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Hilfe kann gelotst werden

Mehr als ein Schild: Beim plötzlichen Notfall im Wald können Rettungspunkte Leben retten

Was ist, wenn einem auf der Radtour oder Wanderung mitten im Wald etwas passiert? Dem Rettungsdienst eine genaue Ortsbeschreibung zu liefern, fällt oftmals schwer. Hier greifen Rettungsschilder, die schnelle Hilfe über den besten Weg ermöglichen.

Retter in der Not: Die Schilder des Roten Kreuzes hängen an rund 1.500 Stellen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe. Hier etwa im Wald bei Rheinstetten am Forchheimer Sträßle. Foto: Stefan Sebold

Es ist ein heiterer Ausflug der Feuerwehr von Marxzell-Schielberg am Vatertag – plötzlich kippt einer der Kameraden bei Völkersbach einfach vom Rad. Ein medizinischer Notfall. „Er war bewusstlos“, berichtet German Christle vom Feuerwehr-Förderverein von der lebensbedrohlichen Situation.

„Da ist ein Rettungsschild, rief plötzlich Einer.“ Die Daten wurden beim Notruf mit durchgegeben. „Gefühlt in Sekunden war das Rote Kreuz da.“ Doch viele Menschen wissen gar nichts mit den Schildern in Wald und Flur anzufangen, weiß man beim DRK.

In der Corona-Zeit sind Ausflüge und Sport im Forst noch beliebter geworden, oftmals auch allein. Was, wenn eine Herzattacke einsetzt oder man sich den Knöchel bricht?

Jede Sekunde kann zählen

„Es kann jede Sekunde zählen. Dann sind exakte Informationen für den Rettungsdienst ganz wichtig“, betont Stefan Sebold aus Rheinstetten, beim DRK-Kreisverband Karlsruhe Ansprechpartner für die Rettungsschilder.

Mit einem Schild in Oberderdingen begann man 2004, inzwischen gebe es rund 1.500 im Stadt- und Landkreis. Jeder solle sich einmal die Frage stellen: „Was würde ich tun, wenn ich etwa im Wald unterwegs bin und die Leitstelle fragt, wo genau ich bin?“ Da helfen die Rettungsschilder.

Eigeninitiative nach Ernstfall: Bei Schielberg befestigt Marc Kübler eine Rettungstafel. Foto: Thomas Kunz

Über den Code können die Retter nicht nur den Standort direkt ermitteln, es sind auch exakte Anfahrtswege hinterlegt. „Es geht im Zweifel nicht um den Kürzesten, sondern den sichersten Weg“, verdeutlicht Sebold. Somit haben die Schilder auch in Zeiten möglicher Handy-Ortungen ihre Berechtigung. Es vergehe keine Woche, in der kein Rettungsdiensteinsatz über die Rettungsschilder gesteuert wird, so Sebold.

Was bringe es, wenn der kürzeste Weg laut Navi anvisiert wird und die Retter dann vor einer geschlossenen Schranke oder Pollern im Wald in einer Sackgasse stehen? Hat man die Rettungsschild-Kennziffer, wird der Ort und Zusatzinformation direkt ans Navigationsgerät des alarmierten Rettungswagens übermittelt.

Manchen Wanderer, Läufer oder Radfahrer treibt die Frage um, ob auch ohne Netz ein Notruf mit dem Handy überhaupt möglich ist. „Man muss ein Netz haben, sonst geht auch kein Notruf“, so Sebold. Aber: Der Notruf greift auf alle verfügbaren Netze zu, nicht nur das des eigenen Anbieters.

Notruf absetzen ist fast immer möglich

Insofern komme es in der Region so gut wie nicht vor, dass kein Notruf abgesetzt werden kann. Kein Verständnis hat DRK-Mann Sebold dafür, wenn Schindluder mit den Rettungsschildern getrieben wird.

„Es wurden schon Schilder geklaut und dann an anderer Stelle wieder aufgehängt.“ So passiert bei Bretten. Im Ernstfall werden die Retter so in die Irre geführt, im schlimmsten Fall kostet es ein Menschenleben.

Die Initiative, Rettungsschilder des DRK aufzuhängen, gehe etwa von Gemeinden, Vereinen wie DRK-Ortsvereinen oder Feuerwehren aus.

So auch nach dem rettenden Einsatz bei der Feuerwehr in Schielberg. „Wir wollten nach dem Vorfall das Aufstellen von Schildern angehen“, erzählt Fördervereinsvorsitzender German Christle.

Die Gemeinde habe kein Interesse signalisiert, man startete eine Spendenaktion – Firmen und Privatleute unterstützten. „Am Ende haben wir 16 Schilder aufgestellt“, ist Christle froh. Für die ausgesuchten Standorte im Wald habe man zuvor Koordinaten ermittelt, Anfahrtswege festgelegt und von Gemeinde beziehungsweise Landratsamt genehmigen lassen. Läuft ein Projekt in Kooperation mit dem DRK, koste eines laut Stefan Sebold 25 Euro, werde ins System eingepflegt und fertig geliefert. Das Anbringen ist Sache der Initiatoren.

Öfter als man denkt: Mit wachem Blick registriert man das Rettungsschild beim Ettlinger Panoramweg. Foto: Rainer Obert

Einen wichtigen Service wird der DRK-Kreisverband nach der BNN-Recherche auf den Weg bringen. Sebold informiert, dass eine interaktive Karte mit allen Rettungsschildern erarbeitet wird.

Karte mit Rettungspunkten bald beim DRK online

So können Menschen, etwa beim Planen von Touren, nachschauen, wo in der Nähe Rettungspunkte sind. Die Karte soll schon in der kommenden Woche auf der DRK-Internetseite einsehbar sein.

Den Nutzen der Schilder sehen auch andere, wenn es konkret wird, so Christle. Wie jüngst in Schielberg. „Beim Holzmachen rutschte jemand an einer Böschung ab. Er ist nicht heimgekommen.“

Jemand sei zur Suche losgeschickt worden, konnte eines der neuen Schilder beim Notruf benennen – der Rettungsdienst war schnell da. Diskutiert würden nun Rettungspunkte für die anderen Marxzeller Ortsteile. Und auch der geschilderte Fall des vom Rad gekippten Vatertags-Ausflüglers hatte ein Happy End. „Er hat eine neue Herzklappe bekommen, es geht ihm wieder gut.“

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