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Furcht vor den Menschenmassen

Pläne für Freizeitzentrum: Wird Zugang zum Rheinstettener Epplesee eingeschränkt?

Der Epplesee in Rheinstetten ist in weitem Umkreis der letzte frei zugängliche Badesee und zieht an warmen Tagen tausende Menschen an. Damit könnte es bald vorbei sein: Ein Stadtrat liebäugelt mit der Idee, das Areal in ein Freizeitzentrum umzuwandeln - samt Eintrittspreisen und Einzäunung.

Epplesee Foto: Werner Bentz

Vor Massenandrang am Epplesee fürchten sich Polizei und Ordnungsamt in Rheinstetten. An Tagen mit über 30 Grad Hitze kommen zu dem frei zugänglichen Gewässer manchmal mehr als 10.000 Menschen. In Corona-Zeiten, in denen der Zugang in die Freibäder mit viel Regelwerk verbunden ist, eher noch mehr.

Die Autokennzeichen belegen es: Das Gros der Besucher kommt aus dem Stuttgarter Raum und aus der Vorderpfalz. Nach dem Chaos in den Pfingstferien am und um den See - die Zugangsstraßen mussten gesperrt werden - fordert der Rheinstettener Gemeinderat Gerhard Bauer, den Epplesee einzuzäunen und ein Freizeitzentrum mit Campingplatz einzurichten.

Die Aufregung über das Riesenverkehrchaos über Pfingsten und Fronleichnam rund um den Epplesee könnte Folgen haben. Jetzt liegt ein Antrag des einflussreichen Rheinstettener SPD-Stadtrats Gerhard Bauer auf dem Tisch, das ganze Areal in ein Freizeitzentrum mit geregelten Betrieb und festen Öffnungszeiten umzuwandeln.

Zaun um den Epplesee? „Wäre überhaupt nicht schön”

„Das wäre überhaupt nicht schön“, meint eine Karlsruherin mittleren Alters. Sie hat am Samstag sich auf der Familienwiese des Baggersees mit einigen Angehörigen auf einem Teppich niedergelassen, um sich, wie sie erzählt, vom Wochenstress zu erholen. Sie komme regelmäßig hierher und wäre auch bereit, statt der Tagesgebühr fürs Parken von bisher vier Euro sieben Euro zu bezahlen, wenn der See für die Allgemeinheit offen bleibt.

Kioskbesitzerin Anna, die seit rund 30 Jahren schon am Epple für Gäste Kaffee, Säfte und kleine Snacks ausgibt, sieht es ähnlich: „Der kommunale Ordnungsdienst könnte öfter vorbeikommen und schauen, dass die Regeln eingehalten werden.“ Dann liefe manches hier geordneter. Sie denkt da beispielsweise an jene, die gegen das Verbot Hunde nicht frei laufen zu lassen, verstoßen.

Ein älterer Badegast, der in der anderen Ecke regelmäßig den „FKK-Strand“ besucht, meint, es würde nicht schaden, den Druck auf den ein oder anderen Spanner, der sich hinter den Büschen versteckt, zu erhöhen.

Dauergast: Verstöße werden von der Stadt kaum geahndet

Da hakt dann auch Helmut Schmidt ein, der seit 50 Jahren fast jeden Tag an den Forchheimer See kommt. Er ist so etwas wie der „Sprecher“ der Stammgäste. Es sei schon traurig, wie wenig die Stadt Rheinstetten ihre 2009 vom Gemeinderat für den See verabschiedete Benutzungsordnung überwache.

Herr Schmidt, Stammgast am Epplesee in Rheinstetten. Foto: Benz

Er wage die These, das kaum einmal Verstöße wie unerlaubtes Lagerfeuer machen, Befahren des Uferbereichs mit einem Motorrad, Grillen mit Gas oder Holzkohle oder Füttern von Tieren geahndet worden sei.

Schmidt fordert auch eine klare Regelung für die einzelnen Uferbereiche ein. Es fehle eine klare Beschilderung für Besucher des Sees. Außerdem stünden die wenigen Toiletten zu weit vom Ufer weg.

Mehrere Studenten aus Karlsruhe, die gerade mit dem Fahrrad angekommen sind, könnten sich durchaus vorstellen, dass die Gebühren auf dem Parkplatz deutlich nach oben geschraubt werden. Das sorge sicherlich, für weniger Blech auf den Zufahrtsstraßen. Aber eine Einzäunung des Epplesees wie bei vielen anderen Baggerseen in der Region sei ein regelrechtes Schreckgespenst. Hier könne man wenigstens noch zu Zeiten kommen, wo andere bereits wieder schlössen oder noch nicht aufgemacht haben. Der See habe den Charakter von „Urlaub und Freiheit. Das soll so bleiben.“

Wildes Parken und kein Respekt vor Hygiene-Regeln

Maria Dik, junges Mitglied des Rheinstettener Gemeinderats ist gegenüber Ideen wie hier ein Freizeit- und Campingzentrum aufzumachen eher skeptisch: „Meine Studienkolleginnen beneiden mich darum, dass wir hier ein solchen frei zugänglichen See haben.“

Herr Bauer, Gemeinderat aus Forchheim, findet, das Fass am Epplesee sei übergelaufen. Foto: None

Gemeinderat Gerhard Bauer derweil meint, das Fass sei übergelaufen. Die Erfahrungen der vergangenen heißen Tage hätten gezeigt, dass es zu viele Menschen gebe, die nicht einmal in Corona-Zeiten bereit seien, sich an die Mindestregelung zu halten. Das wilde Parken von Autos auf landwirtschaftlichen Flächen, das chaotische Verhalten der Menschen am Ufer bedürfe einer Neukonzeption. Deshalb habe er einen entsprechenden Antrag bei Oberbürgermeister Sebastian Schremppgestellt.

Parkgebühren-Kassiererin Toni, die seit Jahren die Tickets für den Parkplatz ausgibt meint, die Erhöhung der Tagesgebühr von vier auf sieben Euro sei unter Umständen wirksam, weil man dann mit anderen Seen wie bei Weingarten gleichziehe.

Ob das aber die vielen Schwaben abhalte, die kommen, da ist sie skeptisch: „Umso größer die Autos, um so weniger sind die Fahrer bereit, die Gebühr zu bezahlen.“ Die parkten dann halt wild. Derweil erzählt ein Heidelberger, weshalb er von soweit an den Epplesee gekommen ist: Hier ist noch eine seltene Möglichkeit, Stand up-Paddling zu betreiben. „Bei uns wäre dies fast nur im Neckar möglich. Am Epplesee ist das Wasser aber ganz rein.

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