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Corona-Ansteckung vermeiden

Separate Praxis eröffnet: Hausärztin aus Waldbronn trennt Erkältungspatienten und chronisch Kranke

Um chronisch Kranke vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, nimmt Hausärztin Elisabeth Ott Patienten mit Erkältungssymptomen raus aus ihrer Waldbronner Praxis. Künftig werden sie in einer separaten, vorübergehenden "Erkältungspraxis" in der Volkshochschule behandelt.

Ärzte sind in Corona-Zeiten doppelt belastet: Sie müssen ihre Patienten so gut es geht schützen, aber genauso sich selbst und ihr Personal. Foto: dpa

Mit Erkältungssymptomen wie Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen geht man zum Hausarzt – so war es zumindest, bevor die gefährliche Lungenkrankheit namens Covid-19 nach Deutschland kam.

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Inzwischen versuchen Allgemeinmediziner, diese Menschen in ihren Wartezimmern von den anderen zu trennen. Die, die mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Herzleiden zu kämpfen haben und durch das Coronavirus besonders gefährdet sind.

Ähnliche Symptome machen Unterscheidung schwer

„Wir können bei Erkältungspatienten nicht mehr unterscheiden, ob jemand nur eine normale Erkältung hat oder mit dem Coronavirus infiziert ist“, erklärt Elisabeth Ott, die mit fünf Mitarbeiterinnen in ihrer Hausarztpraxis in Waldbronn am Tag bis zu 60 Patienten betreut.

Rund ein Dutzend davon kämen mit Erkältungssymptomen – „das hat in den letzten Tagen deutlich zugenommen“, sagt sie. Durch Aufteilung der Wartenden auf verschiedene Zimmer habe man schon versucht, die Ansteckungsgefahr zu senken.

Eröffnung am 25. März

Um ihr Personal und die chronisch Kranken im Wartezimmer besser zu schützen, hat Ott gemeinsam mit der Gemeinde nun eine „Erkältungspraxis“ in der Volkshochschule eröffnet. Ott und vier Helferinnen kümmerten sich dort am Mittwoch um die ersten Patienten. „Die Leute sind sehr froh, dass sie eine Anlaufstelle haben“, berichtet eine Helferin.

Keine Corona-Tests

Die Erkältungsstation ist als vorübergehende Einrichtung gedacht, sie soll fortan immer werktags von 12 bis 15 Uhr geöffnet sein. Patienten müssen sich ab 11 Uhr telefonisch anmelden. Das Angebot richtet sich ausschließlich an Waldbronner Bürger, Corona-Tests werden nicht angeboten. Parallel läuft der Betrieb in Otts Hausarztpraxis weiter.

Acht Mitarbeiter der Gemeinde helfen mit

„Die Gemeinde hat extrem schnell reagiert“, lobt die Medizinerin die Kooperationsbereitschaft der Verwaltung, auf die sie zugegangen war.

„Acht Mitarbeiter haben sich sofort freiwillig gemeldet, zu helfen“, zeigt sich auch die Leiterin des Waldbronner Personalamts, Sabine Liebke, erfreut. Die Volkshochschule als Gebäude für die Praxis bot sich an, da sie ihren Betrieb wegen des Coronavirus vorübergehend auf Eis legen musste.

Kassenärztliche Vereinigung rät zur Trennung von Patienten

Die Kassenärztliche Vereinigung, die die Interessen von rund 17.000 niedergelassenen Ärzten in Baden-Württemberg vertritt, empfiehlt die Trennung von Menschen mit Erkältungssymptomen und anderen Patienten. Etwa durch räumliche Separation der Wartenden oder Schichtsysteme, in denen morgens nur Erkältungspatienten an die Reihe kommen und danach die anderen.

Arztbesuch nur nach Anruf

„Wir wissen auch, dass es lange nicht in allen Praxen möglich ist“, sagt KV-Sprecherin Swantje Middelhoff. Sie rät Menschen mit Erkältungssymptome dringlich, vor dem Besuch beim Hausarzt anzurufen. Am Abend oder an Wochenende sei der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 erreichbar.

Mangel an Schutzausrüstung

In fast jedem Landkreis gebe es inzwischen „Corona-Praxen“ oder Abstrichstellen für Tests, sagt Middelhoff. Sorgen bereite den Ärzten die mangelnde Schutzausrüstung: „Wir haben eine Abteilung, die gerade nur damit beschäftigt ist, Quellen für Schutzkleidung ausfindig zu machen.“ 50.000 Schutzmasken hatte der Bund Baden-Württemberg laut KV versprochen – am Dienstag seien aber lediglich Mundtücher gekommen und davon viel weniger als 50.000.

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