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Verhandlungen gescheitert

SRH-Gesundheitszentren: 180 Menschen streiken in Waldbronn für fairere Löhne

Sie wollen nicht länger am „Katzentisch“ sitzen, sondern „Teil der SRH-Familie sein“: Dafür haben am Dienstag in Waldbronn rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SRH-Gesundheitszentren in Waldbronn, Bad Herrenalb und Dobel gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hatte nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen mit der SRH zum Warnstreik aufgerufen.

Mit Fahnen, Plakaten und Trillerpfeifen demonstrierten 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SRH Gesundheitszentren (ehemals Ruland-Kliniken) in Waldbronn für fairere Löhne. Foto: Julia Trauden

Sie wollen nicht länger am „Katzentisch“ sitzen, sondern „Teil der SRH-Familie sein“: Dafür haben am Dienstag in Waldbronn rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SRH-Gesundheitszentren in Waldbronn, Bad Herrenalb und Dobel gestreikt. Die Gewerkschaft Verdi hatte nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen mit der SRH am 4. März zum Warnstreik aufgerufen.

Die Streikenden fordern für die rund 550 Beschäftigten der im Juni 2018 von der SRH aufgekauften Ruland-Kliniken eine Anpassung an das Tarifniveau der SRH-Kliniken. Einen Kompromissvorschlag, wonach eine stufenweise Anpassung der Bezahlung über fünf Jahre passieren soll, wurde laut Verdi von der Arbeitgeberseite als „nicht finanzierbar“ zurückgewiesen.

Bis zu 40 Prozent weniger Lohn

Den von der der Geschäftsführung der SRH-Gesundheitszentren vorgelegten Kompromissvorschlag bezeichnete die stellvertretende Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Amely Poll bei dem Warnstreik als „Provokation“. Die SRH hatte vorgeschlagen, die Mitarbeiter der Gesundheitszentren nach einem Haustarifvertrag zu bezahlen.

Das darin vorgesehene Entgelt bleibe etwa für Sozialarbeiter bis zu 40 Prozent unter dem Niveau an den SRH-Kliniken zurück, kritisierte Poll. Das sei „Lohndumping als Strategie zur wirtschaftlichen Sanierung der Klinken“, zitierte sie Verdi-Verhandlungsführer Sven Bergelin.

Ruland-Acura-Kliniken wurden 2018 von der SRH übernommen

Die ehemaligen Ruland-Kliniken wurden bereits 2011 von den Acura-Kliniken übernommen, nach wenigen Jahren rutschten sie in die Insolvenz. Mit der Übernahme durch die SRH im Juni 2018 wurde die 2016 begonnene Sanierung im Rahmen der Insolvenz abgeschlossen. Gemeinsamer Träger wurde die Gesundheitszentren Nordschwarzwald GmbH, ein Tochterunternehmen der SRH Kliniken GmbH. Laut Gewerkschaft wurde den Mitarbeitern damals eine Anwendung des SRH Tarifvertrags für Kliniken versprochen. Das Versprechen wurde nicht gehalten. Als „eklatanten Wortbruch“ bezeichnet das Verdi.

Die 180 Streikenden zogen nach einer Kundgebung am Rathausmarkt zur SRH Klinik in Waldbronn. Foto: Julia Trauden

Neue Mitarbeiter verdienen besser als altgediente

„In Krisenzeiten, als der Konkurs bevorstand, haben die Mitarbeiter den Bestand der Kliniken gesichert“, erklärt ein 64-Jähriger Teilnehmer des Warnstreiks, der als Psychologe im Gesundheitszentrum Bad Herrenalb arbeitet. Dass dies mit einer ungerechten Bezahlung gewürdigt werde, macht ihn sauer. „In der Leitungsebene sprechen wir von Gehaltsunterschieden im Bereich von 1.000 Euro.“

Besonders ungerecht findet er, dass neue Kräfte mit wenig Erfahrung in der Übergangsphase vor der Übernahme 2018 mit „günstigen Verträgen“ gelockt worden seien. Sie würden oft besser bezahlt als langjährige Mitarbeiter wie er, der vor 30 Jahren zu den Ruland-Kliniken gekommen war.

MIni-Job im Pflegedienst zur Aufstockung des Gehalts

Neue Mitarbeiterinnen wie die 33-jährige Susi, die ihren vollständigen Namen lieber nicht nennen möchte, zeigen beim Warnstreik Solidarität mit den „altgedienten“ Kollegen. „Ich, die vor einem Jahr dazu kam, verdiene wesentlich mehr als eine Kollegin, die seit 26 Jahren dabei ist“, sagt die 33-Jährige, die in Waldbronn in der Diagnostik arbeitet. Dort werden etwa Blutabnahmen und Elektrokardiografien (EKG) vorgenommen.

Ihre Kollegin, die 63 Jahre alt ist und vor fünf Jahren zur Ruland-Klinik in Dobel kam, muss sich zusätzlich mit einem Mini-Job im Pflegedienst über Wasser halten. Als „Riesenenttäuschung“ bezeichnet die Karlsruherin die Ablehnung einer Übernahme der Mitarbeiter der ehemaligen Ruland-Kliniken in den Tarifvertrag für SRH-Kliniken.

Verhandlungen vorerst auf Eis gelegt

Die Solidaritätsbekundungen von anderen SRH Kliniken, allen voran der in Karlsbad-Langensteinbach, überbrachte Verdi-Gewerkschaftssekretär Klaus Nägele den Streikenden. Weitere Warnstreiks schloss er nicht aus. Einen weiteren Termin für die Tarifverhandlungen gibt es noch nicht.

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