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Rote Zahlen

Stadtwerke Ettlingen erwarten Millionen-Verlust

Erstmals seit Jahren schreiben die Stadtwerke Ettlingen wieder rote Zahlen. Und es könnte aufgrund der Corona-Krise im laufenden Jahr noch dicker kommen. Vor allem die Bäder machen Sorge.

Albgaubad Ettlingen 2009 Foto: Archiv Andrea Fabry

Da kommt keine Freude auf: Die Stadtwerke Ettlingen haben nach fünf Jahren mit einem Plus im sechs- und siebenstelligen Bereich 2019 ordentlich Miese gemacht. Konkret: rund 390.000 Euro.

Zum einen resultiert das Minus aus dem Erneuerbaren Energien-Gesetz. Hier hat der kommunale Energieversorger in 2018 zu wenig Rückstellungen gebildet für Zahlungen, die voriges Jahr fällig wurden.

Zum anderen brachte die Stadtwerke-Beteiligung am Offshore-Windpark Baltic 1 der EnBW eine geringere Dividende, und sanken die Erträge bei der Telemaxx-Gesellschaft, an der die Stadtwerke Ettlingen beteiligt sind.

Darüber hinaus finanzierten sie 20 Autos fürs E-Car-Sharing vor und ebenso viele Ladestationen. Die Förderung aus Berlin kommt aber erst 2020 und wird sich dann niederschlagen.

Im Albtal brach ein großer Stromkunde weg

Sowohl Stadtwerke-Geschäftsführer Eberhard Oehler als auch der Aufsichtsratsvorsitzende, OB Johannes Arnold, sprachen von „Sondereffekten“, die noch kein Grund zur Besorgnis seien. Im vorigen Jahr verkauften die Stadtwerke Ettlingen an ihre Kunden 187 Millionen Kilowattstunden Strom und erzielten damit Umsatzerlöse von 27,1 Millionen Euro ( 2018: 28,2 Millionen Euro).

Ein großer industrieller Stromabnehmer im Albtal brach den Stadtwerken weg. Beim Gas blieben die Zahlen ziemlich konstant: 483 Millionen Kilowattstunden wurden verkauft. Die Umsatzerlöse lagen bei 16,7 Millionen Euro (2018: 16,9 Millionen).

Beim Wasser stiegen die Umsatzerlöse leicht von 4,86 Millionen Euro auf 4,88 Millionen. Insgesamt gingen 2,1 Millionen Kubikmeter Wasser an die Kunden. Positiv entwickelt sich auch das Geschäft bei der Wärmeversorgung: hier wurden unter anderem im Gebiet Oberes Albgrün neue Abnehmer gewonnen.

Buhlsche Mühle: Keine Buchungen wegen Lockdown

Das Veranstaltungszentrum Buhlsche Mühle bescherte 2019 weniger Defizit: Es sank von 590.000 Euro auf nunmehr 448.000 Euro. Oehler sprach von „sehr guter Buchung und offensiver Akquise“. Allerdings: Corona dürfte die Bilanz 2020 trüben, fanden doch monatelang weder Feiern noch Tagungen statt und läuft das Geschäft erst jetzt wieder an.

Mit Dienstleistungen machten die Stadtwerke voriges Jahr einen Gewinn von zwei Millionen Euro. Dafür verantwortlich ist vor allem die Netzgesellschaft, die sich im Breitbandausbau und im Leitungsbau engagiert.

Erdgastankstelle am Seehof wird erweitert

Im laufenden Jahr erneuert sie die Wasserleitung in der Durlacher Straße, ist in der Friedensstraße, der Karl-Friedrich-Straße und der Rheinstraße unterwegs. Im August abgeschlossen sein soll das Netz-Projekt im Musikerviertel, bis September dauern wird die Erneuerung der 20 KV-Leitung in der Moosbronner Straße in Schöllbronn. Summa summarum liegen die Investitionen der Netz GmbH bei sechs Millionen Euro.

Neues auch von der Erdgastankstelle am Seehof: Sie wird bis Dezember um eine spezielle Tanksäule für Lkw erweitert. Kostenpunkt: 80.000 Euro, die sich rechnen sollen, da die Nachfrage von Erdgas-Lkw und Erdgas-Bussen hoch sei.

Die Besucherzahlen in den Bädern sind stark limitiert.
Eberhard Oehler, Stadtwerke-Geschäftsführer

Zu den Bädern und damit dem defizitärsten „Geschäftsfeld“ der Stadtwerke Ettlingen: 2019 standen hier unterm Strich 3,5 Millionen Euro Miese (2018: 3,8 Millionen). Fürs Corona-Jahr 2020 erwartet Oehler nichts Gutes: Zum einen seien das Hallenbad und die Sauna seit März dicht und niemand wisse, wann genau sie wieder geöffnet werden dürfen. Man hoffe auf den Oktober.

Zum anderen sei die Besucherzahl in den übrigen Bädern „ stark limitiert“, um Abstandsregeln einhalten zu können. Im Albgaufreibad sind 1.000 Besucher gleichzeitig erlaubt, am Buchtzigsee 1.200 und im Waldbad Schöllbronn 750.

Corona erhöht das Bäderdefizit um bis zu eine Million Euro

Die Beschränkung, der personelle Mehraufwand für Kontroll- und Hygienemaßnahmen und die anhaltende Schließung des Hallenbades werden Oehler zufolge dazu führen, dass „ wir 2020 zwischen vier- und viereinhalb Millionen Euro Bäder-Defizit verkraften müssen.“ Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Arnold steht jedoch keines der Ettlinger Bäder zur Disposition: Sie seien ein „sozialpolitisches Angebot“, an dem die Stadt und damit der Gesellschafter der Stadtwerke, festhalten wolle.

Corona wird sich aller Voraussicht nach auch auf das Jahresergebnis 2020 negativ auswirken: Da unter anderem während des Lockdowns 20 Prozent weniger Strom an Industrie- und Gewerbekunden (etwa Gastronomie) verkauft worden seien und zehn Prozent weniger Gas prognostiziert Eberhard Oehler ein siebenstelliges Minus im Jahresabschluss 2020.

Fürs Sponsoring kaum etwas ausgegeben

Nicht heruntergefahren haben die Stadtwerke in der Corona-Krise ihr Ausbildungsangebot von 20 Plätzen, wohl aber das Sponsoring: Von den üblichen rund 250.000 Euro für Kultur, Sport, Soziales in der Stadt geht es 2020 auf zirka 25.000 Euro zurück. Weder Musikschulnacht noch Schlossfestspiele noch Altstadtlauf fanden statt. Und der Halbmarathon im August ist ebenfalls abgesagt.

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