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Standort für Erweiterungsbau klar

Privates Ettlinger Gymnasium muss künftig weniger Eltern absagen

Absagen an Eltern und Wartelisten - das soll am Heisenberg Gymnasium Ettlingen in absehbarer Zeit Vergangenheit sein. Die Privatschule darf erweitern.

Auf diese Fläche soll der Erweiterungsbau des Heisenberg-Gymnasiums kommen. Bislang ist dor ein ungeordneter Parkplatz für Zulassungsstelle und Ärztehaus. Foto: Fabry

Als der Trägerverein „Heisenberg-Gymnasium e.V.” vor 20 Jahren das frühere Stabsgebäude der amerikanischen Streitkräfte erwarb und es für Schulzwecke umbaute, ahnte niemand, welche Erfolgsgeschichte sich daraus entwickeln würde.

„Wir haben mit einer fünften und einer sechsten Klasse gestartet, das waren damals 48 Schülerinnen und Schüler“, erzählt Schulleiter Walter Rilling. Anlaufschwierigkeiten gab es keine. Im Gegenteil: die Nachfrage nach Plätzen überstieg das Angebot am Heisenberg von Anfang an. Heute liegt die Schülerzahl bei knapp unter 200. 26 angestellte Lehrkräfte unterrichten dort.

Anders als die beiden allgemeinbildenden und drei beruflichen Gymnasien in Ettlingen ist das private Heisenberg nur einzügig, und zwar bis Klasse zehn. 24 Schülerinnen und Schüler werden pro Klasse aufgenommen.

Erst in der Kursstufe ab Klasse elf gibt es parallele Kleingruppen, in denen unterrichtet wird. Genau die Einzügigkeit aber ist das Problem: „Wir haben jedes Schuljahr doppelt so viel Bewerber wie wir aufnehmen können und jede Absage fällt uns schwer “, sagt Rilling.

Die jungen Leute kommen nicht nur aus Ettlingen, sondern auch aus dem Albtal und aus Malsch. Interessenten aus Karlsruhe werden zwar auf das Heisenberg in der dortigen Nordstadt verwiesen, „aber für Kinder, die in Rüppurr oder Weiherfeld wohnen, ist das ein sehr langer Schulweg.“

Wir könnten mehr Kurse anbieten, wenn wir mehr Schüler aufnehmen dürften.
Walter Rilling,Schulleiter Heisenberg

Also wandte sich das Privatgymnasium vor ein paar Jahren an die Stadt Ettlingen mit dem Wunsch zweizügig zu werden. Neben der großen Nachfrage spielten wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle: „Unsere Schule ist einfach zu klein, Kosten fürs Personal steigen, genauso wie für den Unterhalt unseres Gebäudes.“ Zudem könnte die Kursauswahl ab Klasse elf größer sein, „wenn wir mehr Schüler aufnehmen dürften“, so Rilling.

Zwei Standorte für Erweiterung möglich

Im Oktober 2018 stimmte der Gemeinderat mehrheitlich zu, dass das Privatgymnasium auf zwei Züge erweitern und wachsen darf.

Aber wo? Es kristallisierten sich zwei Standorte auf dem früheren Kasernengelände heraus, die das Karlsruher Büro Modus Consult in einer Machbarkeitsstudie untersuchte: Zum einen den Parkplatz bei der Kfz-Zulassungsstelle in unmittelbarer Nachbarschaft des Gymnasiums, zum anderen den Eingangsbereich der Kaserne zwischen dem Kino Kulisse und der Turnhalle.

Lösung auf dem Parkplatz ist schneller machbar

Frank Gericke, Aufsichtsrat im Trägerverein Heisenberg und bei Modus Consult mit der Studie befasst, sagt: „Beide Standorte haben etwas für sich. Sie sind besser als irgendein Neubau auf der grünen Wiese.“ Vorteil an der Lösung auf dem Parkplatz sei, dass sich das Projekt dort leichter realisieren lasse als an der Kasernenzufahrt, wo ein aufwendiges Torgebäude errichtet werden müsste.

Für den Parkplatz, mit dessen privatem Eigentümer sich das Heisenberg einig ist, gibt es schon einen Bebauungsplan. Der kann allerdings nicht angewandt werden, weil er nur ein Parkhaus vorsieht und kein Schulgebäude. Ein neuer vorhabenbezogener Bebauungsplan muss also aufgestellt werden.

Wir werden am Ende nicht weniger Stellplätze haben als jetzt.
Wassili Meyer-Buck, Chef des Ettlinger Planungsamtes

Wie Gericke hält auch Ettlingens Stadtplaner Wassili Meyer-Buck einen Neubau auf dem Parkplatz für geeigneter und warb im zuständigen Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats dafür. Die bislang vorhandenen Stellplätze würden neu geordnet, einige im Erweiterungsbau des Heisenberg geschaffen und ansonsten in der Straße Am Lindscharren.

„Wir werden am Ende nicht weniger Stellplätze haben als jetzt“, zerstreute Meyer-Buck Bedenken. Eine Tiefgarage sei aus betrieblichen wie finanziellen Gründen keine Option. Mit Blick auf den sensiblen denkmalgeschützten Kasernenbereich will die Stadt, dass ein Architektenwettbewerb gemacht wird, eine Mehrfachbeauftragung von mindestens sieben Planungsbüros.

Die ehemalige Rheinlandkaserne von oben. In dem großen Querbau in der Mitte befindet sich unter anderem das Heisenberg-Gymnasium, das zweizügig werden will und dafür zusätzlichen Platz braucht. Foto: Stadtplanungsamt Ettlingen

Ziel: eine hochwertige städtebauliche Lösung und kein Null-Acht-Fünfzehn-Gebäude. Der beste Entwurf soll dann als Grundlage für den Bebauungsplan „Erweiterung Heisenberg-Gymnasium“ dienen.

Elternbeirat ist froh über die Entwicklung

Der Elternbeirat des Heisenberg-Gymnasiums begrüßt die Entwicklung und hofft, dass der Gesamtgemeinderat Mitte Juli abschließend „Ja“ sagt. „Nur mit der Zweizügigkeit können wir die Schule in Ettlingen auf Dauer wirtschaftlich führen und sichern“, sagt die langjährige Vorsitzende Corinna Findling-Zolper, die noch eine Tochter am Heisenberg in Karlsruhe hat.

Sie und ihr Mann hätten sich bewusst fürs Privatgymnasium entschieden: „Wir sind beide selbständig , brauchen die absolute Verlässlichkeit einer Ganztagesschule, in der die Kinder gut betreut werden.“ Überzeugend sei, dass es praktisch keinen Unterrichtausfall gebe und die Klassen so klein seien.

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