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Energiewende

Neuer Stadtwerkechef Ettlingen:„100 Prozent ökologische Energieversorgung ist unser Ziel“

Viel vor hat der neue Leiter der Ettlinger Stadtwerke, Jochen Fischer. Sein Unternehmen soll noch viel grüner werden. Sorgen bereiten ihm die Bäder, die weiter geschlossen sind.

Vorreiter im Klimaschutz: Das strebt der neue Geschäftsführer der Ettlinger Stadtwerke, Jochen Fischer, für sein Unternehmen an. Foto: Heidi Schulte-Walter

Seit Anfang des Jahres ist Jochen Fischer (52) Chef der Ettlinger Stadtwerke. Der Diplom-Betriebswirt trat die Nachfolge von Eberhard Oehler an, der in den Ruhestand ging. Fischer trägt in der 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Stadt Ettlingen Verantwortung für 250 Mitarbeiter. Über seine ersten Monate und das, was er mit dem kommunalen Energieversorger vorhat, sprach unser Redaktionsmitglied Heidi Schulte-Walter mit Fischer.

Es geht um Nachhaltigkeitslösungen für alle: vom Privatkunden bis zu den großen Industriekunden.
Jochen Fischer, Leiter der Stadtwerke Ettlingen

Wie fällt Ihre Bilanz für die erste Zeit in der Hertzstraße aus?
Fischer

Ich habe mich wirklich sehr gut eingelebt, auch weil es noch eine einmonatige Übergangszeit mit Kollege Oehler gab. Die Energiebranche ist mir ja seit mehr als 20 Jahren vertraut. Natürlich sind die Strukturen bei den Stadtwerken Ettlingen mit ihrer fast 160 Jahre alten Tradition andere als bei den Stadtwerken Müllheim-Staufen, von denen ich gekommen bin. Dort hatten wir als neu gegründetes Stadtwerk 50 Mitarbeiter, hier sind es fünfmal so viele.

Wie sieht`s im zweiten Corona-Jahr bei den Stadtwerken aus?
Fischer

Schwierig ist die Situation, und das wissen Sie ja, vor allem für unsere Bäder. Das Hallenbad im Dauer-Lockdown, die Freibäder derzeit in Wartestellung, ob eine Öffnung ab Pfingsten möglich ist. Der Nicht-Betrieb hat das jährliche Defizit von drei Millionen Euro weiter wachsen lassen, und wir haben auch für 2021 ein schlechteres Ergebnis als in normalen Jahren. Wie die Stadt so sehen die Stadtwerke aber keines der Bäder gefährdet. 2021/2022 sind zweifellos herausfordernde Jahre für uns, aber sie bedrohen uns nicht existenziell. Wir haben mit 50 Prozent eine sehr gute Eigenkapitalstruktur.

Auch die Buhlsche Mühle, Ihr Tagungszentrum, steht seit vielen Monaten leer....
Fischer

Nicht ganz, wir haben dort inzwischen wieder mehr Seminare, Tagungen und Konferenzen. Da hilft uns der modulare Aufbau der Räume, die für verschiedene Gruppengrößen nutzbar sind. Auch haben wir in der Mühle ein sehr gutes Raumbelüftungskonzept. Aber natürlich fehlen uns seit geraumer Zeit die Hochzeiten, die Familienfeiern und die größeren geschäftlichen Events. Inzwischen sind die ersten Buchungen wieder da. Ich sehe übrigens die Nähe von Buhlscher Mühle und Albgaubad als einen Vorteil, denn ich kann mir vorstellen, den Bereich Tagen und Wellness auszubauen. Möglich wäre eine Vergrößerung der Saunalandschaft, Platz dafür ist da.

Bäder und Mühle sind das eine, die kommunale Energiewende das andere. Wie sehen Sie die Stadtwerke hier gefordert?
Fischer

Wir sind auf dem Weg zu einem ökologisch-regenerativen Energieversorger und wollen im Klimaschutz Vorreiter sein. Es geht um Nachhaltigkeitslösungen für alle vom Privatkunden bis zu den großen Industriekunden. Das Ziel: 100 Prozent ökologische Energieversorgung. In Ettlingen liegt der Stromverbrauch bei etwa 200 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Für die regenerative elektrische Energieerzeugung brauchen wir Wasserkraft, Fotovoltaik, Windkraft.

Auf dem Kreuzelberg?
Fischer

Nein, ich denke hier nicht an eine Stadtwerke-Windkraftanlage, sondern an Beteiligungen andernorts. Bei der Fotovoltaik haben wir in Ettlingen noch ungenutzte Potenziale auf Firmen- wie Privatgebäuden. Auch eine größere Freiflächenfotovoltaik-Anlage an geeignetem Ort macht Sinn. Wir haben zudem vor, die regenerative Wärmeversorgung konsequent auszubauen. Nahwärmenetze wie beispielsweise das im Musikerviertel sind ein richtiger Schritt. In der Kernstadt haben wir verschiedene Wärmeinseln, die wir miteinander verbinden wollen, und im neuen Baugebiet Kaserne Nord reden wir über kalte Nahwärme.

Die Stadtwerke sollen also grüner werden.
Fischer

Ganz genau. Das fängt bei der E-Mobilität mit dem Car-Sharing und dem weiteren Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur an und hört bei Biogas-Lösungen auf. An der Seehof-Tankstelle machen wir gerade ein Biogas-Angebot nicht nur für Pkw, sondern zusätzlich für Lkw. Dort wurde jüngst unter laufendem Betrieb umgebaut. Irgendwann werden wir über grünen Wasserstoff reden, aber das wird dauern.

Die Digitalisierung ist bei vielen Energieversorgern ein großes Thema. Wie steht`s damit in Ihrem Unternehmen aus?
Fischer

Wir haben damit begonnen, mit unseren Kunden via Chatbot zu kommunizieren und haben damit unsere Erreichbarkeit verbessert. Wir haben die SWE Cloud, über die der Kunde Dokumente hochladen und mit seinen mobilen Geräten von überall her zugreifen kann. Wir arbeiten an digitalen Lösungen für größere Hausverwaltungen und wir bauen die Breitbandversorgung kontinuierlich aus.

Die Stadtwerke unter Ihrem Vorgänger waren sehr aktiv im Sponsoring. Wie halten Sie`s damit?
Fischer

Das Sponsoring in Ettlingen und der Region ist mir sehr wichtig. Wir wollen hier ein verlässlicher Partner, etwa für die Vereine, bleiben. Was ich weniger sehe, ist dass wir erneut mit einer Veranstaltung wie „Kultur in der Garage 2020“ an den Start gehen, denn das war ein großer Kraftakt für die Stadtwerke. Wir unterstützen bevorzugt die Kulturangebote in der Stadt, zuvorderst die Schlossfestspiele

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