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Neue Arten fürs neue Klima?

Nach drei Jahren Trockenheit geht es dem Ettlinger Wald richtig schlecht

Gerade während Corona wissen die Menschen, was sie am Wald haben. Allerdings leiden die Bäume unter drei Jahren Trockenheit in Folge. Jetzt will man klimaresistentere Arten nachpflanzen.

Verheerend: Das schwere Unwetter im August 2019, hinterließ im Etltinger Wald schwere Schäden. Die Auswirkungen sind bis heute sichtbar. Foto: Werner Bentz

Für den Ettlinger Wald gibt es keine Entwarnung - auch nach ziemlich ergiebigem Regen in diesem Spätwinter nicht. Denn der war nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, hat an der dramatischen Situation nach drei viel zu trockenen Jahren nichts geändert. Besonders kritisch, sagt Ettlingens oberster Förster Joachim Lauinger, „ist die Lage im Hardtwald“.

Aber auch in den Bergwaldzonen seien die Trockenschäden „nicht zu übersehen“. Sorgen macht ihm und seinem Team, dass selbst Baumarten, die bislang als „weitgehend klimatolerant eingestuft wurden, zunehmend unter der Trockenheit leiden“.

Borkenkäfer sind unverändert eine Plage

Die an sich als robust geltende Eiche und die im Ettlinger Wald weit verbreitete Buche „sind deutlich geschädigt“, ihre absterbenden Äste und Kronenteile gefährden Spaziergänger wie Waldarbeiter.

Lauinger, der jüngst den Gemeinderat mit düsteren Zahlen konfrontierte, sieht auch keine Entspannung beim Schädlingsbefall: der Borkenkäfer, seit Jahren eine der Plagen im Forst, setze vor allem den Fichten unvermindert zu.

17 Hektar Schadflächen im Ettlinger Stadtwald

Mittlerweile sind die Schadflächen im kommunalen Wald auf fast 17 Hektar angewachsen. Nur teilweise habe es eine Naturverjüngung gegeben; der überwiegende Teil musste aktiv aufgeforstet werden.

Konkret: In den Jahren 2019/2020 pflanzte der Forst rund 54.000 neue Bäume, wobei einige von ihnen nach dem trockenen Sommer 2020 im Herbst nochmals ausgewechselt werden mussten „Wir versuchen, unseren Wald umzubauen“, so Joachim Lauinger. Mehr denn je wähle man klimaresistentere Baumarten als in der Vergangenheit aus, um das Schadensrisiko künftig etwas zu begrenzen. Gesetzt würden Hainbuchen, Rotbuchen, Spitzahorn oder auch Lärchen und Douglasien.

Ihre Spuren im Stadtwald hinterlassen haben auch zwei Stürme; der eine im Februar 2019, der andere im Sommer 2020, wodurch jede Menge Schadholz anfiel. Das erzielte beim Verkauf weniger gute Preise, musste zudem, bevor es auf den Markt kam, aufgearbeitet werden. Laut Forstabteilung wurden im vorigen Jahr die eigentlich geplanten Einnahmen von 600.000 Euro beim Holzverkauf nicht erreicht.

Nachgepflanzt: Aufforstungen gibt es im Ettlinger Wald auf verschiedenen Flächen, hier eine bei Oberweier Foto: Stadt Ettlingen

122.000 Euro Finanzspritze vom Land Baden-Württemberg

Froh sei man daher über die Unterstützung des Landes-Baden-Württemberg, das mehr als 120.000 Euro Fördermittel an Ettlingen ausgezahlt habe, unter anderem fürs Borkenkäfermonitoring und die Schadholzaufarbeitung. „Dadurch konnten wir zumindest etwas von unseren Vermögensverlusten im Wald ausgleichen.“

Corona hat gezeigt, wie wichtig der Wald als Naherholungsort ist.
Joachim Lauinger, Forstabteilungsleiter Ettlingen

Im laufenden Jahr 2021 will man statt wie bisher 15.000 Festmeter Holz nur 13.000 einschlagen. Holzernte ist im Stadtwald nur dort geplant, wo Bäume schon stark geschädigt sind und man eine weitere Holzentwertung vermeiden möchte. Der Aufwand für die Holzernte ist mit knapp 360.000 Euro kalkuliert.

35.000 Euro veranschlagt der Forst für den Schutz junger Pflanzen vor Wildverbiss, 6.000 Euro sollen in die Instandhaltung von Erholungseinrichtungen gesteckt werden, 60.000 Euro in die Pflege der Waldwege und 2.000 Euro in den Spessarter Walderlebnispfad. Gerade das Corona-Jahr 2020 habe gezeigt, „wie wichtig der Wald als Naherholungsort für die Menschen ist“.

Teilnahme an Pilotprojekt für klimaresistente Baumarten

2021 nimmt Ettlingen an einem Projekt der Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg teil, die untersucht, inwieweit fremdländische Baumarten in heimischen Wäldern dazu geeignet sind, dem Klimawandel zu trotzen.

Im Stadtwald sollen auf einem Hektar dazu vier Nadelbaumarten angepflanzt und deren Entwicklung wissenschaftlich begleitet werden: Nordmanntannen, Schwarzkiefern, Zedern und Türkische Tannen. Die Forstabteilung erhofft sich davon langfristig Erkenntnisse, welche Nadelbaumarten nachgepflanzt werden können, wenn Kiefern, Tannen, Fichten trockenheitsbedingt immer mehr verschwinden.

Lob aus dem Gemeinderat

Für den Gemeinderat, der Joachim Lauinger und seinem Team wie immer für den Einsatz „bei Wind und Wetter“ dankte, ist klar: Mit dem kommunalen Wald lässt sich einstweilen mal kein Geld verdienen, statt dessen müssen 2021 rund 1,1 Millionen Euro zugeschossen werden. Alle Vorhaben, mit denen der Forst dem Klimawandel begegnen will, tragen die Kommunalpolitiker mit.

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