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Wohnungen und Büros

Startschuss für 32-Millionen-Bauprojekt auf dem alten Feuerwehrgelände in Ettlingen

Das prominente Ettlinger Bauprojekt auf dem alten Feuerwehrareal hat offensichtlich nicht nur strahl-, sondern auch Schusskraft. Beim symbolischen Spatenstich wurde deutlich, warum die Millioneninvestition so wichtig ist und sich die Planung lange hinzog.

Mit Kanonendonner wird der Startschuss fürs neue Stadtquartier auf dem ehemaligen Feuerwehrgelände gegeben. Foto: Klaus Müller

Der Startschuss war in Ettlingen unüberhörbar. Mit einem Trommelfell durchdringenden Knall entwich die Treibladung aus der Kanone. Am Auslöser zogen Oberbürgermeister Johannes Arnold, Steffen Neumeister, Geschäftsführer der Stadtbau Ettlingen, Architekt Jürgen Alshut, der Kommandant der Ettlinger Bürgerwehr, Thilo Florl, und Bürgermeister Moritz Heidecker.

Nach dem Knall wurde es auch dem Letzten klar: Der Bau des Stadtquartiers „Alte Feuerwehr“, eben auf dem Gelände des vormaligen Feuerwehrhauses, konnte beginnen. Der folgende symbolische Spatenstich, zumal den meisten noch immer das Ohr klingelte, war Formsache.

Überhaupt gestaltete sich der Startschuss respektive der Spatenstich als launige Angelegenheit. Neumeisters Aufforderung „Der Haufen muss ins Loch“, konnte sich niemand entziehen. Gemeint war der für den Spatenstich angekarrte Erdhaufen, den der Stadtbau-Geschäftsführer am liebsten gleich ins bereits bestehende Aushubloch auf dem rund 4.700 Quadratmeter großen Bauareal verfrachtet hätte.

Jahrelang wurde an dem Feuerwehr-Areal in Ettlingen geplant

Dem ungewöhnlichen Spatenstichtermin am Samstagvormittag gewann Alshut, Geschäftsführer von „Bau 4 Architekten“, sogar etwas Positives ab: „Dann kann man unter der Woche mehr schaffen.“

Für uns war das ein echter Sprint.
Jürgen Alshut, Architekt

Im März übernahm das Büro die weitere Planung für das Stadtquartier. Binnen kurzer Zeit entstand eine Planung, die in die Genehmigung eines Bebauungsplans münden soll. Keine Zweifel, dass dies klappt, hat Neumeister. „Für uns war das ein echter Sprint“, bemerkte im Gespräch mit den BNN Architekt Alshut.

Das dürfte ein Sprint nach einem schier endlos langen Marathon gewesen sein. Jahrelang wurde an dem freigewordenen Areal rumgedoktert und rumgeplant. Ohne Ergebnis. Das Feuerwehrgelände fand keinen Abnehmer. Am Ende erwarb es die Stadtbau.

Den Weg bis dahin, mit all seinen „Umwegen und verbauten Wegen“, verglich OB Arnold mit dem Spiel „Das verrückte Labyrinth“. Als jeder glaubte, das Vorhaben befindet sich endlich auf dem richtigen Weg, kam es zum Knatsch mit dem Architekten Traugott Lieb (Freudenstadt). Mit seinem Bruder gewann er den ausgeschriebenen Wettbewerb für die Projektgestaltung.

Die Gebäude-Kubatur, einschließlich der Außenfassade, überzeugt nach wie vor. Zu Unstimmigkeiten und Reibungsverlusten kam es zwischen der Stadtbau und Lieb wegen der Innengestaltung der Baukörper. Der vom Büro Lieb eingereichte Bauantrag wurde vom Bauordnungsamt abgelehnt.

Mehrfamilienhäuser, Büros und ein Café sind auf dem Gelände in Ettlingen vorgesehen

Inzwischen sind die beiden Parteien so zerstritten, dass die Angelegenheit aller Voraussicht bei Gericht aufschlägt. Die Stadtbau arbeite eine Schadensersatzforderung gegen das Büro aus, berichtete auf Nachfrage Neumeister. Im Raum steht ein mittlerer sechsstelliger Betrag.

Das Büro „Bau 4“ übernahm die weitere Ausarbeitung des Bauantrags. Die Planung sieht laut Alshut unter anderem Büros für die Stadtverwaltung vor, fünf Mehrfamilienhäuser mit 37 (Miet-)Wohnungen, eine Tiefgarage und ein Café. Hinzu kommt die Sanierung des Hotels Sonne und der dortigen Gaststätte.

Das Areal hat die Stadtbau erworben. Veranschlagt seien fürs Gesamtprojekt 32 Millionen Euro, so Neumeister. In jedem Fall, so Arnold, handle es sich um ein besonderes Bauvorhaben am „Saum der Altstadt“. Nach dem Knall und nach Gottes Segen, erteilt von Pfarrer Martin Heringklee, soll endgültig der Weg aus dem verrückten Labyrinth gefunden sein. Ob dem so ist, könnte sich in 24 Monaten zeigen. Dann nämlich soll das Stadtquartier „Alte Feuerwehr“ stehen.

Bürgerwehr greift historischen Bezug auf

Die Teilnahme der Bürgerwehr war eine Reminiszenz an Philipp Adam Thiebauth, Gründer der der Bürgerwehr, einst Ettlinger Bürgermeister sowie badischer Revolutionär und Wirt des direkt beim Baufeld gelegenen Gasthauses „Sonne“.

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