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Von Ettlingen-West ins Zentrum

Anwohner fürchten mehr Lärm, wenn altes Gleis für Stadtbahnen reaktiviert wird

Es ist ein ehrgeiziges Projekt: Die Reaktivierung der alten Schienen von Ettlingen-West zum Erbprinz für Stadtbahnen. Anwohner sind hier eher skeptisch.

Soll reaktiviert werden für Stadtbahnen: Die derzeit nur für den Güterverkehr genutzte Verbindung von Ettlingen-West zum Halt Erbprinz im Zentrum. Anwohner sind nicht begeistert. Foto: Heidi Schulte-Walter

Die einen fürchten um ihren Kleingarten, die anderen um den Wert ihrer Immobilie, wieder andere haben Sorge vor deutlich mehr Lärm oder machen sich Gedanken um die Sicherheit der Radfahrer. Das alles im Zusammenhang mit der geplanten Entwicklung des ehemaligen Elba-Areals und der Reaktivierung der alten Schienenverbindung zwischen Ettlingen-West und der Haltestelle „Erbprinz“.

Über die informierten Stadtverwaltung, Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) und Landratsamt Karlsruhe erstmals gemeinsam die Bürger, nachdem sich zuvor schon der Gemeinderat damit befasst und grundsätzlich zugestimmt hatte. Mit von der Partie beim so titulierten „Ettlinger Gespräch unterwegs“ war auch ein Vertreter des Landesverkehrsministeriums.

AVG will Betriebshof vom Zentrum in den Westen der Stadt verlagern

Die AVG plant mittelfristig einen Umzug ihres Betriebshofes aus dem Ettlinger Ferning auf das vormalige Elba-Areal, das sie gekauft hat. Im Ferning und damit in zentraler Innenstadtlage könnten dann 150 neue Wohnungen gebaut werden, zur Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes.

Hörten, was Stadt und AVG auf dem Elba-Gelände und mit der Schienenverbindung zum Erbprinz vorhaben: Bürger aus dem Musikerviertel und aus Ettlingen-West. Foto: Heidi Schulte-Walter

Auf dem insgesamt zehn Hektar großen Elba-Grundstück ist außer dem AVG-Betriebshof vorgesehen, Gewerbeflächen (Büros, Dienstleistung, Nahversorgung) zu schaffen und Wohnungsbau zu realisieren. Das Ganze im Verhältnis 70:30, so Stadtplaner Wassili Meyer-Buck. Er geht von künftig 2.000 Arbeitsplätzen in dem Gebiet aus, außerdem 200 Wohnungen. Ein Wettbewerb junger europäischer Architekten ist bereits auf den Weg gebracht.

Um den Ettlinger Westen künftig besser an den ÖPNV anzubinden, soll das alte Industriegleis vom Bahnhof Ettlingen-West zum Erbprinz für die Stadtbahnen wiederbelebt werden. Derzeit verkehren dort nur Güterzüge.

Das Verkehrsministerium will mit der Reaktivierung von insgesamt 42 alten Strecken im Land bis 2030 eine „Verdoppelung der Fahrgastzahlen“ erreichen, so sein Vertreter Martin Hilger. Eine Machbarkeitsstudie habe der Verbindung Ettlingen-West/Erbprinz Bestnoten gegeben.

Rund 100 Stadtbahnfahrten täglich?

Christian Höglmeier, Mitglied der AVG-Geschäftsführung, erklärte dazu, es sei vorgehen, die Stadtbahn von Rastatt nicht nur über den Bahnhof Ettlingen-West weiter zum Karlsruher Hauptbahnhof zu führen, sondern mit einer Schleife an die alte Strecke hoch ins Ettlinger Zentrum anzubinden und von dort aus weiter nach Ittersbach zu fahren.

Ein zusätzlicher Haltepunkt am Beruflichen Bildungszentrum (Ettlinger Musikerviertel) solle kommen, Busverkehr werde reduziert. Die Verlagerung des AVG-Betriebshofes bedeute 40 Ein- und Ausfahrten von Stadtbahnen am Tag.

Auf Nachfrage sagte Höglmeier den BNN und zwei anwesenden Stadträtinnen später, insgesamt rede man auf der wiederbelebten Strecke dann von rund 100 Stadtbahnfahrten täglich. Die AVG rechne allein auf der Verbindung ins Ettlinger Zentrum mit 200 Fahrgästen pro Tag mehr.

Ein Stadtbahnanschluss ist kein Malus für ein Wohngebiet.
Johannes Arnold,Oberbürgermeister

„Wohnen wir dann an einer Schnellbahnstrecke?“, wollte ein Bürger aus dem Rohrackerweg wissen, der die Wohnqualität durch mehr Züge in Gefahr sieht. Nein, versicherte dazu Oberbürgermeister Johannes Arnold (Freie Wähler), der betonte, im erforderlichen Planfeststellungsverfahren für die Schienenaktivierung werde der Lärmschutz eine wichtige Rolle spielen.

Im Übrigen sei ein Stadtbahnanschluss für ein Wohngebiet kein Malus. „Wir stehen ganz am Anfang“, so Arnold. Bis zwischen Ettlingen-West und Erbprinz Stadtbahnen rollen, werden mindestens noch fünf Jahre, vielleicht auch sieben, ins Land ziehen.

Sorge um die Zukunft von Kleingärten

„Was passiert mit unseren Kleingärten, die wir zum Teil seit 40 Jahren bewirtschaften und die wichtig für die grüne Lunge sind?“, fragte eine Bürgerin. Die Stadt werde Ersatzflächen für bei der Unterführung Goethestraße wegfallende Gärten anbieten, und zwar südlich des Sportparks „Baggerloch“, lautete die Antwort.

Er fürchte „noch mehr Parkprobleme“, wenn das Elba-Gelände bebaut werde, sagte ein Anwohner. Schon jetzt sei die Situation schlimm. Auch dafür werde man Lösungen finden durch ausreichend Parkflächen und ein Parkhaus, erklärte Stadtplaner Meyer-Buck.

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