegeschäft Streit die Situation. „Ich rechne am Montag nicht mit einem Kundenansturm.“ Allgemein sei wegen der Corona-Einschränkungen weniger los in der Stadt. Die Gastronomie, „die immer Kunden bringt“, müsse beispielsweise weiter geschlossen bleiben. In Absprache mit der Verwaltung öffnet Ochs nur das Erdgeschoss ihres Ladens.

Dort beträgt die Fläche zwischen 600 und 700 Quadratmetern. Im Obergeschoss liefen ohnehin Renovierungsarbeiten. Den Mundschutz für die 21 Mitarbeiter des Geschäfts hat die hauseigene Schneiderin genäht. Die Kassen werden mit Spuckschutzwänden ausgestattet, Markierungen am Boden weisen auf die Abstandsregeln hin, an den Eingängen wird Desinfektionsmittel bereitgestellt.

Sperrzone: Die Terrassen der Cafés und Restaurants in der Altstadt bleiben weiter menschenleer. Foto: Trauden

Abstandsregeln wurden bisher vorbildlich eingehalten

Die Disziplin der Bürger bei der Einhaltung der Corona-Sicherheitsmaßnahmen schätzen die Einzelhändler gut ein. „Mit dem Abstand halten waren unsere Kunden bisher sehr vernünftig und umsichtig“, berichtet etwa Monika Hirsch von der Buchhandlung Abraxas. Abraxas hat nach der Zwangsschließung einen Liefer- und Abholservice für Bücher angeboten. „Wenn zwei gleichzeitig kamen, haben die beim Warten darauf geachtet, dass sie weit voneinander weg stehen“, sagt Hirsch.

Gastronomen halten sich weiter mit Abholdiensten über Wasser

Dass die Kunden der Einzelhändler mit gutem Beispiel vorangehen, hofft Claudio Colle vom Eiscafé Tiziano beim Ettlinger Schloss. „Wenn sich alle an die Abstands- und Hygieneregeln halten“, sagt er, rückten vermutlich auch Erleichterungen für die Gastronomie näher. Zur Überbrückung der Zeit der Zwangsschließung bietet Colle für Eis und Kuchen einen Abholdienst an. Den normalen Umsatz kann er damit nicht annähernd erreichen. „Wenn das noch einige Wochen so geht, wäre das ein schwerer Einschnitt“, sagt er.

Wie Colle zeigt auch Antonino Sutera von der Pizzeria "Portobello" Verständnis dafür, dass die Gaststätten noch etwas warten müssen, bis sie wieder in den Normalbetrieb übergehen können. Sutera bietet für seine Kunden einen Abholdienst an. Der sei ganz gut angelaufen, erzählt er: 40 bis 50 Bestellungen gingen pro Tag ein.

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